Middedrin lädt zum geselligen Abend

Weinprobe mit Aha-Effekten

+
Der Weinabend im alten Feuerwehrhaus freut sich seit drei Jahren großer Beliebtheit.

Harreshausen - Am Freitagabend bewiesen die Helfer von Middedrin, dass zur bayrischen Tracht nicht immer nur Bier gehört. Von Michael Just 

In Lederhose und Dirndl luden Mitglieder des Trägervereins des alten Feuerwehrhauses, der sich dem Erhalt der Kultur und der Traditionen verschrieben hat, zum Weinabend.
Die Liste für das „Wein-Tasting“ ließ zunächst den Atem stocken: Auf ihr standen nicht sechs, acht oder zehn Produkte. Es waren sage und schreibe 13 Weine, die der Reihe nach den Gaumen streicheln sollten. Als Krönung gesellte sich noch ein Frizzecco – und damit ein Perlwein – hinzu. Er kam nicht zum Schluss, sondern stellte die Einleitung dar. Wer sich bei jeder der 14 Sorten eine konsumierte Menge von 100 Milliliter Wein für jeden Verkoster vorstellte, assoziierte mit dem Abend eine äußert ,,gesellige“ Runde. „Es ist deutlich weniger, was in die Gläser wandert. Wer mehr möchte, bekommt aber gerne nachgeschenkt“, erklärte Vorstandsmitglied Sabine Veit.

Für die Veranstaltung stand mit Weingut-Inhaber Dieter Kratz ein echter Experte zur Verfügung. Vom Schönauer Hof in Osthofen kommend, bestellt er 13 Hektar. Das ergibt im Jahr bis zu 120 000 Liter Wein aus Rheinhessen. Die Angebotspallette reicht von Rot- und Weißwein, über Rose bis Perlwein. Nicht minder umfangreich präsentieren sich seine Rebsorten. Chardonnay wird ebenso kultiviert wie Cabernet Sauvignon oder Silvaner. Klassiker wie Dornfelder, Riesling oder Müller-Thurgau fehlen ebenfalls nicht. Wer vermutet, dass der 52-Jährige einem Traditionsbetrieb vorsteht, der irrt. Der Vater besaß eine Metzgerei und hatte daran eine kleine Weinstube angegliedert. Der lagen gerade einmal mal drei Hektar zugrunde. Doch Kratz hatte größeres vor: Er lernte das Handwerk und vergrößerte das Land durch Zukauf oder Pacht deutlich. Mittlerweile tritt die älteste Tochter in seine Fußstapfen: Sie schloss kürzlich ihre Winzerlehre so erfolgreich aber, das ihr Weinbau- und Önologie-Studium, das sie in Geisenheim draufpackt, durch ein Stipendium gefördert wird.

Der Weinabend von Middedrin war der dritte seiner Art. Von Anbeginn ist Dieter Kratz dabei. Der Kontakt baute sich durch ein Vorstandsmitglied auf, das den Winzer kennt. Für die Verkostung macht sich Dieter Kratz viel Mühe: Bei der 80 Kilometer langen Anfahrt nach Harreshausen werden die Weine bereits in einer Kühlvorrichtung auf die ideale Temperatur gebracht. Beim Rose oder Weißherbst liegt die bei um die acht Grad. Der Weinabend gestaltet Middedrin äußerst großzügig: Für die Verkostung wird kein Teilnahmebetrag fällig. Die Kosten für die ausgeschenkten Weine übernimmt der Verein und entrichtet die Summe an den Winzer. Auch den Preis für die deftig belegten Bauernbrotschnitten sowie die Käsewürfel samt Trauben gehen auf die Organisatoren.

Mit Hausmacher Wurst oder leckerem Apfelgriebenschmalz belegt, sorgen die Schnitten dafür, dass sich der Alkohol nicht zu schnell bemerkbar macht. Bezahlt werden müssen von den Gästen nur jene Getränke, die neben dem Wein zusätzlich genossen werden. Zum „Spülen“ des Mundes sind das zumeist nur ein oder zwei Wasser. Um die Unkosten für Wein und Fingerfood zu decken, wird am Ende des Abends um eine angemessene Spende gebeten. „Bis jetzt sind wir bei den vorangegangen Veranstaltungen damit recht gut gefahren“, weiß Middedrin-Vorsitzende Heidrun Koch-Vollbracht. Begrenzt werden musste allerdings die Zahl der Teilnehmer, die sich bei diesem Konzept als zu groß erwies. Aufgrund der guten Resonanz mussten einige Teilnehmer zuvor auf den Nebenraum verteilt werden. Dort war es nur schwer möglich, den Erklärungen von Kratz zu folgen. In der Konsequenz wurde die Teilnehmerzahl durch Voranmeldung auf 40 Personen begrenzt. Damit findet der Abend nun etwas kleiner, dafür aber als überschaubare und einheitliche Runde in einem Raum, statt.

Pfälzer Feste: Herbstgenuss mit Wein, Kastanien und Pilzen

Gerade die Erklärungen von Dieter Kratz machen mit den Reiz des Abends aus. Der Winzer erläutert nicht nur die Charakteristika der Weine, sondern hat stets auch viele Informationen parat. Dazu zählen Gärabläufe ebenso wie Wissenswertes zum Säuregehalt oder der Süße. Auch diesmal sorgte der Kenner für so manchen Aha-Effekt: So riet er Schorle-Liebhaber darauf zu achten, mit welchem Wasser sie mischen. Nicht jede Marke sei geeignet. Ist der Mineralgehalt zu hoch, schwindet die Säure. Bei einem Riesling gehe dann das markanteste Merkmal verloren.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare