Hoffen auf die richtige Thermik

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Segelflieger haben keinen Motor. Deshalb gehört es nach der Landung stets dazu, das Flugobjekt wieder in die Ausgangsposition zurückzuschieben.

Babenhausen - Die aufziehende Regenfront beobachtet Fluglehrer Peter Smith skeptisch: „Die große Wolke gefällt mir gar nicht“, sagt er und kneift dabei die Augen zusammen. Wenig später tröpfelt es auch schon vom Himmel. Von Michael Just

Doch Smith hat vorgesorgt: Die älteren, labileren Segelflieger, die noch aus Holz sind und deren Flügel einen stoffähnlichen Überzug haben, hat er rechtzeitig in den Hangar zurückbeordert. Im Einsatz sind jetzt vor allem die neuen ASK-Modelle, die mit ihren modernen Materialien weitestgehend witterungsunempfindlich sind.

Wenn die jungen Teilnehmer des Osterfliegerlagers beim LSC Babenhausen diese Woche eines nicht gebrauchen können, ist das Regen. Waren die Thermik-Bedingungen am Ostermontag noch optimal, verschlechterte sich das Wetter dann zur Wochenmitte hin zusehends. Damit verblasste auch recht schnell die Hoffnung im Vorfeld, dass man durch die späten Osterferien hauptsächlich relativ warme Temperaturen „abbekommen“ müsste.

Trotz des grauen Himmels nicht niedergeschlagen

Am Dienstag und Mittwoch war dann mangels Thermik meist nur eine „Platzrunde“ drin, das heißt nach dem Windenstart und dem Ausklinken in etwa 300 Meter Höhe stand nach drei bis fünf Minuten schon wieder der Landeanflug auf dem Programm. Positivdenker zeigten sich aber trotz des grauen Himmels nicht niedergeschlagen, wohlwissend, dass in der langen Geschichte der Osterfliegerlager schon Schnee die Flugübungen trübte. So genossen die rund 35 Jugendlichen bei ihren intensiven Vorbereitungen auf den Flugschein, bei denen sich eine Woche lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang alles nur ums Fliegen dreht, vor allem den Ostermontag und das Ende der Woche, als sich am Donnerstagnachmittag die Sonne wieder blicken ließ. „Da sind einige weit über eine Stunde geflogen. Ich musste sogar ein paar runterpfeifen“ erzählt Smith.

Was überraschte, war die große Zahl von 35 Teilnehmern, die durch 15 Gäste aus Reinheim zustande kam. Mit von der Partie ist auch Andre Fuchs. Er gehört zu den zwei „Schnupperern“, die sich erstmal alles unverbindlich anschauen wollen. „Ich habe von dem Lager in der Zeitung gelesen“, erzählt der 17-jährige Babenhäuser, der bald Abitur macht. Seinen Beruf sieht er später im Bereich der Flugzeugtechnik, bei einem Lufthansa-Praktikum hat er bereits hinter die Kulissen geschaut.

Mit viel Abenteuer gespickte Woche

Mit einem Fluglehrer im Doppelsitzer ging´s für ihn diese Woche gleich mehrfach in die Luft – und das für relativ kleines Geld. Lediglich rund 100 Euro wird ihn am Ende die mit viel Abenteuer gespickte Woche mit täglich drei Mahlzeiten kosten. Ein Windenstart schlägt gerademal mit vier Euro zu Buche, eine Stunde fliegen im Doppelsitzer belastet das Taschengeld der Schüler mit sechs Euro. „So wird beim Luftsportclub der Traum vom Fliegen schon für wenig Geld wahr“, weiß Fluglehrer Peter Smith.

In der entspannten Atmosphäre des Lagers, die am heutigen Freitag mit einer großen Grillparty endet, ist auch Fluglehrerin Tabata Oehlbrecht dabei. Am Dienstagnachmittag hat sie den vorgeschriebenen Dienst des Bodenfluglehrers übernommen. Insgesamt sind während des Lagers immer zwei Fluglehrer im Einsatz: der eine ist an Bord der Doppelsitzer, der andere bleibt am Boden und ist über Funk mit den fortgeschrittenen Flugschülern verbunden, die schon alleine abheben dürfen.

„Früh übt sich“ gilt auch beim Segelfliegen.

Sollte es zu Schwierigkeiten kommen, hilft sie zu reagieren, dazu gibt Oehlbrecht Hinweise zum Wetter: „Sogenannte Böenwalzen, die über den Boden fegen, kriegt man da oben nicht mit“, sagt sie. Treten diese auf, gibt sie die Anweisung, mit deutlich mehr Geschwindigkeit zu landen. Mitgebracht hat sie ihre Kinder Jana (3) und Nina (1), die die Flugbewegungen am Himmel neugierig beobachten. Wie es nicht verwundert, hob Jana mit ihren flugbegeisterten Eltern ebenfalls schon ab. Das „Früh übt sich“ gilt eben auch beim Segelfliegen.

Quelle: op-online.de

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