Harte Arbeit in den Gründerjahren

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Franz Utmelleki gehört zu den Gründungsmitgliedern des ASV. Aus dem See des Vereins wurde schon so manches Prachtexemplar gezogen.Fotos (2): Just

Harreshausen - „Das ist kein Anglerlatein. Die sind alle in unserem See geangelt worden“, sagt Franz Utmelleki und deutet auf drei riesige Fischköpfe, die präpariert über dem Ausgang des Vereinsheimes hängen. Von Michael Just

Unter dem Wels und den zwei Hechten befinden sich jeweils kleine Schildchen, die Fangdatum, Länge und Gewicht sowie die Namen der glücklichen Kameraden, die das Prachtexemplar an Land zog, zieren. Der Kopf des Welses gleicht fast der Größe eines Fußballs. 2003 gefangen wog er 64 Pfund und war 162 Zentimeter lang.

Dieses Jahr kann der ASV Harreshausen aber nicht nur auf seine bisherigen Fänge, sondern auch auf seine Geschichte stolz sein. Vor 40 Jahren fand die Gründung der Harreshäuser Angelfreunde statt, was am Wochenende mit einem großen Forellenessen gefeiert wurde. Besonders stolz ist man vor den Toren des Stadtteils auf das nur wenige Jahre alte Vereinsheim, das moderne Gemütlichkeit versprüht. „Hier machen wir unsere Feste oder halten alle Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen ab“, erzählt der ehemalige Vorsitzende Franz Utmelleki junior.

Der Bau sei einem Mitglied zu verdanken, der dem Verein die fehlende Differenz zum vorhandenen Eigenkapital vorgelegt hat. „Weil wir auf dem Gelände nur Pächter und keine Eigentümer sind, sind wir bei den Banken nicht kreditwürdig“, so der VDO-Konstrukteur. Zwei Jahre wurde von 2003 bis 2005 an dem Heim mit immenser Eigenleistung gebaut, um Kosten zu sparen. Peu à peu wurden in den Folgemonaten alle geliehenen Gelder zurückgezahlt. „Seit letztem Jahr sind wir schuldenfrei“, freut sich der 49-Jährige. Trotzdem sei die Freude nicht ungetrübt. So bereitet die Gewässerqualität des Sees durch den Algenbewuchs immer wieder Sorgen. Derzeit steht man in Verhandlungen über eine solarbetriebene Lüftungsanlage. Kosten: 14 000 Euro. „Jetzt sind wir mit dem Vereinsheim schuldenfrei, und dann kommt sowas!“, schüttelt Utmelleki etwas ungläubig den Kopf, dass sich gleich schon wieder eine neue Herausforderung anschließt. Mit Zuschüssen vom Verband hofft man, die Werte des Sees, die unter einer Tiefe von sieben Metern den „grünen Bereich“ verlassen, wieder zu stabilisieren.

Trotz neuem Finanzbedarf steckt beim ASV keiner den Kopf in den Sand. Zu groß sind die Errungenschaften, die man in den letzten Jahren geschaffen hat. Mit fleißigen Händen in vorderster Front war stets Franz Utmelleki senior. Von den sieben Gründungsmitgliedern gehört er zu den drei, die noch leben. Dazu ist er von diesem Trio der einzig verbliebene Aktive.

Eine Chance, die man nicht sausen lassen konnte

Er weiß noch genau, als sich vor 40 Jahren die Chance bot, den Kiessee als Angelgewässer zu übernehmen. „Das konnten wir nicht sausen lassen“, erinnert er sich daran, dass in den 50ern und 60ern immer wieder Anglergruppen aus dem Rhein-Main-Gebiet in ländlicher Idylle nach Gewässern suchten. So sei die Harreshäuser Gersprenz damals von „Petri Heil“ aus Frankfurt gepachtet gewesen. „Wieso den See anderen überlassen?“, blickt Utmelleki, der damals in Krotzenburg angelte, fragend zurück.

