Hergershausen feiert Kirchweih mit DJs, Tanz und Umzug

Kerbterroristen auf der Meterparty

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Kerbvadder Ingo Breuckmann (oben) grüßte beim Kerbumzug die Hergershäuser. Insgesamt 21 Zugnummern nahmen daran teil, darunter auch der Kerbborsche-Jahrgang 2014. Erst gestern Abend endete das viertägige Fest.

Hergershausen - Keinen Zweifel ließen die Hergershäuser bei der Frage „Wem ist die Kerb?“ aufkommen. Von Freitag bis gestern Abend wurde beinahe rund um die Uhr mit vielen traditionellen Elementen gefeiert. Von Petra Grimm

Die Bewohner des größten Stadtteils haben aus ihrer Not eine Tugend gemacht. Da das Bürgerhaus wegen mangelndem Brandschutz nicht komplett nutzbar war, eröffnete eine ganz neue Veranstaltung das traditionell fröhliche Kerbtreiben. An Stelle der Kerbdisco lud der SV Kickers, der die Kirchweih immer im Wechsel mit dem Turnverein ausrichtet, zum ersten mal zu einer Meterparty ins beheizte Zelt auf dem Sportgelände ein.

Die Party im neuen Gewand, für die zwei DJs heiße Rhythmen lieferten, wurde von den jüngeren und jung gebliebenen Jahrgängen mehr als gut angenommen. „Das Festzelt war brechend voll“, wie Ingo Nummer vom Organisationsteam erzählte. Auch mit dem Besuch des Kerbtanzes am Samstagabend im Bürgerhaus sei man zufrieden gewesen.

Am Sonntag trotzten die Hergershäuser, die den Reigen der Kerbveranstaltungen im Babenhäuser Stadtgebiet traditionell beenden, dem trüben Herbstwetter mit einer bunten Parade. Ein stattlicher Umzug mit 21 kostümierten Fußgruppen und aufwendig geschmückten Wagen – für die die Ortsvereine, jede Menge Freizeitgruppen und ehemalige Kerbburschen und -mädels gesorgt hatten – rollte durch die Straßen. Das Blasorchester des TVB marschierte musizierend mit.

Dass der Stadtteil jung ist, illustrierten wieder die zahlreichen kleinen Fußballer, Turner und Tänzerinnen, die mitliefen. Ägyptisch war die Mädelstruppe mit dem klangvollen Namen „die Oigeplackte, Ausgeplackte und Dogebliwwene“ unterwegs. Eine „Guantanamo Kerb“ feierte die seit zehn Jahren bestehende Freizeitgruppe ANKKB (Als Noch Kaa Kerbborsche). Sie trugen orangefarbene Häftlingsanzüge und hatten den Slogan „Zehn Jahre bis lebenslänglich – Kerbterroristen endlich gefasst“ an ihrem mit einem großen Käfig bestückten Wagen angebracht. Bewacht wurden sie von Donald Trump, der die eine oder andere Lunte anzündete. Die Jugendfeuerwehr rockte ihren großen Wagen mit der Aufschrift „Oje, oje, die Halle brennt, da komme mer ganz schnell angerennt“. Eine Gruppe aus dem Neubaugebiet war als Minirocker dabei. Der Angelsportverein hatte seinen mit Schilf geschmückten Wagen in ein großes Netz gehüllt und an den Angeln baumelten Bierflaschen.

An der Spitze rollte der Wagen mit der Krone, gefolgt vom Kerbvadder mit seinem Tross. Ingo Breuckmann trug den Zylinder zum vierten Mal für die ausrichtenden Kickers. Aber entspannte Routine will sich bei diesem wichtigen Amt, vor allem mit Blick auf den Vortrag des Kerbspruchs, nicht einstellen. „Ich bin auch in diesem Jahr wieder mega-aufgeregt“, sagte er.

Nach dem Umzug unterhielt er gekonnt mit der von Sigrun Saul und Inge Herget verfassten Rede die feiernden Massen in der Halle. Deren Schließung Anfang des Jahres war natürlich ein Thema ebenso wie die Sanierung der B26, die im Vergleich zu vielen Straßen im Ort doch noch gut in Schuss sei. Warum denn nicht stattdessen die „Flickenteppiche“ auf den Ortsdurchfahrten endlich saniert würden, fragte der Kerbvadder. Es sei schon klar, „des oana is Bund – des anner ist Land oder Kreis. Doch von unserer Steuer wird doch alles bezahlt, soviel ich weiß. Wenn de Bund hot zu viel und die Länder sind klamm, ei do kann er doch mol greife dem Land unnern Arm“, forderte Breuckmann.

Bilder der Kerb in Hergershausen

Gefeiert wurde auch der „neue Doktor“ im Ort. Für ihn stimmte der Saal das Lied „Du bit ein Geschenk“ von Sportfreunde Stiller an. Für Gelächter sorgten jede Menge Missgeschicke der Hergershäuser, die im vergangenen Jahr zu Fuß nach München zum Oktoberfest liefen, sich wegen der Umleitung auf dem Weg nach Babenhausen über Eppertshausen bis Groß-Zimmern verfuhren, ihr Haus durch eine kleine Reparatur am Waschbecken unter Wasser setzten und andere tolle Sachen trieben.

Dem drohenden Herbstblues hat das viertägige Fest in Hergershausen, zu dem auch ein großer Vergnügungspark gehörte, sicher entgegen gewirkt. Dagegen half auch der aufmunternde Spruch, den der Verein Herigar auf seinem Umzugswagen spazieren fuhr: „Der Herbst ist der Frühling des Winters.“

Quelle: op-online.de

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