„Ich bin sogar mit Bier getauft“

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Catherine von Schoen und Michelsbräu-Prokurist Reiner Strohfuß mit einem Pils.

Babenhausen ‐ Fast 200 Jahre währt bereits die Tradition der Michelsbräu. Ein Erfolg, der nur möglich ist, wenn auch die Leitung das Unternehmen in die richtigen Bahnen lenkt. Seit Anfang November hat Catherine von Schoen die Geschäftsführung von Mutter Dr. Susan Schubert übernommen. Unser Mitarbeiter Michael Just hat die 27-Jährige zur Zukunft des Familienbetriebs befragt.

Junge Frauen führen als ihr Lieblingsgetränk in der Regel Prosecco an. Was ist ihr Lieblingsgetränk?

Natürlich das Bier. Ich bin sogar mit Bier getauft, was kein Scherz ist. Wir sind eine Brauereifamilie, die jetzt in der elften Generation besteht. Bei uns ist es Tradition, dass in das Taufwasser ein Schuss Bier kommt.

Wann haben Sie ihr erstes Bier getrunken?

Da die Antwort jetzt in der Zeitung erscheint, sage ich mal mit 18. Unter dem Strich gehöre ich schon zu den begeisterten Biertrinkern. Das kann im Urlaub auch mal bei einem Frühschoppen sein. Zu bestimmten Mahlzeiten ist Bier immer ein Genuss. Wenn wir Kunden besuchen, gehört oft ein Schluck dazu. Das Probieren ist wichtig, um zu sehen ob die Leitung sauber und das Bier frisch ist.

Wie sieht ihre künftige Tätigkeit aus?

Mit unserem Prokuristen Reiner Strohfuß bin ich ein Team. Wir arbeiten eng zusammen und besprechen uns jeden Morgen über alles. Herr Strohfuß ist zuständig für das Tagesgeschäft, wie etwa den Vertrieb und die Veranstaltungskoordination, ich kümmere mich in erster Linie um die Kunden und unsere Mitarbeiter.

Ihre Mutter, Susan Schubert, kennen viele in Babenhausen. Gibt sie die Verantwortung völlig ab?

Meine Mutter leitet weiterhin die beiden Brauereien in Franken. Sie lebt zwar inzwischen in Arnstein, aber für Babenhausen wird sie immer noch beratend im Hintergrund tätig sein und mir hilfreich etwas ins Ohr flüstern. Das ist wertvoll für mich, denn sie hat die Arbeit 34 Jahre gemacht und damit einen Erfahrungswert, den ich für meine tägliche Arbeit brauche. So ist es für mich schön, hier frei zu arbeiten aber auf ihre Ratschläge zurückgreifen zu können.

Was konnten Sie von Ihrer Mutter lernen, wo liegen Ihre Stärken, wo ihre Schwächen?

Im Prinzip habe ich die Brauereiführung von Kindesbeinen an mitbekommen. Von meiner Mutter habe ich den Umgang mit Menschen gelernt, Toleranz, für Neues offen zu sein, Dinge durchzusetzen, wenn sie sein müssen, und Traditionen wertzuschätzen. Letztere gehen oft verloren, weil sie keinen Anklang finden oder falsch rübergebracht werden. Eine Stärke von mir ist, dass ich erst schaue und dann entscheide, eine Schwäche ist sicherlich, dass ich neu im Geschäft bin. Das kann aber auch ein Vorteil sein: So ist man weniger betriebsblind beim Alltagsgeschäft und hat noch unverbrauchte Ideen.

Sie haben eben die Kundenpflege als eine ihrer Aufgaben angesprochen. Welchen Stellenwert nimmt diese ein?

Kundenpflege ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit. Der enge und persönliche Kundenkontakt ist fast ein Charakteristikum von uns und unterscheidet die Michelsbräu von den Großbrauereien. Dieser ist grundlegend, da wir in Babenhausen und Umgebung gut 75 Prozent unserer Kundschaft im Gastronomiebereich haben und nur relativ gering in den Märkten beim Flaschenbier vertreten sind. So müssen Fassbierkunden gepflegt um nicht zu sagen hofiert werden.

Wie sehen ihre Pläne für die Zukunft aus?

Ziel ist es, den Namen Michelsbräu stärker an die Öffentlichkeit zu bringen. Vielen Babenhäusern ist gar nicht richtig bewusst, dass sie hier vor Ort eine so tolle Brauerei haben. Wir wollen die Leute verstärkt in die Brauerei führen. Unter anderem soll das Sudhaus mit Veranstaltungen besser genutzt werden. Darüber hinaus gilt es natürlich, die Qualität unseres Bieres zu erhalten. Das ist gerade im produzierenden Gewerbe wichtig.

Der Bierkonsum ist in Deutschland rückläufig. Wie wollen Sie mit der Michelsbräu dagegen ansteuern?

Qualität und persönlicher Kontakt, darin liegen die Chancen einer mittelständischen Privatbrauerei. Viele kleine Brauereien gehen derzeit in großen Konzernen auf, und alles wird sehr unpersönlich. Mit Millionen für PR können wir nicht hantieren, aber bei uns weiß der Kunde wer dahintersteht und wie das Bier gemacht wird. So verarbeiten wir unter anderem Gerste aus Harreshausen. Dass der Bierkonsum zurückgeht, haben auch wir schon gespürt, dennoch hatten wir dieses Jahr weniger Umsatzverlust als erwartet und schreiben sogar ein kleines Plus. In Zukunft müssen wir einfach die genannten Chancen nutzen, dann bringen diese uns auch Erfolg. Schließlich ist das Bier ein Kulturgut in Deutschland, das die Menschen als solches wertschätzen und noch lange trinken werden.

Quelle: op-online.de

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