Hergershausen ohne Anschluss

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Im Vorentwurf des ASV ist zu sehen, dass Harpertshausen Auffahrmöglichkeiten zur B 26 erhält, Hergershausen aber nicht. DieEinwohner des größten Stadtteils müssten erst Richtung Harpertshausen fahren, um dann auffahren zu können, oder durch Sickenhofen fahren.

Babenhausen ‐ Die Planer des Amts für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) hatten am Dienstag keinen leichten Stand. Mussten sie doch im ausgesprochen gut gefüllten Rathaussaal Pläne zum dreistreifigen Ausbau der B  26 vorstellen, die weitgehend auf Kritik stießen. Von Stefan Scharkopf

Bürgermeisterin Gabi Coutandin hatte zu der Präsentation eingeladen. Der nach Abschluss des Raumordnungsverfahrens im Auftrag des ASV erstellte Vorentwurf der B 26 neu als Ausbaustrecke zwischen Dieburg und Babenhausen wurde als Überflugvideo aus der Vogelperspektive visualisiert. Die Zuschauer konnten also dem Streckenverlauf folgen. Das Regierungspräsidium (RP) hatte 2006 beim Raumordnungsverfahren moniert, dass auf der kurzen Ausbaustrecke von 6,3 Kilometern der Flächenverkauf zu groß sei, wenn es in Altheim, Harpertshausen, Hergershausen und Sickenhofen Knotenpunkte - womöglich als Brücken - zum Auf- und Abfahren gäbe. Folge: Das ASV plant nur mit zwei Knotenpunkten.

Bereits vor zwei Jahren hatte das ASV in Münster den beteiligten Kommunen erste Pläne vorgestellt - und sich Kritik aus Babenhausen zugezogen. Hauptvorwurf: Der Ausbau der B 26 endet bei Sickenhofen, was kilometerlange Staus vor Babenhausen provoziert. Damals wurde ebenfalls kritisiert, dass die Harpertshäuser keinen Knotenpunkt bekommen, sondern erst einen Umweg in Kauf nehmen müssen, um auf die B 26 aufzufahren. Jetzt hat das ASV seine Pläne modifiziert, sich aber erneut Ärger eingehandelt. Die Inhalte eines Beschlusses des Stadtparlaments (blauer Kasten) tauchen dort nicht auf.

Während die Altheimer über einen geteilten Knotenpunkt „komfortabel“ an die Bundesstraße angebunden werden, sehe es für die Babenhäuser schlecht aus, äußerten sich die Zuhörer im Saal. Nach den neuen Planungen soll jetzt Harpertshausen einen Knotenpunkt erhalten, Hergershausen nicht mehr. Die Folge: Wenn die Hergershäuser in die Kernstadt fahren wollen, müssen sie auf einem Teilstück der alten B 26 zurück Richtung Harpertshausen kutschieren, um dann auf der ausgebauten Straße zurück Richtung Babenhausen.

Zweite Variante: Die Hergershäuser, womöglich auch Eppertshäuser, fahren über Sickenhofen und sorgen dort für höheren Verkehr. Meistgehörter Kommentar dazu: „Wenn ich erst Richtung Dieburg gondeln muss, dann kann ich ja gleich in Münster oder Dieburg einkaufen.“ Wie bei der ersten Vorstellung auch, soll der Ausbau bei Sickenhofen enden, was bei den Zuhörern auf Unverständnis stieß. In diesem Falle gebe es vor den Toren der Stadt einen Dauerstau.

Ablehnend standen die Zuhörer auch der Absicht gegenüber, die neue B  26 - die alte Trasse wird teils aufgegeben, teils als parallel verlaufende Straße für langsam fahrende Gefährte genutzt - auf einem teils sechs Meter hohen Damm entlang bauen zu wollen, weil es auf der Strecke Unterführungen gibt. Die Bewohner  der Stadtteile befürchten hohe Lärmbelastung. Die Anbindung der Stadtteile an die B 26 müsse zudem über Kreisel erfolgen und nicht über Rampen oder „Kleeblätter“. Wie Projektplaner Markus Schmitt vom ASV sagte, hätten bei der Planung Umweltschutzmaßnahmen berücksichtigt werden müssen, etwa beim Richer Bach bei Hergershausen, die zu einer Umplanung geführt hätten. Im Fall Sickenhofen werde es nach dieser Planung eine zusätzliche Belastung durch Verkehr geben, gestand Schmitt ein. „Wenn nicht dort, dann eben woanders.“

Das Ausbauende bei Sickenhofen müsse deswegen sein, weil noch nicht klar sei, wie die Trassen bei der Südumgehung verlaufe. Je nach Knotenpunkt habe die Strecke eine leicht andere Variante. Beim Ausbau der B 26 gehe es um eine Verbesserung der Verkehrssicherheit und der -qualität, bei der Südumgehung vornehmlich um eine Entlastung der Kernstadt. Nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums handele es sich dabei um zwei verschiedene Projekte, die nicht verknüpft werden könnten.

Laut Verkehrsentwicklungsplan des Landkreises komme der B 26 keine überregionale Wirkung zu - also kein Mehrverkehr aus Richtung der A 3. Wenn die B 26 ausgebaut sei, werde die Verkehrsbelastung von derzeit etwa 18 000 Kfz leicht auf 20 000 ansteigen. Die mögliche Nordostumgehung Darmstadts habe darauf keinen Einfluss.

Viele Bürger forderten, die B 26 erst dann auszubauen, wenn die Südumgehung fertig sei, „sonst ist ein Ausbau sinnlos“. Schmitt hielt dem entgegen, dass eine Entlastung auch durch den Ausbau an sich komme, riet aber, das Projekt Südumgehung nach verlorener Planzeit jetzt zu forcieren. Mit einigen Verbesserungswünschen von Ortsvorstehern und Bürgern, etwa: Knotenpunkt von Harpertshausen etwas Richtung Hergershausen verlagern und/oder verkleinern, Anbindung Firma Krichbaum, Höhe der Trassenführung ändern, wollen die Planer Änderungen prüfen und diese im Herbst erneut vorstellen.

Quelle: op-online.de

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