Haus mit Geschichte und Zukunft

+
Unternehmer Dieter Aumann vor dem historisch interessanten Haus, das zu einem Museum werden soll.

Babenhausen ‐ Seit Jahren steht es leer, dass der Zahn der Zeit kräftig genagt hat, ist unübersehbar. Doch es ist ein Haus voller Geschichte - und ein Gebäude mit Zukunft: Aus dem Gaylingshaus in der Amtsgasse soll ein Heimatmuseum werden. Von Stefan Scharkopf

Der Mann, der hinter dieser Idee steckt, ist der Babenhäuser Bauunternehmer Dieter Aumann. Was treibt den Firmenchef an? „Zunächst das Interesse an Geschichte. Je älter ich werde, desto intensiver beschäftige ich mich damit“, sagt Aumann, der nicht nur Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins ist, sondern auch schon Bücher veröffentlicht und Vorträge gehalten hat.

Vor 15 Jahren hat Aumann mit Ahnenforschung begonnen und diese Leidenschaft immer mehr mit der Heimat- und Territorialgeschichte Babenhausens verknüpft. „Es geht mir nicht darum, einfach nur die Lebensdaten der Menschen zu erfassen, mich interessiert vor allem, wie sie gelebt haben“, sagt Aumann.

Dazu gehören natürlich auch deren Häuser in der Altstadt. „Wenn man auf den Gassen spaziert, sieht man, was Babenhausen zu bieten hat. Es gibt viele markante Häuser, die man in die richtigen Hände bringen sollte. Dazu kommt, dass Babenhausen Residenzstadt der Grafen von Hanau-Lichtenberg war, also ein historisches Erbe hat, das andere umliegende Kommunen so nicht aufweisen.“

Zudem trage ein Heimatmuseum zur Belebung der Innenstadt bei. „Dass viele Geschäfte sich lieber am Stadtrand niederlassen und raus aus der Innenstadt wollen, können wir nicht verhindern, aber es gibt auch andere Möglichkeiten, für eine belebte Innenstadt zu sorgen. Deshalb soll ein Heimatmuseum auch mitten in der Stadt sein und nicht am Rand.“

Stiftung heißt „Amtsgasse 32 in Babenhausen“

Die Überlegung, das Gaylingshaus zu erwerben und in eine Stiftung einzubringen, reifte in Aumann, der gerne mit seiner Frau Barbara durch Archive stöbert, bereits im vergangenen Oktober. Er nahm Kontakt mit dem Besitzer der Immobilie auf, jetzt steht der Erwerb an.

Begeistert von der Idee sei natürlich der Heimat- und Geschichtsverein, der die Realisierung eines Heimatmuseums auch in seiner Satzung stehen hat, sowie die Denkmalschützer des Landkreises.

Die Stiftung trägt den Namen „Amtsgasse 32 in Babenhausen“. Zweck ist die Sanierung des Hauses und die Errichtung eines Museums für Territorialgeschichte. Im Vorstand der Stiftung sind neben Aumann selbst sein Sohn Markus, der Vorsitzende des HGV, Dr. Klaus Lötzsch, Georg Wittenberger und Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Es gibt ein Kuratorium für alle, die sich noch engagieren wollen.

Eine Satzung wurde verfasst und mit dem Regierungspräsidium abgestimmt. Ein Konzept wird erarbeitet, worin die genaue Nutzung beschrieben ist. Gehofft wird auch auf Fördermittel.

Das Gaylingsche Anwesen selbst besteht aus einem Haus und einem kleinen Nebengebäude, das vielleicht als kleine Wohnung genutzt werden könnte. Die Immobilie ist zwar stark renovierungsbedürftig, hat aber „eine wunderbare Substanz“, sagt der Baufachmann, „da gibt es beispielsweise alte Stuckdecken aus Lehm, die noch aus der Renaissance stammen.“ Das Haus war bis vor ein paar Jahren noch von einer amerikanischen Familie bewohnt und steht seitdem leer.

Zunächst wird es eine Bestandsaufnahme geben, danach werden die Baukosten ermittelt und ein Finanzierungsplan aufgestellt. „Im Prinzip wird jeder Balken untersucht“, sagt Aumann, „aber das ist genau das, was wir wollen, nämlich den Bau in die alte Form bringen.“

Einen Zeitplan gibt es nicht, weil sich die Akteure nicht unter Druck setzen wollen. Ist das Museum aber fertig, wird die Geschichte der Hanau-Lichtenberger sicher eine große Rolle spielen. ebenso die Historie der heimischen Industrie, etwa der Cellba. Betrieben wird das Heimatmuseum von ehrenamtlichen HGV-Mitgliedern.

Aumann: „Die Stadt ist ja immer noch auf der Suche nach ihrer Identität. Mal ist von der Pferdestadt die Rede, mal vom zauberhaften Babenhausen. Die reiche Historie der Stadt sollte darüber hinaus nicht vergessen werden.“

Quelle: op-online.de

Kommentare