Semme überschwemmt Gelände

Futtervorräte stehen unter Wasser

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Ihre Stroh- und Mais-Silage versuchten die Landwirte in den Hergershäuser Wiesen mit einem Damm zu schützen.

Hergershausen - Zum dörflichen Charakter Hergershausens gehört auch die Semme. Verschönert das kleine Bächlein sonst romantisch das Ortsbild, bereitet sie nun einigen Bewohnern des Stadtteils Sorgen. Von Michael Just

Durch den Regen der letzten Tage hat sie ihr Bett verlassen und an vielen Stellen das anliegende Gelände – vor allem in den Hergershäuser Wiesen – überschwemmt.

„Wir hatten vor Jahren mal eine größere Schneeschmelze, die uns auch reichlich Wasser bescherte. Aber so schlimm wie diesmal war es noch nie“, sagt Elke Knispel vom Zellerwiesenhof. Die Zellerwiese, die sich linker Hand des Fahrradwegs nach Münster befindet, ist als solche nicht mehr zu erkennen. Seit dem Wochenende hat sie sich in einen großen See verwandelt, auf dem bereits die Schwäne schwimmen. Für die Anlieger, wie den Erlenwiesenhof der Familie Weber oder die Milchwirtschaft der Familie Knispel mit ihren 70 Kühen, zeigt sich der anhaltende Niederschlag der letzten Tage mit Folgen. Zwar sind die Ställe und die Wohnbebauung noch trocken, dafür liegen die riesigen Silagen mit den Stroh-, Heu- und Futtervorräten, die beim Erlenwiesenhof fast die Länge eines Fußballplatzes einnehmen, im Wasser.

„Einen halben Meter über den Boden“

„Die Semme ist soweit angestiegen, dass sie fast einen halben Meter über den Boden reicht“, berichtet Knispel. Mit vereinten Kräften haben die Webers und Knispels in den letzten Stunden versucht, einen Damm aufzuschütten, der die Wassermassen des Bachs zurückhält. Mit einem kleinen Radlader wurde immer wieder Erde herangefahren und aufgeschüttet. Die Basis bilden rund 300 Sandsäcke, die sonst zum Abdecken der Silos verwendet werden. Doch die Arbeit gleicht einer Sisyphus-Arbeit: Immer wieder fließt das Wasser durch die Erde oder reißt aufgrund des Druck die Aufschüttungen weg.

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„Wir hatten heute Morgen schon einen Radfahrer, der auf dem Weg weggerutscht und in die überschwemte Wiese gefallen ist. Dabei hat er sich leicht an der Hand verletzt hat“, berichtet Knispel. Auch ein Fußgänger hätte auf dem schmierseifenähnlichen Untergrund den Halt verloren. Wenige Meter weiter zeigt sich der Feld- und Radweg nach Münster auf einer Länge von 100 Meter so überflutet, dass das „andere Ufer“ nur mit Gummistiefeln oder auf dem Rad mit angezogenen Beinen zu erreichen ist.

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Zum Glück liegt der Stall der Knispels mit den 70 Milchkühen etwas höher, so dass die Tiere bis jetzt ungefährdet sind. Dafür ist die Gras- und Mais-Silage nass. Die Spätfolgen sind noch nicht absehbar. „Trocknet die Sache bald wieder ab, hält sich der Schaden in Grenzen“, erklärt Knispel.

Laut der Hergershäuserin enthalte die Mais-Silage gehäckselten Mais, der unter der Plane in einem feuchten Klima, vergleichbar mit Sauerkraut, gelagert wird. Auch wenn´s feucht zugeht, sei anhaltende Staunässe nicht zu gebrauchen, da dann Fäulnis entsteht und das Futter kaputt macht. Diese Konsequenz kann in den nächsten Tagen reichlich Sonne verhindern. Mit der Hoffnung, dass sich die Regen- bald in eine Sommerrepublik verwandelt, stehen die Knispels und Webers natürlich nicht alleine da. In den zahlreichen Hochwassergebieten der Republik teilt man mit ähnlichen und noch größeren Sorgen das gleiche Schicksal.

Quelle: op-online.de

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