„Ihr könnt mehr als ihr denkt“

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Die Maskottchen, die die Kinder vor sich liegen haben, sind Teil des Projekts.

Hergershausen - „Was kann ich schon?“ - für Sarah keine leichte Frage. Die Erstklässlerin denkt angestrengt nach. Schließlich hilft Lehrerin Rebecca Munz etwas nach: „Du hast doch erst neulich bei einem Auftritt hier in der Schule gezeigt, was du besonders gut kannst, erinnerst du dich?“ Von Cora Werwitzke

Sarahs Augen beginnen zu strahlen. „Ich kann Klavier spielen“, ruft sie. „Und Stelzen laufen“, fällt ihr gleich darauf ein. Nicht nur Sarah geht ein Licht auf. Ihre Freundin Jessica kann reiten, Hilal singen und Julian Fußball spielen. „Ihr könnt mehr als ihr denkt“, lobt die Klassenlehrerin der 1b in der Bachwiesenschule. Ihre Schützlinge beugen sich über Arbeitsblätter und malen ihre „Stärken“ auf.

Was wie normaler Unterricht anmutet, ist einem Projekt entlehnt, an dem die Klassen 1a und 1b der Hergershäuser Grundschule seit Anfang Mai teilnehmen. Sie sind „Klassen 2000“. Damit geht einher, dass die Erstklässler in speziell auf ihr Alter ausgerichtete Gesundheitsförderung, Gewalt- und Suchtvorbeugung unterrichtet werden. Und zwar über vier Jahre hinweg. „Stark und gesund in der Grundschule“, heißt das Motto des Nürnberger Vereins, der hinter dem Projekt steht.

„Es wird quasi ein Rundumpaket abgedeckt“

Momentan ist bei der 1b Dienstag „Klasse 2000“-Tag. „Holt mal Eure Klaros und Klaras heraus“, fordert Klassenlehrerin Rebecca Munz ihre 19 herumwuselnden Abc-Schützlinge auf. Johlend holen sie die selbst gebastelten gelben Maskottchen des Projekts aus ihren Schulranzen. Hier und da werden den Puppen abgefallene Köpfe wieder aufgesetzt, dann treffen sich alle zum Sitzkreis vor der Tafel.

Dass jeder Mensch einmalig ist, haben die Schüler der 1b in der Vorwoche gelernt. Dafür hantierten sie mit Maßbändern und einer Waage, schauten sich Haar- und Augenfarben an. Dieses Mal steht das Thema „Das kann ich“ im Mittelpunkt. „Ziel des Projekts ist es, eine Basis zu schaffen, damit die Kinder eigenständige und selbstbewusste Menschen werden“, erläutert Rebecca Munz. Sie war es auch, die die „Klasse 2000“ im Kollegium bekannt machte, nachdem der Kreis das Projekt in einem Anschreiben vorgeschlagen hatte. „Es wird quasi ein Rundumpaket abgedeckt“, schildert die Lehrerin. „Soziale und emotionale Felder sind genauso dabei, wie Gesundheit, Hygiene, Bewegung und Entspannung.“ Für wichtig hält sie beispielsweise den Themenblock „Wie ich mich beruhigen kann.“ Denn manchmal wüssten Kinder nicht wohin mit ihrer Wut, weiß die Klassenlehrerin aus Erfahrung.

Nur das erste Jahr wird vom Landkreis finanziert

Das Unterrichtsprogramm stammt aus der Feder von Fachleuten des Klinikums Nürnberg. Zwei bis drei Stunden – jeweils zum Auftakt eines neuen Themenblocks - gestalten externe, sogenannte „Klasse 2000-Gesundheitsförderer“. Die restlichen Stunden bewerkstelligen die Klassenlehrer eigenständig. Dazu werden sie von den Projektinitiatoren mit Anleitungen und Materialien versorgt. „In der Praxis funktioniert das prima“, erzählt Rebecca Munz, die viel von der Maßnahme hält, weil sie „ritualisiert“ sei: „Sie findet jede Woche gebündelt statt, es gibt ein Lied, die Maskottchen und ab und zu Leute von außen“, zählt sie auf. Diese Kombination führe dazu, dass „Klasse 2000“ bei den Kindern eine andere Gewichtung habe, als normaler Unterricht.

Angaben des Nürnberger Vereins zufolge, beginnen Kinder, die das Unterrichtsprogramm in der Grundschulzeit durchliefen, seltener damit, zu rauchen oder Alkohol zu trinken. „Das wäre zu schön, um wahr zu sein“, bemerkt Rebecca Munz. Schließlich seien die Schüler nach der vierten Klasse in einem Alter, in dem es unter Umständen nicht mehr lange dauert, bis sie mit solchen Sachen konfrontiert würden. Um den Klassen 1a und 1b zu ermöglichen, an dem Projekt kontinuierlich teilzunehmen, sucht die Bachwiesenschule nun Sponsoren. „Das erste Jahr wird vom Kreis finanziert“, erklärt Rebecca Munz. „Ab dem zweiten Schuljahr müssen wir Ausgaben für Arbeitshefte und Materialien anderweitig stemmen.“ Wer die Erstklässler unterstützen möchte, kann sich mit dem Sekretariat der Schule in Verbindung setzen, unter 61850.

Quelle: op-online.de

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