Feuerwehr schickt 26 Kräfte nach Dresden

Hochwasserhilfe mit Zwangspause

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Die Feuerwehr Babenhausen kam anfangs nicht mit Wasser in Kontakt: Sie musste Säcke mit Sand füllen.

Babenhausen - Jeden Tag erwischt das Hochwasser im Osten Deutschlands eine andere Stadt, ganze Dörfer sind verschwunden, nur noch die Giebel der Häuserdächer ragen aus den Wassermassen heraus. Von Daniel Schmitt

„Das bleibt auch bei uns in den Klamotten hängen, da fühlt man mit“, sagt Mario Wörner, Stadtbrandinspektor in Babenhausen. Er und 25 seiner Feuerwehrkollegen aus der Kernstadt und den Ortsteilen wurden zu einem Hilfseinsatz nach Sachsen gerufen.

Das Land Hessen hatte vom Freistaat ein offizielles Hilfeersuchen erhalten und schickte daraufhin eine Anfrage an den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Von dort machten sich insgesamt 56 Einsatzkräfte auf den Weg – darunter die Männer aus Babenhausen sowie acht Personen und zwei Fahrzeuge aus Dieburg.

Abstimmungsprobleme zwischen Land Sachsen und Stadt Dresden

Obwohl Einsatzleiter Wörner und seine Kollegen im Alltag bei Bränden, Explosionen oder schweren Unfällen schon ähnlich schlimme Tragödien gesehen hätten, habe das Hochwasser noch einmal eine andere Dimension: „Wenn man sieht, wie sehr alles zerstört ist und man selbst ein Haus besitzt, dann ist das wirklich ziemlich schlimm“, meint der Stadtbrandinspektor.

Anfangs setzte sich der Tross aus dem Landkreis noch ohne genaues Ziel in Bewegung. Dies wurde den Helfern erst auf halber Strecke mitgeteilt: Dresden. Die Floriansjünger richteten sich in einer Turnhalle ein, bauten ihre Feldbetten auf und machten die Ausrüstung bereit. Die Helfer bekamen den Auftrag, das Japanische Palais, ein Museumsgebäude in der Dresdener Innenstadt, zu schützen. Dort drohte die Elbe das Grundwasser in das Gemäuer zu drücken.

Doch kaum hatte das Team sich eingerichtet, schon stand eine ungewollte Pause an. „Es gab offensichtlich Abstimmungsprobleme zwischen dem Land Sachsen und der Stadt Dresden“, so Frank Horneff, Sprecher des Landkreises. Weiter wollte er nicht auf die Schwierigkeiten eingehen. „Das müssen wir erst einmal in einer internen Nachbesprechung klären. Unsere Kräfte haben jedenfalls geholfen, wo sie nur konnten.“ Wörner wurde da schon genauer: „Wir haben eine ganze Zeit lang dagestanden und wussten nicht, wo wir hin sollten. Unser Hilfe innerhalb von Dresden war nicht erwünscht.“

Auf Anweisung der Dresdner Berufsfeuerwehr mussten die Arbeiten am Palais eingestellt werden. Den hessischen Kameraden wurde mitgeteilt – so steht es im Einsatzbericht der Dieburger Feuerwehr –, dass man sie nicht angefordert habe und sie unerwünscht seien. „Wir haben uns dann erst einmal einen Überblick über die Lage verschafft“, so Wörner. Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Dieter Pabst sprach gar von „einem Tag Leerlauf“.

In der sächsischen Landeshauptstadt nicht gewollt, machten sich die Hessen auf den Weg in eine nahegelegene Kiesgrube, um dort drei Stunden lang Sandsäcke zu füllen. Am späten Abend folgte der nächste Ortswechsel: Es ging nach Wildberg bei Meißen in ein tiefergelegenen Tal etwa 15 Kilometer nördlich von Dresden.

Dort sollte ein acht Meter hoher Damm gesichert werden. Die Bundeswehr war hier schon seit einigen Tagen im Einsatz. 600 Meter galt es zu verteidigen. Die Helfer des Landkreises verbauten rund 160.000 Sandsäcke, insgesamt waren etwa 260.000 im Damm aufgestapelt. „Wir haben Nachtschichten eingelegt“, sagt Wörner. Am Ende sollte sich die Arbeit lohnen: Die Scheitelwelle der Elbe rollte vorüber, die Kräfte aus Dieburg und Babenhausen wurden von anderen aus dem Landkreis abgelöst.

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Quelle: op-online.de

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