In Harreshausen wohnt der Jazz

+
Musiker Rolf Plaueln mit seinem Lieblingsinstrument.

Harreshausen - In Harreshausen ist der Jazz zuhause. Genauer: Jazzer Rolf Plaueln. Der gebürtige Offenbacher, der im Babenhäuser Stadtteil seine Heimat gefunden hat, war mit anderen Genres früh fertig: „Mit 14, 15 war ich mit dem Rock durch“, sagt der heute 45-Jährige. Von Jens Dörr

Als er acht Jahre alt war, bekam er seine erste akustische Gitarre. Sein Vater, Lutz Plaueln, war Buchdrucker, „aber immer im Jazz und mit der Gitarre unterwegs“. Die Stiefmutter war Gitarrenlehrerin. „So fing das an“, erinnert sich Rolf Plaueln an seinen Einstieg in die Musik.

Was anfängt, kann entweder wieder enden – oder sich beschleunigen und fortsetzen. Bei Plaueln war Zweitgenanntes der Fall: Schul-AGs, Musicals auf dem Gymnasium – und auf die erste Akustikklampfe war inzwischen die erste E-Gitarre gefolgt. Vier bis acht Stunden lang habe er als Jugendlicher täglich geübt, erinnert sich der Harreshäuser. „Ohne Zwang, das habe ich alles freiwillig gemacht“, betont er. Plauelns Sohn Marvin (16) macht es ihm heute bereits nach, spielt ebenfalls Gitarre.

Schule für Gitarrenbau auf den Balearen

Beim „nur“ Spielen blieb es bei Rolf Plaueln unterdessen nicht. Zur bewegten Vita des sympathischen Musikers gehörte auch der Besuch einer Schule für Gitarrenbau auf der Balearen-Insel Formentera. Sechs- wie Siebensaiter baute Plaueln dort. „Gitarren mit sieben Saiten gab es damals nicht zu kaufen“, blickt er zurück. Die 100 Arbeitsstunden, die er an Arbeit pro Instrument investierte, hätten sich aber rentiert: „Die siebte Saite spart den Bassisten“, sagt er lächelnd.

E-Bass spielt Plaueln heute auch, könnte durchaus richtig abrocken. Der Mann mit dem einstigen „guten Draht zu den Rodgau Monotones“ habe aber „immer versucht, eigene Sachen zu machen“. Mit dem Covern von „Smoke on the water“ von Deep Purple hielt sich der Harreshäuser weniger auf; stattdessen verjazzte er Fugen von Bach und ließ Klassik auf Jazz treffen.

Vom Schüler zum Lehrer mutiert

Mit dem Hessischen Rundfunk machte er Jimmy-Hendrix-Projekte. Zuvor war Plaueln im Offenbacher „Studio für Gitarre“ vom Schüler zum Lehrer mutiert. Sein Können gibt er heute an der Dieburger Niederlassung der „Modern Music School“ überwiegend an Fortgeschrittene weiter.

Ein musikalischer Tausendsassa also? „Es ist zu knapp, wenn man auf nur einer Säule steht“, sagt er. In den 80er Jahren „waren die Amis noch da und füllten die Kneipen.“ Damals gab es für Musiker wie ihn noch mehr Auftrittsgelegenheiten als heute. Nur von den Gigs auf der Bühne zu leben, wäre selbst für Rolf Plaueln mittlerweile nicht ganz leicht – wenngleich er gut gebucht ist und 50- bis 60-mal pro Jahr auftritt. Mit den Backroots etwa, die auch schon als Vorgruppe der Puhdys spielte. Wobei Plaueln als Vorbilder eher George Benson und Pat Martino nennen würde. Neben den Offenbacher Jazzern spielt der Harreshäuser auch bei der kultigen hessischen Rockband Schwarzworz, die bei einer 1.-Mai-Kundgebung durchaus Klartext zu singen vermag.

Hinzu kommt die Gruppe Gypsy Accent, überdies leitet Rolf Plaueln an der „Modern Music School“ diverse Ensembles. Der Dieburger Musikschule hält der Harreshäuser seit deren Gründung vor mehr als fünf Jahren die Treue. Abwechslung und Kontinuität gehen bei ihm Hand in Hand.

Quelle: op-online.de

Kommentare