Stammgäste trotz kühler Temperaturen im Wasser / Sanierung soll Kosten senken

Wo Hartgesottene erste Bahnen ziehen

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Start in die Badesaison 2009: Theresia Schäfer gehört zu den Dauerschwimmern in Babenhausen . Zur Eröffnung am Samstag legte sie ihre ersten Bahnen zurück. Bei noch kühlen Temperaturen hatte sie das Bad weitgehend für sich alleine.

Babenhausen - Zwar scheint am Samstagmorgen die Sonne, doch 16 Grad Lufttemperatur gelten nicht gerade als klassisches Badewetter. Der frischen Luft stehen immerhin relativ warme 23 Grad im Becken gegenüber. Von Michael Just

Insgesamt warten um halb zehn rund 30 Personen auf Einlass, um die neue Saison im Babenhäuser Freibad zu eröffnen. Dass es wieder losgeht, freut vor allem Betreiberin Dalila Kahl vom Bäderservice Kahl: „Es ist ein sehr schönes Bad und es macht wirklich Spaß, hier zu arbeiten“, sagt die 47-jährige Schwimmmeisterin.

Mit Spannung blickt sie vor allem auf die Menschen, die sie kennt und die sie ein halbes Jahr nicht gesehen hat. „Manche stehen dann plötzlich als Eltern mit einem Kinderwagen vor mir, andere kommen als frisch gebackene und glückliche Rentner wieder“, erzählt die Aschaffenburgerin über die Vielzahl überraschender Neuerungen, die sich in der Winterpause ergeben können.

Auf die Frage, welche Größenordnung an Besuchern sie sich für die eben gestartete Saison erhofft, gibt sie sich optimistisch: „Wir rechnen immer mit dem Besten.“ Große Wettererkundigungen, wie der Sommer denn werden könnte oder gar einen abergläubischen Blick in den hundertjährigen Kalender stellt Kahl aber nicht an. Hier überwiegen bei ihr Sachlichkeit und Optimismus. Dass das Bad im Babenhäuser Parlament immer wieder Gegenstand heftiger Diskussionen ist, sieht die Aschaffenburgerin mit Distanz: „Zu dem Thema höre ich wenig, ich wohne ja nicht hier.“ Wie sie mit einem sympathischen Blick einräumt, bekomme sie aber trotzdem alle wichtigen Informationen, die sie für eine bestmögliche Arbeit brauche.

Optimistisch auf die neue Saison und die Zukunft des Bades blickt Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Wie sie sagte, arbeite die Technik reibungslos, verursache aber durch ihre Überalterung enorme Kosten in punkto Wasser, Energie und Chemie. Derzeit belaufe sich der städtische Zuschuss im Jahr auf 350000 bis 400000 Euro. Mit den geplanten Sanierungsarbeiten hoffe man aber, die Kosten um ein Drittel auf jährlich rund 250000 Euro senken zu können. Neue Strömungsverhältnisse im Becken sollen dazu den Einsatz von Chemikalien reduzieren.

Die ersten Bahnen des Jahres genossen am Samstagmorgen vor allem die sogenannten Dauerschwimmer. Auffallend war dabei die große Riege älterer Damen. „Wir sind jeden Morgen da“, sagt Edith Scharsitzke, die in diesem Jahr 80 Jahre alt wird. Da könne das Wetter sein, wie es wolle. „Ich komme vor allem deswegen so oft vorbei, weil ich nicht in den Urlaub fahre“, lacht sie. Nach der Runde mit dem Hund führe der Weg täglich ins Bad zur halbstündigen Schwimmertüchtigung. Bemerkenswert ist, dass Scharsitzke überhaupt erst 1977 schwimmen gelernt hat.

Als passionierte Dauerschwimmerin steht ihr die 81-jährige Gertrud Lippert in nichts nach. Die Wahl-Babenhäuserin kommt sogar sonntags: „Da ist das Bad in der Früh schön leer, weil nur die Hälfte der Dauerschwimmerinnen da ist.“ Ein Großteil sei dann zum Kirchgang oder koche für die Familie. Wie Lippert, die bereits seit jungen Jahren leidenschaftlich gerne schwimmt, heraushebt, habe ihre Wasserliebe sogar den Hauskauf beeinflusst, als sie vor zwölf Jahren mit ihrer Familie nach Babenhausen zog: „Vor dem Haus stand ein Schild ‚Zum Schwimmbad’. Das Haus haben wir dann vor allem wegen seiner Nähe zum Bad genommen.“

Quelle: op-online.de

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