Ein Heim für Schleiereulen

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Der Nabu Langstadt hat einen neuen Vorstand: Schriftführer Frank Ludwig Diehl (von links), Vorsitzender Dirk Alexander Diehl, stellvertretende Vorsitzende Silke Maaty und Kassierer Richard Günther. Karl Heinz Bader (rechts) erhielt ein Präsent für seine langjährige Vorstandsarbeit.

Langstadt ‐ Dirk Alexander Diehl heißt der neue und alte Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Langstadt. Bei den Vorstandswahlen im alten Rathaus wurde der Diplom-Biologe wieder bestätigt, nachdem er vor zwei Jahren seinen Vater Otto beerbte, der dieses Amt 50 Jahre lang ausgeübt hatte. Von Michael Just

Trotz der derzeit 110 Mitglieder fand die Versammlung in einem kleinen Kreis statt, was die Beschlussfähigkeit aber nicht behinderte. „Eine weise Einrichtung in der Satzung macht dies möglich“, erklärte der Vorsitzende. Bei den Wahlen musste zudem ein neuer stellvertretender Vorsitzender und eine neue Kassiererin gefunden werden, weil Karl Heinz Bader und Dorothea Schmid-Schönbein fortan nicht mehr zur Verfügung stehen. Beide übten ihre Aufgabe über etliche Jahre aus und wollen nun Jüngeren Platz machen. Neue zweite Vorsitzende ist Silke Maaty, das Amt des Kassierers übernimmt Richard Günther. Keine Veränderung gab es beim Schriftführer, dieser heißt weiterhin Frank Ludwig Diehl.

Das Programm für 2010 weist für den Nabu Langstadt, der zu den aktivsten in der Region zählt, erneut ein vielfältiges Programm auf. Los geht es am 3. März mit „Landwirtschaft im Odenwald“, bei dem ein Blick auf die Zukunft der Agrarbetriebe ansteht. Vom 28. bis 30. Mai blickt der Verein mit einer großen Ausstellung und Vortragsabenden auf 140 Jahre Eisenbahn in Langstadt. Weshalb dies ein Thema für den Nabu ist, kann Dirk Alexander Diehl erklären: „Das ist nicht nur geschichtlich und technisch interessant sondern vor allem deshalb, weil die Bahn ein umweltfreundliches Verkehrsmittel darstellt.“

Bei vielen Themen Querbezüge zum Naturschutz

Im vergangenen Jahr befasste sich die Naturschützer bereits mit den alten Römern, die ebenfalls nicht als primäres Naturschutzthema gelten, aber landschaftsgeschichtliche Aufschlüsse geben. „Bei etlichen Themen sind Querbezüge zum Naturschutz enthalten“, weiß Diehl und ergänzt: „Von den anderen Langstädter Vereinen betreibt sonst niemand Geschichtsforschung. Wir sehen uns dafür noch am ehesten geeignet.“

Zu den sonst üblichen sechs Jahresveranstaltungen der Naturschützer gesellt sich 2010 noch eine siebte: Am 11. April steht der Besuch der Gersprenznaturierung bei Reinheim mit anschließender Vesper an, die die Langstädter vom Nabu-Kreisverband zu ihrem 50-jährigen Bestehen geschenkt bekamen.

Das Programm wird durch verschiedene Arbeitseinsätze ergänzt. So soll in der Gemarkung Harreshausen der alte, stillgelegte Stromturm, den der Nabu von der HSE übernahm, fertig ausgebaut werden. Geplant ist darin eine „Wohneinrichtung“ für Schleiereulen, weitere Veränderungen für das Wohlbefinden von Mehlschwalben und Fledermäuse wurden bereits getätigt. Zudem will man die Plakatanschlagtafeln ersetzen, die der Straßenerneuerung am Ortsausgang zum Opfer fielen. Ein Lob ging vom Ehrenvorsitzenden Otto Diehl an die hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger, dass sie nicht mit Gift gegen die zu erwartende Maikäferplage im Frühjahr vorgehen will. Normalerweise habe man mit CDU-Umweltministern weniger Glück, aber dies sei eine respektable Entscheidung. „Damit hat sie sich keine Freunde in den Forstsämtern gemacht“, konstatiert der 83-Jährige den Mut.

Erweiterung „unverständliche Entscheidung“

Unbehagen rufen bei dem altgedienten Umweltschützer die Ausbaupläne der B26 zwischen Altheim und Babenhausen hervor. Entwürfe, die bis zu vierspurigen, autobahnähnlichen Trassen mit brückenähnlichen Übergängen reichen, lehnt er aufgrund der weitreichenden Natureingriffe ab. Ähnlich verhält es sich mit der großen Südumgehung für Babenhausen, die nicht nur den Flugplatz tangiere, sondern auch das nahe FFH-Naturschutzgebiet.

Als völlig unverständliche Entscheidung kommentierte Diehl senior den neuen regionalen Raumordnungsplan, in dem die Kommission den Kiesgrubenbesitzern in Babenhausen zugesteht, ihren Förderbereich in punkto „Rohstoffsicherung“ um sage und schreibe 146 Hektar zu erweitern. „Das ist völlig unrealistisch. Das wären rund 100 Fußballfelder“, rechnet Diehl vor. Soweit werde es wohl nie kommen, auch weil die Stadt gegen diese immense Ausdehnung ist. Trotzdem bleibe es für ihn nicht nachvollziehbar, wie die Regionalversammlung Südhessen solche Möglichkeiten eröffnen kann.

Quelle: op-online.de

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