Seniorenzentrum Bethesda

„Älterwerden hat sich verändert“

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Tom und Mechthild Best vor dem Haus Bethanien in Schaafheim.

Harreshausen - Das Seniorenzentrum Bethesda feiert sein 30-jähriges Bestehen. Morgen öffnet die Einrichtung von 10 bis 17 Uhr ihre Pforten für die Öffentlichkeit.

Unser Redakteur Stefan Scharkopf hat mit den Geschäftsführern Mechthild und Tom Best gesprochen, wie sich Pflege entwickelt.

Bethesda und Bethanien sind Häuser mit christlichem Hintergrund. Was hat den Träger, das Christliche Sozialwerk, bewogen, hier tätig zu werden?

Tom Best: Bethesda und das Christliche Sozialwerk wollten etwas Gutes tun, Arbeitsplätze schaffen und das diakonische Gedankengut leben.

Was haben Sie vorgefunden, als Sie beide vor zehn Jahren angefangen haben?

Tom Best: Dadurch dass 2001 das Qualitätsmanagement eingeführt wurde, haben wir sehr gute Strukturen vorgefunden. Wir werden jedes Jahr durch externe Prüfer geprüft, zusätzlich zu den regelmäßigen Prüfungen der Pflegekassen, die wir, wie andere Einrichtungen auch erfahren. Meine Frau und ich sind bereits seit 1996 im Verein aktiv. 1997 wurde die Pflegeversicherung eingeführt. Damals kam der Wandel: Die Kassen hatten angefangen, die Pflege zu kommerzialisieren und einen Personalschlüssel einzuführen. Die damals Verantwortlichen für Bethesda sagten, ach, das kriegen wir schon hin. Der Wandel wurde nicht so recht wahrgenommen. Da ging es wirtschaftlich abwärts...

Mechthild Best: ...ja, da lebte die Einrichtung von der Substanz...

Tom Best: Wir mussten etwas verändern. An erster Stelle wirtschaftlich, aber auch baulich und vom Image her. Als Architekt war ich früher auch mit der Öffentlichkeitsarbeit befasst. Das musste ich jetzt wieder tun. Gutes tun, aber auch darüber reden.

Und wie ist die Situation heute?

Mechthild Best: Auch heute wandeln wir auf einem schmalen Grad. Es gibt Rahmenbedingungen, und wir müssen mit dem zurecht kommen, was uns das System zur Verfügung stellt. Das Pflegesystem ist unterfinanziert.

Tom Best: In Darmstadt stehen 200 Betten leer. Gerechnet wird aber mit einer Belegung von 98 Prozent, damit sich das Ganze auch finanziell trägt. Da müssen die Betreiber sich fragen, wie sie auf Leerstand reagieren. Eine Möglichkeit ist es, Überstunden der Mitarbeiter zu reduzieren. Die meisten Häuser haben 100, 120 Betten. Da fragt man sich schon, wie die Betreiber das hinkriegen.

Die Anforderungen werden also höher, gleichzeitig müssen Sie strenger kalkulieren?

Mechthild Best: Die Anforderungen werden höher, aber diese werden nicht refinanziert, ja.

Tom Best: Wir arbeiten eben in einem halb öffentlichen Bereich, wie etwa Kitas. Die Anforderungen, etwa bei der Hygiene, nehmen zu. Dafür bräuchte es mehr Geld. Allerdings kann der Staat auch seine Bürger nicht durch höhere Steuern belasten. Das ist kein Gejammere, sondern eben Tatsache. Leerlaufzeiten im Betrieb sind von der Kasse wegreduziert worden, da müssen wir sehr genau auf den Personaleinsatz achten.

