Medizinische Hilfe für Madagaskar kommt aus Babenhausen

Hebammenmobil ist nur der Anfang

Babenhausen - Madagaskar ist eines der ärmsten Länder der Welt. Der in Babenhausen ansässige Verein „Mobile Hilfe Madagaskar“ setzt sich dafür ein, dass den Menschen medizinisch geholfen wird. Von Yvonne Fitzenberger

„Ich habe gesehen, wie Neugeborene in den Müll geworfen wurden“, erzählt Tanja Hock. Unvorstellbar für die meisten, aber Realität im afrikanischen Madagaskar. Mit Ende 20 zog es die Pflaumheimerin auf die zirka 8550 Kilometer entfernte Insel, wo sie bis heute lebt. Dort stieß sie auf Zustände, die die zweifache Mutter nachhaltig beeinflussten.
Den ersten Kontakt hatte sie, als sie mit einer Schweizer Hilfsorganisation nach Madagaskar kam. Nach ihrem dreijährigen Aufenthalt beschloss sie, dass sich etwas ändern muss. Kurz darauf erarbeitete sie eigene Projekte: Bereits seit 2009 betreut sie mit ihrem Hebammenmobil Schwangere und junge Mütter. Ein Jahr später gründete Hock den Verein „Mobile Hilfe Madagaskar“ (MHM). Nach und nach baute sie als Verantwortliche verschiedene Projekte auf. „Die Angebote wuchsen langsam“, sagt die heute 39-Jährige. „Es wurde stetig immer mehr.“ Inzwischen zählt der Verein 29 Mitarbeiter, wovon bis auf drei alle aus Madagaskar stammen, sowie neun Freiwillige auf Zeit. Sie betreuen mittlerweile mehrere Projekte:

• Die Krankenstation: Die Krankenstation und das Büro der MHM befinden sich in Ambovo – ein kleines Dorf in der Nähe der Hauptstadt Antananarivo. An den Vormittagen bieten die Ärzte und Hebammen kostenlose medizinische Beratungen an. „Wir wollen die Station ausbauen“, erzählt Hock. Es sollen ein Trainingscenter und ein Geburtshilfehaus an die bestehende Station angeschlossen werden, inklusive Kreißsaal und OP.

• Das Hebammenmobil: das Startprojekt der mobilen Hilfe. „Seit dem Start des Hebammenmobils haben alle unsere Frauen ihre Kinder behalten“, kann die MHM mitteilen. An vier Abenden in der Woche hilft ein Team, bestehend aus einer Hebamme, einem Allgemeinarzt und einem Fahrer auf den Straßen der Hauptstadt. Zusätzlich fahren sie jeden Mittwoch und Donnerstag an verschiedene Orte außerhalb der Hauptstadt. Die Versorgung richtet sich an obdachlose Frauen, damit ihnen eine Grundversorgung zugutekommt.

• Das Zahnarztmobil: Einmal im Monat macht sich medizinisches Personal auf in den Busch, um die Madagassen zu versorgen. Des Weiteren betreut das Zahnarzt-Team drei Schulen und ein Schülerwohnheim mit insgesamt 1 000 Kindern, um auch vorbeugend zu arbeiten. Die MHM versorgt die Kinder mit Zahnbürsten und -pasta und zeigt ihnen, wie man diese benutzt.

• Der Rettungswagen: Nach deutschem Standard eingerichtet, verfügt die mobile Hilfe über einen Rettungswagen. Damit versorgen sie MHM-interne Notfälle und helfen anderen Organisationen aus. „In Madagaskar gibt es ansonsten nur krankenhauseigene Rettungswagen, deren Anfahrtszeit und Ausrüstung nicht dem entsprechen, was wir aus Deutschland kennen.“

Fragen vor der Geburt - Baby-Planner helfen werdenden Eltern

• Der Kids-Club: Die Mobile Hilfe bietet, angebunden an ihren Projekten, eine Jugendstunde an. An vier Abenden in der Woche wird auf christlicher Basis mit Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren gemeinsam gespielt und gebastelt. Zwei der Clubs sind direkt an das Krankenhaus angebunden, mobil vier weitere. Von den zirka 20 000 obdachlosen Kindern erreicht die mobile Hilfe jeweils um die 30 Jungen und Mädchen.

Das Arbeitsspektrum der MHM erstreckt sich noch weiter. Dabei ist sie stets auf Spenden angewiesen. Denn alle Projekte können nur so finanziert werden. Zurzeit werden die Gelder für den Ausbau der Krankenstation gesammelt. „Es wäre toll, wenn wir im Herbst mit dem Bau beginnen könnten“, sagt Hock. Mit der Erweiterung sei es dann auch möglich, Personal auszubilden. „Es soll dann nach drei Jahren soweit sein, dass es in entlegenen Orten selbst weiterbilden kann.“ Das sei dringend notwendig, denn das nächste Krankenhaus ist mindestens 1,5 Stunden entfernt.

Außer der finanziellen Unterstützung ist der Verein auch auf Helfer angewiesen. „Die meisten sind um die 20 Jahre alt“, berichtet Hock. „Neben den Berufanfängern freuen wir uns aber auch über erfahrene Helfer.“

Informationen Informationen sowie das Spendenkonto unter www.mobile-hilfe-madagaskar.de.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare