Hilfe bei vielerlei Problemen

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Als Sammelpunkt, zum Hausaufgaben machen oder zur Problembesprechung jeglicher Art ist die Anlaufstelle gedacht, die zweimal wöchentlich öffnet und dabei mit einem Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung besetzt ist.

Babenhausen - „Wo ist Herr Ögretmen?“ - Diese Frage war bei der offiziellen Eröffnung der „Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche“ im Erloch immer wieder zu hören. Der 42-Jährige war sozusagen „heiß begehrt“ und als wichtigste Person immer wieder gesucht. Von Michael Just

„Er ist unser Ansprechpartner vor Ort und die gute Seele des ganzen Projekts“, bringt Stadtjugendpfleger Michael Spiehl seine Bedeutung auf den Punkt. Zur Eröffnung mit Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Vertretern des Ausländerbeirats gab es ein Buffet mit internationalen Speisen, dazu ließ sich ein Blick in die neuen Räumlichkeiten im Sophie-Kehl-Heim werfen.

Vor rund einem Jahr marschierte Ahmed Ögretmen ins Rathaus und unterbreitete Bürgermeisterin Gabi Coutandin die Notwendigkeit einer Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche im Babenhäuser Osten, der mit seiner verdichteten Wohnlage als sozialer Brennpunkt gilt. In der Folge wurde in Zusammenarbeit mit der städtischen Kinder- und Jugendförderung (KiJuFö) ein Konzept ausgearbeitet und zwei zuvor leer stehende Räume im Sophie-Kehl-Heim angemietet. Mit Hilfe des Bauhofs und der tatkräftigen Unterstützung der Anwohner, die auch für die Einrichtung sorgten, wurden diese renoviert.

Mit der Anlaufstelle ist unter anderem das Ziel verbunden, dass die Anwohner des Erloch ihr Viertel selbst in die Hand nehmen. Die Resonanz der ersten Tage und bei der Eröffnungsfeier zeigt, dass dies zu Beginn aufzugehen scheint. Foto: Just

Die neue Anlaufstelle hat mehrere Funktionen: Neben dem Treffpunkt mit Kicker und einer großen Couch können im Nebenraum auch Hausaufgaben gemacht werden, wenn diese zuhause durch beengten Wohnraum oder eine große Geschwisteranzahl nicht möglich ist. Dazu hat man sich das Motto „Schüler helfen Schülern“ auf die Fahnen geschrieben, das heißt Ältere helfen Jüngeren bei den Hausaufgaben. Wichtig ist laut Spiehl, dass man die Hausaufgabenhilfe nicht mit Hausaufgabenbetreuung verwechselt: „Wir stellen kein Konkurrenzangebot dar. Das wäre ohnehin schon aus fachlicher Sicht nicht möglich“, so der Stadtjugendpfleger. Laut Bürgermeisterin Gabi Coutandin würde es Sinn machen, auszuloten, ob sich nicht wirklich eine professionelle Hausaufgabenhilfe oder ein VHS-Angebot direkt im Erloch ansiedeln lässt.

Die Anlaufstelle will des weiteren Ansprechpartner für Fragen und Probleme aller Art im Erloch sein. Sogar eine Dolmetscherfunktion, wie eine Begleitung zum Elternabend, lässt sich im Angebot finden. Dem ebenfalls angestrebten Netzwerk ist durch die Migrationsberatung des DRK oder den Treff türkischer Frauen, die sich beide um die Ecke befinden, keine Grenzen gesetzt.

„Hier wollen wir Überzeugungsarbeit leisten“

Der Stadt ist wichtig, dass die Anlaufstelle keine Konkurrenz für das JUZ wird. So wird es keine kulturellen Angebote geben, sondern nur eine Mittlerrolle zur KiJuFö und Jugendforum. Vorerst hat sie an zwei Tagen in der Woche geöffnet (Dienstag und Donnerstag von 14.30 bis 18.30 Uhr, die Hausaufgabenhilfe für 1. bis 4.-Klässler findet von 15 bis 17.30 Uhr statt). Nicht unkritisch wird die Einrichtung von Nachbarn betrachtet, darunter den älteren Menschen, die das Sophie-Kehl-Heim bewohnen. „Hier wollen wir Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Spiehl. Nicht durch Lautstärke und Gruppenbildung wolle man sich bemerkbar machen, sondern durch Nachbarschaftshilfen wie Einkaufen, Spazieren gehen oder aus Zeitungen vorlesen.

Mittelpunkt der Anlaufstelle ist Ahmed Ögretmen, der seit Beginn 2011 auf 400-Euro-Basis zum Teamer-Pool der KiJuFö gehört. Der Mitarbeiter einer Gebäudereinigung kennt das Erloch wie kaum ein anderer, genießt das Vertrauen der Jugendlichen und ist ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Das zeigt die Resonanz, die der gebürtige Kurde bereits auf die Anlaufstelle ziehen konnte. Mittlerweile sind schon mehrere Dutzend Personen in das Projekt involviert. „Uns war besonders das Versprechen wichtig, dass die Einwohner ihr Viertel selbst in die Hand nehmen“, sagt Spiehl. Das unterstreicht auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die sich seit Monaten um mehr Aufenthaltsqualität im Erloch bemüht: „Wir wollen die Menschen ermutigen, ihr Viertel wertzuschätzen.“ Statt Distanzierung gelte es, die Vielfalt und das Potenzial zu sehen, das Alt und Jung sowie die große Anzahl an Nationen bieten.

Quelle: op-online.de

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