Die Gründungsmitglieder hätten den Verein dann mit viel Liebe aufgebaut. Ein großer Schwerpunkt habe die Jugend dargestellt. Bis nach Marktheidenfeld sei man damals für die Jugendzeltlager gefahren.

Die Trophäenwand des ASV.

Die Begeisterung und Vereinstreue vermisst der 75-jährige heute: „Wir bilden die Jugend aus und mit der Pubertät verschwindet sie dann wieder.“ Auch habe der Nachwuchs heute kein Interesse mehr, das Vereinsleben mitzugestalten. „Die meisten wollen nur angeln. So kann ein Verein aber nicht bestehen.“ Wie man sich über Jahrzehnte in den Verein einbringt, hat Utmelleki immer wieder vorgemacht. „Die Gründerjahre waren ausschließlich Arbeit“, erinnert sich der Rentner. So habe der See zu Beginn nur über Steilufer verfügt. Wege und Stege mussten geschaffen und das Ufer befestigt werden. Viele Jahre war Utmelleki Gewässerwart. Beim Bau des Vereinsheims, als er schon Rentner war, kam der ehemalige Maschinenschlosser jeden Tag zum Bau. Von den verbliebenen Gründern ist kaum einem die Zukunft des ASV Harreshausen so wichtig wie ihm. „Schließlich geht es darum, vier Jahrzehnte zu erhalten. Das ist kein Pappenstiel“, konstatiert er.

Hoffnung geben ihm seine beiden Enkel Simon und Martin, die ebenfalls schon das Vereins-T-Shirt mit der springenden Forelle tragen. „Es muss weitergehen“, sagt der 75-Jährige mit Blick auf die Errungenschaften. Es vergeht kein Tag, an dem er zum Vereinsheim fährt und nach dem rechten schaut. Seine Arbeitsstunden und auch die seiner Frau für den ASV hat er nie gezählt. „Das wäre Wahnsinn, das alles aufzurechnen“, lautet dazu seine Feststellung. Wichtig sei nur eines: „Das Engagement muss vom Herzen kommen.“

Info-Ecke: ASV Harreshausen

Der ASV Harreshausen zählt derzeit 63 aktive und passive Mitglieder, darunter ist auch eine zehn Mann starke Jugendgruppe. Das große, 100 mal 150 Meter umfassende Angelgewässer, das bis vor 15 Jahren noch zum Kiesabbau genutzt wurde, hat man 1969 für 99 Jahre von der Kommune gepachtet.

Zum Revier gehört zusätzlich ein 3,5 Kilometer langer Abschnitt der Gersprenz, der vom Bahndamm bis zur bayerischen Grenze reicht. Im See tummeln sich alle Weißfischarten, in der Gersprenz zusätzlich Bachforellen. „Der Fischbesatz ist mittlerweile eine teure Sache“, rechnet der ehemalige erste Vorsitzende Franz Utmelleki vor. „Ein Zentner Zander kostet heute 1 000 Euro. Unterm Strich sind das gerademal 40 bis 45 Fische“, weiß der 49-Jährige. Das sei genau der Betrag, der jedes Jahr vom Forellen-Essen hängen bleibt. Da Zander nicht die einzige Fischart ist, die man nachsetze, könne sich laut Utmelleki jeder ausrechnen, welche Kosten der Verein zu schultern hat. Da sei die städtische Vereinsförderung mit 125 Euro im Jahr zwar ein willkommener, aber trotzdem bescheidener Beitrag.

Ohne Nebeneinkünfte gehe deshalb nichts. Dazu zählt beim ASV das jährliche Forellenessen genauso wie eine Gruppe Wallfahrer, die man einmal im Jahr auf ihrem Weg bewirtet. Nicht minder bedeutend ist der kleine Gastronomiebereich im Vereinsheim, der im Sommer die Radfahrer willkommen heißt. In Eigenregie übernehmen die Mitglieder jeweils mittwochs, freitags und sonntags den Thekendienst.

Quelle: op-online.de

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