„Kerb wie anno dazumal“

Hergershäuser feiern nostalgisch

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Hergershausen - Extraklasse hatte das Fahrzeug, mit dem Kerbmudder Sabine Rauer beim Umzug am Sonntagmittag unterwegs war. Detlef Belzner chauffierte sie mit seiner alten Beiwagen-BMW im strahlenden Sonnenschein am feiernden Volk vorbei. Von Petra Grimm

„Kerb wie anno dazumal“ hieß das Motto der Großveranstaltung, die von Freitag bis Montag wieder für fröhliches Treiben in Hergershausen sorgte.

Der bunte Umzug mit 15 Nummern, darunter aufwändig geschmückte Wagen und originell kostümierte Teilnehmer, war einer der Höhepunkte des traditionsreichen Festes, das in diesem Jahr wieder vom Turnverein ausgerichtet wurde. Immer im Wechsel mit dem SV Kickers ist der TVH als Organisator im Einsatz. Anders als in anderen Babenhäuser Stadtteilen ruht die Last der vier Kerbtage in Hergershausen immer auf den Schultern eines der beiden Vereine.

Kerb in Hergershausen

Kerb in Hergershausen

Dass es vor zwei Jahren fast so aussah, als könnte der Turnverein die Kerb nicht mehr alleine stemmen, war auch Thema im Kerbspruch, den Sabine Rauer nach dem Umzug im voll besetzten Bürgerhaus gekonnt vortrug. „Ihr liewe Leit, es is ja nit zu glawe, beinoh wär ich heit nit hier. Denn der Tornverein wollt doch tatsächlich vor zwei Johr die Kerb begraawe. Entsetzt worn alle – des kann doch nit sein. Unn üwwer 100 truche sich letzt Johr in e Liste ein.“

Diese über hundert Hergershäuser, die sich als freiwillige Helfer zur Unterstützung der Kerb in die benannte Liste eingetragen hatten, haben ihrer Unterschrift vor einem Jahr jetzt Taten folgen lassen, mit angepackt und Dienste übernommen. So dass wieder eine viertägige Kerb unter der Regie des TVH gefeiert werden konnte. Ein Kerbkomitee aus 20 engagierten Frauen und Männern der jüngeren und mittleren Generation war gebildet worden und traf sich monatlich, um das Fest für alle Generationen zu retten. „Im Januar war unser erstes Treffen“, sagte der 25-jährige Christian Bäuerlein, der mit seinen Freunden der Gruppierung ANKKB (Als Noch Ka Kerbborsche) seit Jahren beim Umzug mitfährt und auch bei der Vorbereitungsgruppe dabei war. Die Internetseite mit den Kerbterminen, die Christian Bäuerlein gebastelt hat, trug zur Verjüngungskur für die Traditionsveranstaltung bei.

Nostalgie gehörte zum Programm

Aber Nostalgie gehörte dem Motto entsprechend auch zum Programm, nicht nur beim Umzug mit vielen historischen Kostümen. So brannten beim Kerbtanz am Samstagabend große Kerzenleuchter auf den Tischen und alte, digital bearbeitete und vergrößerte Kerbfotos aus früheren Zeiten waren Teil der liebevollen Dekoration.

Jede Menge kleine und große Ereignisse des zurückliegenden Jahres kamen beim humorvollen Kerbspruch zur Sprache. So erinnerte die Kerbmudder an die am Proteststurm der Bürger gescheiterte geplante Biogasanlage am Ortsrand.

Kneipensterben im Dorf

Ihr Vortrag zum Kneipensterben im Dorf war verbunden mit dem Appell, den Bürgerhauswirt zu unterstützen: „Mir müsse uns de Carmelo hale worm, sunst müsse mer zum Trinke nach Siggehouwe fohrn.“ Aber die Nachbarn aus Klembach erhielten auch ein dickes Lob. Denn aus Mangel an Hergershäuser Akteuren hatten auch einige Sickenhöfer Laienspieler beim großen Freiluft-Theaterstück zum 300. Jubiläum der evangelischen Kirche mitgemischt. „Weil des Theater wor sou foi, muss isch de Siggehäiwer dankbor soi. Des zeischt, dass mer sisch donn und wonn aach uff Siggehäiwer verlosse konn.“

Die jüngeren Leute waren am Freitagabend bei der Disco auf zwei Floors, also im Foyer und ersten Stock des Bürgerhauses, auf ihre Kosten gekommen. Beim ganztägige Frühschoppen am Montag mit deftigen Mahlzeiten, Live-Musik und Nagelturnier klang das gelungene Fest aus.

Quelle: op-online.de

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