Ehefrau legt mit Staranwalt Wiederaufnahmeantrag vor

Doppelmord von Babenhausen: Hoffnung auf neuen Prozess

Babenhausen - Seit acht Jahren sitzt der Babenhäuser Andreas Darsow im Gefängnis. Verurteilt wegen Doppelmordes. Seine Ehefrau Anja aber ist von seiner Unschuld überzeugt und kämpft um Wiederaufnahme des Verfahrens. Nun soll der Antrag gestellt werden. Von Norman Körtge 

An seiner Unschuld gezweifelt, ja, das habe sie schon. Zumindest kurz, direkt nach der Verhaftung ihres Mannes, gibt Anja Darsow zu. „Aber dann überlegt man: Warum soll er das getan haben? Und da gibt es eben nichts“, sagt sie im Interview mit unserer Zeitung. Seit Andreas Darsows Verurteilung in einem reinen Indizienprozess im Juli 2011 wegen Doppelmordes und versuchten Mords setzt sich die 41-Jährige dafür ein, dass der Fall neu aufgerollt wird. Ihr Mann soll frei kommen, endlich. Auch die Medien berichten, wieder und wieder. Zumal es Darsow bereits 2013 gelang, für ihr Vorhaben den renommierten Hamburger Anwalt Gerhard Strate zu gewinnen. Bundesweit bekannt geworden ist dieser durch die Fälle Monika Weimar und Gustl Mollath.

„Wir haben viel Arbeit geleistet. Tolle Gutachter haben über die ganze Sache noch einmal neutral drüber geschaut“, berichtet Anja Darsow mit Blick auf die zurückliegenden Jahre. Unter anderem hatte ein Gutachter mit selbst gebauten Schalldämpfern Schüsse abgefeuert – eben so, wie es bei der Tat geschehen sein soll.

„Die Versuche haben gezeigt, dass es nicht so funktioniert haben kann, wie es das Gericht in seiner Urteilsbegründung geschildert hat“, erklärt die Frau des Verurteilten. Doch das ist nur einer der neu gewonnenen Beweise, mit deren Hilfe sie die Unschuld ihres Mannes belegen will. Denn solche sind zwingend notwendig, um nach einer rechtskräftigen Verurteilung eine Wiederaufnahme zu erreichen.

Doppelmord in Babenhausen: Prozessauftakt

Der 11. Mai soll es sein. Anja Darsow und Rechtsanwalt Strate haben den kommmenden Freitag auserkoren, um beim Landgericht in Darmstadt den entsprechenden Antrag einzureichen. Das Datum hat eine besondere Bedeutung: Am 11. Mai 2010 wurde Andreas Darsow unter dringendem Mordverdacht festgenommen.

„Ich will keinen Mörder aus dem Gefängnis holen. Ich will, dass man sauber den Fall anschaut“, fordert Anja Darsow. Denn: „Es sind so viele Dinge, die einfach nicht passen.“ Ihrer Meinung nach wurde etwa dem Arbeitsumfeld des Getöteten im Gerichtsverfahren zu wenig Beachtung geschenkt. Das soll sich ändern. Anja Darsow wohnt mit den drei gemeinsamen Kindern (acht, 15 und 18 Jahre alt) immer noch in Babenhausen: „Wir haben hier keine schlechten Erfahrungen gemacht. Eher Positives, so nach dem Motto: Das gibt es doch gar nicht.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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