Wo hinterm Gatter Holzbienen summen

+
In Hergershausen war so manches Kleinod einsehbar, das sonst verborgen bleibt. Zum Beispiel das Insektenhotel, das Moritz Kolb seinen Eltern Frank und Kerstin zu Weihnachten geschenkt hat – es wurde von vielen Besuchern aufmerksam begutachtet.

Babenhausen - „Sie können sich auch da drüben in den Liegestuhl legen“, schlägt Kerstin Kolb vor, nachdem die freien Sitzplätze auf der Festzeltgarnitur Mangelware geworden sind. Von Michael Just

Der Fremde im Liegestuhl? In Hergershausen ist auch das beim „Tag der offenen Gärten und Höfe“ möglich. Am Wochenende präsentieren die Bürger zum vierten Mal ihre restaurierten Hofreiten und Gärten, in denen mit Hilfe „grüner Daumen“ regelrechte Blumenparadiese entstanden sind.

Die Idee und Initiative, der Öffentlichkeit ganz private Einblick zu geben, was sich sonst unsichtbar hinter großen Hecken, Mauern und Scheunentoren befindet, geht auf den Arbeitskreis „Unser Dorf“ zurück. Der hat es in den vergangenen Jahren geschafft, den Stadtteil so eindrucksvoll zu verschönern, dass es dafür schon eine Reihe von Preisen gab.

Einblick in Höfe, Gärten und auch Teiche: In Hergershausen war so manches Kleinod einsehbar, das sonst verborgen bleibt.

Zum ersten Mal waren nun auch die Kolbs in der Rathausstraße beim „Tag der offenen Gärten und Höfe“ dabei. „Wir mussten uns erst dazu überreden lassen“, sagt Kerstin Kolb und gibt zu, dass man den privaten Einblicken anfänglich mit Vorbehalten gegenüberstand. Dazu sei auch der Teich noch nicht fertig gewesen. Der Weg in das kleine Paradies der 41-jährigen samt Ehemann Frank führt über ein kleines braunes Gartentürchen. Unter wildem Wein hindurch geht es in einen sehr gepflegten Garten mit großen, blühenden Pflanzen wie einer lilafarben blühenden Clematis. Groß wirkt der Garten auch dadurch, dass der satte, grüne Rasen zum Garten der Schwiegereltern nicht durch einen Zaun getrennt ist. Fast das gesamte Grundstück umgibt eine Naturhecke: „Die war schon da, bevor wir hier gebaut haben. Da sind Buche, Liguster, Lorbeer und Schwarz- und Weißdorn drin“,erzählt die zweifache Mutter. Stolz ist sie auch auf den Gartenteich, der Bergmolche, Frösche und im vergangenen Jahr sogar eine Ringelnatter anzog.

Zahlreiche Besucher, die am Samstag und Sonntag in den Garten kommen, interessiert besonders das Insektenhotel von Sohnemann Moritz, das er mit seinem Opa gebaut hat. Es beherbergt einen besonderen Gast: Eine seltene Holzbiene hat sich in einem der Aststücke eingenistet, in die das Duo kleine Gänge gebohrt hat. Das schwarz-blaue Tier gehört zur größten Bienenart in Deutschland und ist mit seinem großen Saugrüssel als Nektarräuber bekannt. „Regelmäßig sieht man feines Sägemehl aus dem Gang fliegen. Dann höhlt sie das Loch weiter aus“,erzählt der 17-Jährige begeistert. „Im April und Mai ist hier Hektik ohne Ende. Nach den Bienen düsen jetzt Ohrwürmer, Schlupfwespen, Maikäfer und Schwebfliegen um die Hohlhölzer“, ergänzt Mutter Kerstin.

Die zeigte sich am Wochenende auch über das lebhafte Treiben in ihrem Garten überrascht. Wie sie heraushebt, habe sich die Teilnahme an den offenen Gärten schon deshalb für sie gelohnt, weil man eindrucksvoll erfahren hat, dass solche Kleinode für viele Menschen, besonders die aus der Großstadt, immer ein Wunschtraum bleiben werden: „Für uns gehört der Garten zum Alltag. Erst, wenn die Leute begeistert ‚Wow’ sagen, merkt man, dass es ein Geschenk ist, einen großen Garten zu haben.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare