Hergershäuser auf Philippinen

„Touristen sind wichtig fürs Land“

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Nachdem Taifun Haiyan Teile der Philippinen zerstört hat, ist das Land auf Hilfe angewiesen. Jens Funk aus Hergershausen, der seit Jahren dort wohnt, unterstützt die Bewohner im Katastrophengebiet.

Hergershausen - Seit elf Jahren lebt Jens Funk auf den Philippinen. Der gebürtige Hergershäuser hat damals seiner deutschen Heimat den Rücken gekehrt – nun findet er sich in einem Katastrophengebiet wieder. Corinna Hiss hat mit ihm über die Zustände auf den Philippinen gesprochen.

Wie viel vom Land ist durch Taifun Haiyan zerstört worden?

Wenn man die Bilder im Deutschen Fernsehen sieht, bekommt man schnell den Eindruck, dass alles zerstört ist. Das stimmt nicht so ganz und muss auf jeden Fall relativiert werden. Die Philippinen haben – alle Inseln mit eingeschlossen – eine Fläche von der Größe Deutschlands. Darin ist in einem Bereich, der etwa so groß ist wie die Strecke zwischen Frankfurt nach Köln, alles zerstört. Der Rest des Landes ist aber völlig intakt geblieben.

Wie ist momentan die Situation in den zerstörten Gebieten?

Bis jetzt war ich zwei Mal in der betroffenen Region und das, was man dort sieht, ist natürlich schrecklich. Es steht kein Haus mehr, alle Bananenstauden sind zerstört, Fischerboote zertrümmert und Kokospalmen liegen auf den Straßen. Der Taifun hat die Region schwer getroffen und für die Einwohner wird es auch in Zukunft nicht leicht sein, da eine komplette Ernte zerstört wurde.

Leben Sie mitten im Katastrophengebiet?

Nein. Ich lebe in Cebu City auf der Insel Cebu. Das ist die zweitgrößte Stadt im Land und liegt in den Visayas, einer Inselgruppe in der Mitte der Philippinen. Der Taifun hat Nord-Leyte, Suedsamar und Nord-Cebu stark getroffen. Ich wohne also zirka 100 Kilometer vom betroffenen Gebiet entfernt.

Und doch wollten Sie den Menschen helfen?

Auf jeden Fall, jedoch kann ich nur im kleinen Rahmen Hilfe leisten. Durch meine Kontakte weltweit fragen mich auch viele meiner Bekannte, wie sie helfen können. Ich habe früher mal eine Fahrradstiftung gegründet, mit der eigentlich Jugendliche in Not Fahrräder bekommen sollten. Die habe ich jetzt kurzerhand umfunktioniert: Mit der Stiftung haben wir bereits 8.000 Euro für die Taifun-Opfer gesammelt und sind schon zweimal mit voll beladenen Lastwagen in die Krisengebiete gefahren.

Wie helfen Sie genau?

Wir verteilen, Essen, Wasser, Medikamente, Vitamine und Planen gegen die Sonne oder den Regen. Damit konnten wir bisher rund 1.000 Familien unterstützen. Jetzt planen wir bei dem Wiederaufbau nach dem Unwetter zu helfen: Schulen werden wieder in Schuss gebracht und Fischerboote repariert, sodass die Wirtschaft ein wenig angekurbelt werden kann.

Haben die Menschen auf den Philippinen denn noch Hoffnung?

Ich glaube, es gibt keine Nation auf der Welt, die mit so einem Optimismus lebt wie die Einwohner der Philippinen. Korruption ist hier eines der größten Probleme, aber die Philippiner helfen sich trotzdem gegenseitig. Genau das schätze ich so sehr an ihrer Mentalität: Ein Tag, nachdem der Taifun hier eingeschlagen hat, sind alle Leute in den nicht betroffenen Regionen aufgestanden und wollten sofort helfen. Es wurden Benefizkonzerte veranstaltet, Hotels boten an, die Hälfte ihres Gewinns an die Betroffenen zu geben, Leute auf der Straße, selbst beinahe mittellos, gaben ihr letztes Geld. Es reicht zwar bei weitem noch nicht aus, aber eine Mentalität wie diese hier habe ich noch nie erlebt.

Wie können Menschen hier in Babenhausen konkret Hilfe leisten?

Am besten können die Menschen hier vor Ort helfen, so wie das Technische Hilfswerk oder das Rote Kreuz, die einen phantastischen Job machen. Damit das aber funktioniert, sind wir hier auf Geldspenden angewiesen. Auch bei unserer Stiftung werden alle Spenden öffentlich auf unserer Webseite angezeigt, genauso wie unsere Hilfsaktionen. Wer spendet kann sich sicher sein: 100 Prozent der Gelder kommen an.

Taifun wütet über den Philippinen

Taifun "Haiyan" wütet über den Philippinen

Gibt es noch etwas außer Geldspenden?

Ja. Ich bitte alle, die ihren Urlaub auf den Philippinen geplant haben, ihn nicht abzusagen. 90 Prozent des Landes sind intakt und die Philippiner brauchen den Tourismus, um wieder auf die Beine zu kommen.

Was reizt Sie besonders an den Philippinen?

Es gibt zwei Sachen, die mich am meisten faszinieren. Zum einen sind das die traumhaften Outdoor-Sportaktivitäten, wie Mountainbiken, Kayakfahren, auf Vulkane klettern oder die unzähligen Strände zu erkunden. Der Hauptgrund sind aber die Einwohner selbst. Philippiner sind die gastfreundlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann und selbst in einer Extremsituation wie jetzt, nach dem Taifun, hilft jeder jedem. Das ist einfach sensationell.

Werden Sie Weihnachten nach Deutschland kommen?

Nein , weil die Philippinen jetzt meine Heimat sind. Ich komme aber jedes Jahr nach Deutschland zum Urlaub machen. Wer weiß, wo es mich in der Zukunft hin verschlägt, aber im Moment sind die Philippinen das reizvollste Land der Welt.

Quelle: op-online.de

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