Mechthild Best: Es gibt ja auch Wünsche, wie die Arbeit erledigt werden soll. Unsere Mitarbeiter wollen etwas mehr Zeit für die Senioren haben. Die Mitarbeiter engagieren sich über die Zeit hinaus, in allen Bereichen, da schaut niemand genau auf die Uhr, auch wenn die Arbeitszeit eigentlich abgelaufen ist. Eigentlich wünschen sich alle, Senioren, Angehörige und Pflegekräfte etwas mehr Zeit. In der Pflegestufe 1 beispielsweise beträgt die Pflege mindestens 45 Minuten am Tag. Oft müssen wir den Angehörigen aber sagen, dass damit nicht der direkte Kontakt mit Senioren gemeint ist, sondern, dass dazu auch die Dokumentation, Absprache mit den Ärzten, mit der Familie dazugehört, bis hin zum Saubermachen des Rollstuhls.

Wie wird Pflege sich künftig entwickeln?

Tom Best: Sie wird sich weiter professionalisieren. Unser Klientel ist im Durchschnitt sechs, sieben Jahre älter als noch vor zehn Jahren. Kurzzeitpflege ist oft Hospizarbeit, und diese hat zugenommen. Die älteren Menschen kommen später zu uns...

...Pflegeplätze sind ja auch nicht billig...

Mechthild Best: ...das stimmt, das ist schon viel Geld. Rund 37 Euro pro Tag ohne Pflegekosten. Wir nennen es gerne Hotelkosten, weil es damit vergleichbar ist. Wenn man die Nebenkosten einrechnet, Strom, Heizung, Wäschepflege, Essen und Trinken, Miete, dann wird das schon deutlicher. Wir machen alles, bis zum Annähen eines Knopfs.

Tom Best: Auch das Älterwerden hat sich verändert. Stichwort Demenz. Die Pflege wird sich aber auch insofern ändern, dass der vorstationären Pflege mehr Bedeutung zukommt. Diese wird ja auch von Bund und Land gefördert. Das hat einen ganz klar monetären Effekt. Viele Senioren sind auch im Alter länger fit. Seniorenwohnen in Gemeinschaften und Versorgung zuhause werden bedeutender. Deswegen bieten wir auch schon seit einiger Zeit Essen und Wäsche auf Rädern an und werden das ausweiten. Bethanien hat schon mit seinen Wohngruppen ein anderes Konzept wie das ältere Bethesda. Der Staat unterstützt solche Modelle. Wir werden aber sicher kein Heim mehr bauen.

Die Bautätigkeit privater Investoren in diesem Bereich nimmt zu. Gibt es da einen Wettbewerb um Patienten?

Tom Best: Jedenfalls keinen Wettbewerb über den Preis. Der ist fast überall gleich. Vielmehr geht es über das, was angeboten wird. Das Konzept des Seniorenhauses Bethanien orientiert sich an den Hausgemeinschaften, in vier Gruppen leben je zwölf Senioren gemeinsam, jeweils in Einzelzimmern. Allerdings ist das nicht in jeder alten Einrichtung möglich. In Bethesda haben wir letztes Jahr die Sanierungen abgeschlossen. Wir haben dabei auch Betten reduziert für mehr Einzelzimmer. Wir müssen uns im Vergleich mit anderen nicht verstecken.

Pflegearbeit ist ein harter Job. Wie sieht es bei Ihren Mitarbeitern aus? Was vermissen diese?

Mechthild Best: Sie vermissen es vor allem, dass die oft zu wenig Zeit für die Patienten haben, sie zu fest im Korsett mit der festgelegten Pflegezeit stecken, im Moment ist es aber okay. Das größere Problem ist für unsere Leute, dass wir nicht immer nur 100-Prozent-Stellen anbieten können, weil wir zeitlich flexibel bleiben müssen und auch Leerlaufzeiten haben. Aber die werden nicht bezahlt.

Tom Best: Eine Pflegekraft in Vollzeit kommt auf 2400 Euro brutto ohne Zuschläge und Sonderzahlungen. Das ist kein schlechtes Gehalt, finde ich. Aber wir können eben nicht nur 100-Prozent-Stellen schaffen.

Quelle: op-online.de

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