Zum Hügelgrab und der Schönen Eiche

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Der Frühling wollte zum Grenzgang in Harreshausen zwar noch nicht so recht erwachen, wie das Motto versprach, doch wurden zahlreiche Erinnerungen der vielen Mitwanderer lebendig.

Harreshausen ‐ Die rund 570 Jahre alte „Schöne Eiche“ im Feld bei Harreshausen, die als Mutter aller Pyramideneichen gilt, ist sicher der bekannteste Baum in der Gemarkung. Von Petra Grimm

Sie war aber nicht der Schwerpunkt beim „Grenzspaziergang zum Frühlingserwachen“, zu dem der TSV Harreshausen am Samstagnachmittag eingeladen hatte. Zehn Stationen – markante Bäume und besondere Plätze – lieferten interessanten Stoff für historische und biologische Betrachtungen. „Wir wollen unterwegs einen Bezug herstellen zwischen dem Alter der Bäume und der Geschichte und Entwicklung von Harreshausen. Es geht uns weniger um die große Geschichte und die Weltpolitik, sondern mehr darum, was in unserem eigenen Ort passiert ist“, sagte Hans-Jürgen Burkhardt, neben Christiane Gräf, Laura Scholz und Thomas Wollschläger einer der vier TSV-Vorsitzenden. „Es soll kein Gewaltmarsch werden, aber die Leute sollen sehen, hier gibt es mehr als Häuser, aus denen im Winter Rauch heraus kommt“.

Mit Unterstützung von Stadtarchivar Georg Wittenberger hatte er historische Informationen gesammelt, die den kurzweiligen, geistigen Marschproviant für die rund 30 Spaziergänger lieferten. Förster Günther Heid war für den naturkundlichen Teil der Exkursion im Einsatz. Start und Ziel des etwa sieben Kilometer langen Rundgangs war am Sportplatz, wo zwei 220 Jahre alte Eichen in den Himmel ragen. „Damals wurden die Kirche und das Rathaus gebaut“, sagte Lokalpatriot Hans-Jürgen Burkhardt, der die Teilnehmer mit einem Augenzwinkern und den Worten „Harreshausen ist auf der Welt der schönste Ort“ begrüßte. Er bedauert auch ein bisschen, dass das Harreshäuser Lied so selten angestimmt wird.

Hügelgrab weckte Erinnerungen

Vom Sportplatz aus ging es zur 1871 gepflanzten Friedenslinde auf dem Friedhof, an der früher viele Feste gefeiert wurden, das letzte vor 14 Jahren. „Als sie gepflanzt wurde, verlängerte man gerade die Odenwaldbahn bis Groß-Umstadt“, sagte Burkhardt. Weiter ging es zum Oberwölzer Platz, an dem eine direkte Tochter der Schönen Eiche steht. Im Wald gab es einen Stopp an der „Altholzinsel“, wo über 200 Jahre alte Buchen in den Himmel ragen. Hier wohnte früher ein Zellhäuser in einem Holzhaus, das bis Ende der 60er Jahre stand. Die Spaziergänger passierten außerdem eine Stelle, an der im Krieg ein Flugzeug abgestürzte und heute noch Metallsplitter zu finden sind.

Ein aus vorchristlicher Zeit stammendes Hügelgrab weckte bei manchen Teilnehmern Erinnerungen an ihre Kindheit, als sie mit ihrem Lehrer dort Ausgrabungen unternahmen. Und an einem Platz im Feld, an dem Hitler einen Militärflugplatz geplant haben soll, sind noch alte Betonteile zu sehen. Zu vielen Anlaufpunkten unterwegs wussten die Harreshäuser aus ihrer eigenen Vergangenheit Geschichten zu erzählen, so dass die fast drei Stunden dauernde Tour eine sehr persönliche Atmosphäre hatte.

Die Fußballabteilung bewirtete die Spaziergänger im Anschluss im Sportlerheim mit Kaffee und Kuchen. Ein heimatkundliches Quiz, bei dem Heidi Gössler und Eberhard Schäfer jeweils ein Essen für zwei Personen gewannen, sorgte für weitere Unterhaltung.

„Wir wollen diese Veranstaltung auf jeden Fall auch weiterhin am zweiten Wochenende im März anbieten“, sagte die Vorsitzende Christiane Gräf. Die Teilnehmer dieses zweiten Spaziergangs des Vereins regten als Themen für zukünftige Märsche historische Häuser, Plätze, Brücken oder auch Persönlichkeiten des Ortes an.

Quelle: op-online.de

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