„Pia und ich haben nichts gemein“

Interview mit Schauspielerin Felicitas Woll

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Völlig ungeschminkt, dafür aber entspannt und gut gelaunt, plauderte Felicitas Woll (links) mit OP-Volontärin Corinna Hiss.

Hergershausen - Schauspielerin Felicitas Woll über ihre Rolle der Kommissarin Kirchhoff im Krimi „Wer Wind sät“ von Nele Neuhaus.

Die Langfeldsmühle in Hergershausen stellt den Rabenhof im Krimi von Nele Neuhaus dar. Das Ermittlerduo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein untersucht in den gedrehten Szenen den Mord an Ludwig Hirtreiter, der nach seinem Tod ein verwahrlostes Haus hinterlässt. Unser Redaktionsmitglied Corinna Hiss sprach mit der hessischen Schauspielerin Felicitas Woll über ihre Rolle und den Reiz einer Krimiserie.

„Wer Wind sät“ ist der fünfte Tanuskrimi, der verfilmt wird. Wie sehr ist Ihnen die Rolle der Kommissarin Pia Kirchhoff nach all den Jahren ans Herz gewachsen?

Es ist ganz klar, dass die Rolle, je länger ich mich mit ihr beschäftigt habe, mir näher rückt und ich sie auch besser verstehe. Sie wird zwar nicht selbstverständlich, aber ich wachse mit ihr zusammen. Da passiert es automatisch, dass ich genau weiß, wie die Figur jetzt reagieren wird. Auf der anderen Seite entdeckt man doch immer wieder neue Seiten an ihr.

Es gefällt Ihnen also, dieselbe Rolle immer wieder zu spielen?

Ja, ich bin eigentlich schon ein Fan davon. Ich habe die Möglichkeit, die Rolle entwickeln zu lassen. Sonst beschäftigt man sich über eine kurze Zeit sehr intensiv mit ihr und plötzlich ist sie wieder weg. Mit Pia Kirchhoff habe ich ein bisschen Raum und Zeit, ich kann mit ihr gehen und das ist schön.

Erkennen Sie sich in Pia wieder?

Nein, überhaupt nicht, wir sind sehr unterschiedlich. Ich habe aber auch nicht mit jeder Rolle irgendetwas gemein, dafür spiele ich ja auch. Mit Lolle (In der ARD-Serie „Berlin Berlin“ hatte Felicitas Woll ihren Durchbruch, Anm. d. Red.) gab es vielleicht Parallelen, aber das passiert nicht mit jeder Figur.

Was sind denn Unterschiede?

Unser ganzes Leben! Wir sind zwei komplett verschiedene Menschen, auch in der Lebensweise. Pia lebt ganz anders als ich, hat andere Träume. Ich verkörpere sie zwar und versuche sie zu verstehen, aber wir sind grundunterschiedlich. Zum Beispiel liebt Pia Pferde und ich bin jetzt nicht so der große Pferdefan.

Mussten Sie dann auch mal reiten in den Filmen?

Am Anfang gab es Sequenzen, wo ich aufs Pferd musste und man mich reiten sieht. Nachdem ich aber vor elf Jahren einen Unfall auf dem Pferd hatte, habe ich da etwas Angst, drauf zu steigen.

Was reizt Sie besonders an der Rolle der Pia?

Ich muss gestehen, dass ich die Bücher von Nele Neuhaus gar nicht kannte, ich bin nicht so der Krimileser. Aber das Skript zum ersten Film „Schneewittchen muss sterben“ war sehr gut gemacht. Dieses mystische und märchenhafte, verbunden mit dem kriminellen Milieu, hat mich total gereizt. Außerdem fand ich die Frauenfigur der Pia Kirchhoff sehr spannend, weil bei ihr so viel passiert. Sie ist nicht nur Kommissarin, sondern hat einen Hintergrund. Da darf ich spielen und über Dinge nachdenken, die der Figur Tiefe geben. Ich spiele nicht nur Ermittlungen und frage: „Wo waren Sie gestern Abend?“, sondern gehe mit Pia auch durch eine Geschichte.

Was ist an einem Drehtag besonders anstrengend?

Das kommt ganz darauf an, wie er sich gestaltet. Anders als viele glauben, ist Schauspielern auch eine sehr technische Arbeit. Das realisieren viele erst, wenn sie mal als Zuschauer ans Set kommen.

Inwiefern technisch?

Naja, zum Beispiel, dass eine Minute im Film manchmal einen halben Drehtag in Anspruch nimmt. Man geht immer wieder auf Anfang, man wiederholt und durchlebt dieselbe Szene so oft, bis sie funktioniert. Andererseits komme ich auch immer mit unterschiedlichen Stimmungen ans Set. Es gibt Tage, da bin ich ganz unsicher und durchlässig, dann gibt es aber auch Tage, da fühle ich mich sicher. Dann fällt mir alles leicht und ich muss nicht groß drüber nachdenken, wie ich zu spielen habe. Das macht aber auch für mich den Reiz dieses Berufs aus.

Also gibt es neben der technischen Seite auch eine weitere?

Ja klar, jeder Tag ist ein neues Abenteuer. Wenn ich meine, eine Figur sehr gut zu kennen, dann spiele ich sie morgen und weiß überhaupt nicht mehr über sie Bescheid. Das verunsichert, ist aber auch gerade das, was mir an dem Beruf so gefällt. Auf der einen Seite ist die Arbeit sehr technisch, alles muss stimmen und man muss es reproduzieren können. Auf der anderen Seite ist sie emotional und fordert mich physisch wie psychisch.

Wie lange bereiten Sie sich auf eine Rolle vor?

Ich lerne nicht das ganze Drehbuch am Stück, sondern habe meinen Drehplan und weiß, welche Szenen als nächstes dran kommen. Außerdem drehen wir auch nicht kontinuierlich. Natürlich muss ich aber das Buch kennen und wissen, wo welche Szene steht, damit ich im Vorhinein weiß, welche Stimmung ich in dem Moment durchlaufen muss. Mit dem Dreh in der Langfeldsmühle habe ich mich konkret zwei bis drei Tage intensiv befasst.

Quelle: op-online.de

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