„Hauptsache nicht verhökern“

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Der Zahn der Zeit hat an dem unter Denkmalschutz stehenden Haus in der Kirchstraße genagt.

Harpertshausen ‐ Man merkt, dass es eine Herzensangelegenheit von Ortsvorsteher Kurt Kratz ist: Das Alte Schulhaus von Harpertshausen gegenüber der Kirche ist tatsächlich ein schmuckes, aber ein wenig heruntergekommenes Fachwerkhaus. Von Niels Britsch

Deswegen auch sanierungsbedürftig und damit für eine finanziell klamme Stadt wie Babenhausen ein Problemfall. Für alteingesessene Harpertshäuser wie Kratz ist es aber vor allem ein Stück heimatlicher Identität, „denn hier sind Generationen von uns zur Schule gegangen und wir verbinden Erinnerungen an Jugendzeiten damit.“ Bis 1976 wurden die jungen Bewohner hier unterrichtet, anschließend diente das Haus als Verwaltungsgebäude und von 1996 bis 2008 war dort ein Kindergarten untergebracht, der jedoch mangels Nachwuchs schließen musste.

Das Bauwerk wurde 1909 errichtet und es steht unter Denkmalschutz, bis auf das bewohnte Obergeschoss ist es momentan leer. Besitzer ist der Eigenbetrieb der Stadt, 2009 hatte die Betriebskommission drei Vorschläge zum weiteren Vorgehen erarbeitet: Die erste Alternative ist eine Sanierung und anschließende Vermietung als Büro- und Wohnräume, die Kosten werden auf 550 000 Euro geschätzt. Als zweite Möglichkeit steht ein Verkauf zur Debatte, wobei der Preis bei knapp 65 000 Euro angesetzt wird. Der dritte Vorschlag der Betriebskommission ist die Zurückstellung einer endgültigen Entscheidung.

Schon länger konkrete Pläne

Nun hat der Ortsbeirat einstimmig in der jüngsten Sitzung für die erste Alternative plädiert. Den Verkauf lehnen Beirat und Ortsvorsteher Kratz kategorisch ab. „Es besteht die Gefahr, dass bei finanzieller Überforderung des Käufers die Vorschriften des Denkmalschutzes nicht eingehalten werden können“, befürchtet er. Auch über den geschätzten Preis ärgert sich der Harpertshäuser, denn die Summe beziehe sich lediglich auf das Grundstück, „die Immobilie selber ist nichts wert, sagen die Gutachter. Und wir wollen unser Schmuckstück nicht für 65 000 Euro verhökern.“

Wenn das Haus in städtischer Hand bleibe, könne man damit auch langfristig planen. „Der Ort wird sich möglicherweise ja auch vergrößern, es gibt ja ein neues Baugebiet hier.“ Er hofft auf junge Familien und damit auch wieder auf mehr Nachwuchs: „Vielleicht kann dort irgendwann wieder einmal ein Kindergarten in Betrieb genommen werden.“ Wenn man das Gebäude veräußere, sei es allerdings für eine solche Option zu spät: „Verkauft ist es schnell und dann ist es ein für allemal weg.“

Dabei habe es schon länger konkrete Pläne gegeben: „Es ist sehr bedauerlich, dass die Stadtverordnetenversammlung bereits mehrmals Mittel für die Sanierung bereit gestellt hat, durch fehlende Planungskapazität wurde diese aber leider nicht umgesetzt.“ Kratz sieht Parallelen zum Babenhäuser Wasserturm, für ihn ist eine Sanierung durch die Stadt selber die nachhaltigste und langfristigste Lösung: „Auch wegen des zur Zeit schwachen Immobilienmarktes für solche Objekte sollte man von einem Verkauf Abstand nehmen.“

In der Stellungnahme des Ortsbeirates schlagen die Harpertshäuser Vertreter vor, an dem Wettbewerb„Bioeffizienz-Dorf“ teilzunehmen, wodurch sich neue Möglichkeiten zur Reduzierung der Sanierungskosten ergeben könnten. „Wir sind für alles offen, Hauptsache, es bleibt erhalten und wird nicht verhökert“, so Kratz.

Quelle: op-online.de

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