Herrnhuter haben ein „Prinzenpaar“

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Lutz Murmann, der auch Sitzungspräsident ist, und Klaus Müller lassen Fastnachtsträume wahr werden: Im närrischen 33. Vereinsjahr gibt es beim CCH ein „Prinzenpaar“.

Harreshausen ‐ Fast lässt sich der Harreshäuser Carnevalclub Herrnhuter (CCH) mit den großen europäischen Fußballvereinen vergleichen: Dort sucht man einheimische Spieler mittlerweile vergebens. Von Michael Just

Nicht anders verhält es sich mit der jährlichen großen CCH-Sitzung zur Kampagneneröffnung: Die Narren und Tanzgruppen kommen aus Langstadt, Sickenhofen, Semd, Eppertshausen, Rödermark, Nieder-Roden, Bessungen oder Bensheim, sprich das Programm wird zu 90 Prozent von Akteuren der nahen und weiteren Umgebung bestritten.

Selbst der Sitzungspräsident ist mit Lutz Murmann kein Harreshäuser, was aber nicht bedeutet, dass dieser seine Aufgabe nicht hervorragend verrichtet. Im Gegenteil, schon im 22. Jahr ist Murmann dabei und als Sitzungspräsident sowie als Aktiver nicht mehr wegzudenken.

„Im Prinzip machen wir die Sitzung nur wegen unserer zwei Mädchengarden. Für die akzeptieren wir auch, dass wir finanziell am Ende immer drauflegen“, so CCH-Urgestein Alfons Disser.

Jubiläum inspirierte wohl auch den Kartenverkauf

Zum Kampagnenauftakt in der lokalen Mehrzweckhalle kündigte sich im Vorfeld schon Großes an: Im 33. Vereinsjahr stand die 22. Sitzung an, die von Troubadix musikalisch untermalt wurde. Das Jubiläum inspirierte wohl auch den Kartenverkauf: Zeigten sich in den letzten Jahren die Fastnachtseröffnungen nicht immer als ausverkauft, waren 2010 alle Karten restlos vergriffen.

Der erste Programmteil wurde von der kleinen Garde des CCH eröffnet, der zweite von der großen. Die Tänzerinnen waren neben Büttenredner Michael Kattner, der als „Dumm Nuss“ auftrat, die einzigen Akteure mit Heimvorteil. Kattner war am Nachmittag noch schnell als Ersatzredner ins Programm gerutscht. Mit Spannung wurde das Ende des ersten Teils erwartet, der auf dem Programm mit „Prinzenpaar-Proklamation“ umschrieben war.

Im Vorfeld der Sitzung waren schon Gerüchte im Umlauf, dass nach 33 Jahren der Stadtteil sein erstes eigenes Prinzenpaar präsentiert. Das war auch so, wenn auch anders als erwartet: Die Tollitäten entpuppten sich als zwei Männer: Lutz Murmann füllte den männlichen Part aus, Klaus Müller mit einer pechschwarzen Hexenmähne die weibliche. Die Anlehnung der beiden großen Fastnachtsaktiven an den Kölner Karneval war mit Bauer und Jungfrau unverkennbar und gewollt.

„Da muss noch vieles besser werden“

„Von hinten wie die Michelle Hunziker, von vorne wie Theo Lingen“, lästerte Murmann über seine bessere Hälfte. Fortan fand ein schlagfertiges Gezänke mit zahlreichen Meinungsverschiedenheiten auf der Bühne statt, die viele Lacher brachten. Trotzdem war Perfektionist Murmann in der Pause nicht mit dem Auftritt zufrieden: „Da muss noch vieles besser werden“, bezog er sich auf einige Längen und vielleicht auch auf die Tatsache, dass die permanent grellen und krächzenden Stimmen des Duos in einigen Besucherohren nicht gerade als Wohlklang aufgenommen wurden. Verwunderlich war auch, dass sich im zweiten Teil des Programms einige Besucher lieber an der Bar sowie in anderen geselligen Grüppchen „fern der Bühne aufhielten“ und nicht allzu aufmerksam das Programm verfolgten. Das mag als kleiner Beweis herhalten, dass auswärtige Aktive nicht die gleiche fesselnde Wirkung haben wie ein orts- oder stadtbekanntes Gesicht auf den Bühnenbrettern.

Insgesamt währte das äußerst bunte CCH-Programm, das für echte Fastnachtsherzen nichts vermissen ließ, über fünf Stunden. 23 Programmpunkte füllten mit vier Büttenreden, unzähligen Gesangs- und Tanzeinlagen - darunter auch das Männerballett der TG Nieder-Roden – sowie mehreren Schunkel- und Stimmungsrunden mit Troubadix den Abend. Selbst Bürgermeisterin Gabi Coutandin beließ es nicht nur bei ihrer Begrüßung, sondern hatte noch ein paar Spitzen auf die Lokalpolitik parat.

Im 33. Jubiläumsjahr bewies der CCH, dass die Fastnacht im Babenhäuser Stadtteil lebendig ist. Da lässt sich auch verschmerzen, dass neben den Garden das Heer der Aktiven nicht aus dem Ort stammt. Zu diesem Thema mag sich so mancher Fastnachter, der auch gleichzeitig Fußball-Fan ist, an den AC Mailand erinnert fühlen: Der holte jüngst mit dem Landesmeister-Pokal die höchste Auszeichnung im europäischen Fußball. Das Besondere: Einen italienischen Spieler suchte man auf dem Platz vergebens.

Quelle: op-online.de

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