Von Haus zu Haus gezogen

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Im lokalen DRK-Heim feierte das Jugendrotkreuz Harpertshausen sein 50-jähriges Bestehen.

Harpertshausen ‐ „Ich habe insgesamt 54 ehemalige Gruppenleiter eingeladen“, erzählt Hanne Lehr, die dem Jugendrotkreuz Harpertshausen (JRKH) vorsteht. Die große Zahl verwundert nicht, denn in diesem Jahr kann die Jugendabteilung bereits auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken. Von Michael Just

Zu diesem Jubiläum kamen auch zahlreiche Gäste, um dem Geburtstagskind zu gratulieren, darunter Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Ortsvorsteher Kurt Kratz, DRK-Ortsvorsitzender Karsten Kratz oder die JRK-Kreisleiterin Wiebke Stoeckicht. Coutandin hob heraus, dass soziale Netzwerke immer mehr durch das Internet bestimmt würden. Harpertshausen bestätige aber, wie wichtig es sei, sich vor Ort zu begegnen.

„Nur wer sich persönlich austauscht, schafft Zusammenhalt und ermöglicht mit einer großen Portion Begeisterungsfähigkeit ein solches Jubiläum.“ Sie lobte auch die internationale Verantwortung, die das JRKH übernimmt. Beweis dafür sei der große Hilfscontainer, der im letzten Jahr nach Burkina Faso ging.

198 Euro fürs Gemeinschaftsbild

Ortsvorsteher Kurt Kratz dankte dem JRKH für seine Hilfe bei der Ortsverschönerung: So strichen die Jugendlichen bereits dreimal die lokale Grillhütte, dazu wird die Anlage von einer Jugendgruppe gepflegt. DRK-Ortsvorsitzender Karsten Kratz hob hervor, dass eine Jugendarbeit nur mit motivierten Gruppenleitern möglich ist. Stellvertretend für alle rief er Hanne Lehr auf die Bühne und erinnerte daran, dass die 52-jährige das JRKH Mitte der 90er Jahre nach einer Durststrecke wieder ins Leben rief.

Zur Jubiläumsfeier gehörte auch der Sketch „Ein aufmerksamer Ehemann“, den die Jugendrotkreuzler bereits an der Seniorenweihnacht erfolgreich aufgeführt hatten. Neben einer Bastelecke wurde zudem große Kunst präsentiert: Rund zwei Dutzend Ölbilder, die mit dem ortsansässigen Künstler Jan Bürli entstanden, hingen an der Wand und verdeutlichten die große Bandbreite der Gruppenstunden. Ein Gemeinschaftsbild wurde während der Feier versteigert, für das am Ende stolze 198 Euro zusammen kamen.

Hauptsache die Jugendlichen sind weg von der Straße

Vor allem für ehemalige Gruppenleiter war das Jubiläum die Gelegenheit, sich nach vielen Jahren wiederzusehen. Nicht wenige haben ihrem Heimatort mittlerweile den Rücken gekehrt. So wie Fritz Frank (59), der heute in Obernburg lebt: „Meine Frau hat mir die Einladung gezeigt, da war sofort klar, dass ich herkomme.“ Wie die Kollegen von damals schaute er sich die alten Fotos aus den letzten 50 Jahren, die Hanne Lehr zusammengetragen und aufgehängt hatte, etwas genauer an. Frank gehörte in den 60er Jahren zu den ersten Gruppenleitern in Harpertshausen. „Meine 14- bis 15-jährigen Schützlinge waren zu jener Zeit genauso lebhaft wie der Nachwuchs heute“, blickt der 59-jährige zurück. Die Jugendarbeit hält er für essentiell: „Egal ob von JRK, Feuerwehr oder Sportverein: es ist wichtig, dass die Jugend gefördert wird. Hauptsache sie hat ein Ziel und ist weg von der Straße.“

Vor 50 Jahren gründete Ilse Ott JRKH. Bei ihrer Initiative war sie gerade einmal 13 Jahre alt. 1960 wandte sie sich an den örtlichen DRK-Vorsitzenden Heinz Lautenschläger und unterbreitete ihm den Vorschlag, dass man doch auch etwas für die jüngere Generation ins Leben rufen könnte. „Die Kinder hatten damals wenig“, erinnert sich die 63-jährige. Meistens kamen sie aus Bauernfamilien und halfen bei der Arbeit auf dem Feld. Allzu oft machten sie den Haushalt oder zogen die Geschwister mit groß.

Meine schönste Zeit

„Mein Ziel war es, dass sie wenigstens einmal die Woche in die Gruppenstunde kommen konnten“, erzählt Ott. Dafür habe es aber viel Überredungskunst bedurft: So zog die 13-Jährige von Haus zu Haus zog und überzeugte die Eltern persönlich, ihre Kinder dem JRKH anzuvertrauen. Ihr Engagement wurde belohnt: Die erste Gruppe bestand aus acht Mitgliedern, der Ott als Gruppenleiterin vorstand.

Mit Hilfe des Kreisverbandes organisierte sie Fahrten, die schon damals bis in die Schweiz oder an die Ostsee führten. Dieses Engagement trägt noch immer Früchte: Derzeit kümmern sich vier Betreuer um insgesamt 25 Kinder und Jugendliche, die sich je nach Alter auf drei Gruppen verteilen. Die Treffen beinhalten neben der Vermittlung von grundlegenden Rettungsmaßnahmen eine Vielzahl von Beschäftigungen. Zum Teil nehmen sogar noch 20-jährige an den Gruppenstunden teil. Da braucht man sich über die Wort von Ilse Ott nicht zu wundern: „Die Jahre beim JRKH waren mit meine schönste Zeit.“

Quelle: op-online.de

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