„Ich bin am Ende meiner Kraft“

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Bei einer Podiumsdiskussion kamen zum Thema Demenz Fachleute aber auch Angehörige zusammen. Von links. Hausarzt Dr. Michael Wagenmann, Neurologe Dr. Stefan Ries, die Angehörigen Elisabeth Förster, Rosi Patzer und der Neurologe Dr. Karsten Busse.

Groß-Umstadt ‐ „Mein Mann ist 40 Stunden wöchentlich in der Betreuung, ich nutze also das Angebot, das es gibt, so gut als möglich aus“, sagte Elisabeth Förster. „Trotzdem bleiben noch 128 Stunden in der Woche, die ich für ihn verantwortlich bin.“ Von Ulrike Bernauer

Die Frau eines an Alzheimer Erkrankten saß auf dem Podium und diskutierte mit Fachleuten und Ärzten über die Krankheit Demenz, die immer mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerät.

Zur Fachtagung in der Stadthalle Groß-Umstadt hatten zahlreiche Institutionen eingeladen, so die Fachstelle Demenz des Odenwaldkreises, das Demenzservicezentrum in Groß-Zimmern, die Fachabteilung Geriatrie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg und die Gersprenz Seniorendienstleistungs GmbH.

55 Jahre war Förster jung, als bei ihrem Mann, einem selbstständigen Ingenieur, mit 59 Jahren diese Krankheit des Vergessens diagnostiziert wurde. Obwohl sie ihren Mann, im Gegensatz zu vielen anderen Angehörigen so oft als möglich von anderen betreuen lässt, sagte sie von sich selbst: „Ich bin am Ende meiner Kraft.“

Das geht nicht nur ihr so, sondern Tausenden von Angehörigen, die Demenzkranke zu Hause pflegen. „Es wäre schon viel geholfen, wenn Angehörige kommen, bevor es überhaupt nicht mehr geht“, so Dr. Barbara Romero. Sie arbeitet am Alzheimer-Therapiezentrum der Neurologischen Klinik Bad Aibling.

Neue Konzepte auch in Heimen fordert Lucia Baumgärtner-Griffiths, Direktorin der Gersprenz-Pflegeheime. Der Wechsel von der „alten“ Pflegekultur, die sich hauptsächlich auf Körperpflege, medizinische Behandlung und Betreuung reduzierte, zur „neuen“ Kultur, die die Einzigartigkeit der Person in den Mittelpunkt stelle, sei im Gange. Sie verwies auf den Neubau des Heims in Groß-Umstadt, wo die künftigen Bewohner in Wohngruppen leben, die Gemeinschaft und Geborgenheit, aber auch Individualität durch Rückzugsmöglichkeiten gewährleisten sollen.

Eine Veränderung im Umgang mit der Krankheit Demenz konstatiert auch der Neurologe Dr. Stefan Ries, der auf der Tagung am Samstag die Fachärzte vertrat. „Die Diagnosen der Krankheit werden heute oft früher gestellt, als vor einigen Jahren noch“, sagte Ries und sprach auch von einem besseren therapeutischen Angebot und einer Vernetzung der vorhandenen Angebote.

Quelle: op-online.de

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