Impulse für eine Zukunft mit Arbeit

+
Projektleiterin Ute Thiesen steht Jörg Wendling bei Fragen heute noch zur Seite.

Babenhausen - Projektarbeit ist schön und gut, doch leider zeitlich begrenzt. Dass eine vorübergehende Maßnahme auch über ihr Ende hinaus Schwung behalten und eine Eigendynamik entwickeln kann, zeigt beispielhaft das neunmonatige Projekt „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“. Von Cora Werwitzke

Ein halbes Jahr ist es her, dass die Kreisagentur für Beschäftigung in einer kompakten Aktion versuchte, arbeitslose Babenhäuser darin zu unterstützen, wieder einen Job zu finden. Mit Erfolg: 22 der 37 Teilnehmer gingen unmittelbar nach Projektende, im Dezember 2010, arbeiten. Mittlerweile hat sich die Quote nochmals verbessert. „24 ehemalige Arbeitslose aus der Projektgruppe gehen heute einer geregelten Beschäftigung nach“, verkündete Ute Thiesen gestern bei einem Pressegespräch. Die Projektleiterin der Kreisagentur spricht in diesem Zusammenhang von „Nachhaltigkeit“ - und davon, dass das Ziel sei, Impulse zu geben um eine Wirkung über die Projektlaufzeit hinaus zu erzielen.

Theoretisch einleuchtend. Dass diese Rechnung auch in der Praxis aufgehen kann, dafür ist Jörg Wendling ein gutes Beispiel. Ohne Schulabschluss und folglich ohne Berufsausbildung hielt sich der 29-Jährige über Jahre hinweg mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Mit der Gründung einer Familie wurde dem Babenhäuser klar, dass es so nicht weitergehen kann. Über seinen „Fallmanager“ im Jobcenter landete Jörg Wendling im Babenhäuser Projekt der Kreisagentur, das zu diesem Zeitpunkt bereits in Messel und Weiterstadt mit einer Erfolgsquote von rund 60 Prozent von sich Reden gemacht hatte.

„Anfangs war ich nicht sehr überzeugt“, räumt Wendling ein. Erst nach und nach glaubte er selbst an den Erfolg. „Das ist sehr typisch“, bemerkt seine ehemalige Projektleiterin Ute Thiesen. „Häufig sind die Teilnehmer völlig frustriert. Bewerben sich überall und verlieren völlig aus dem Blick, welche Tätigkeit und welches Unternehmen überhaupt zu ihnen passt.“ Jörg Wendling bekam mit dem Gruppenprojekt die Kurve. Heute arbeitet er als Fahrer für ein Subunternehmen der Deutschen Post und holt nebenbei seinen Hauptschulabschluss nach. „Ohne das Projekt“, sagt er selbst, „wäre dies nur schwer möglich gewesen.“

Immer wieder nickt der 29-Jährige nachdenklich, während Ute Thiesen von den Erfahrungen in der 37-köpfigen Gruppe berichtet. Die Teilnehmer hätten nicht nur gelernt ihre Bewerbungsunterlagen zu überarbeiten und sich auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten. „Wichtig war vor allem, dass sich die Gruppenmitglieder gegenseitig unterstützt haben“, betont die Projektleiterin. So hielt jeder Einzelne nach Stellenanzeigen auch für die Anderen Ausschau. „Oder jemand passte mal auf den Nachwuchs auf, solange die Mutter zur Probe arbeitete“, schildert Thiesen aus dem Projektalltag.

Bei aller Freude über die erfolgreiche Arbeitsaufnahme von Zweidrittel der Teilnehmer, zeigt ein differenzierter Blick auf die Situation der nun wieder Erwerbstätigen, dass Jubeltiraden weiter fehl am Platz sind. „In Vollzeit arbeiten neun, in einem 30-Stunden-Job vier ehemalige Teilnehmer“, erläutert Thiesen. Elf weitere Babenhäuser hätten eine Beschäftigung unter 30 Stunden pro Woche. Konkret bedeuten diese Zahlen, dass rund die Hälfte der Projektteilnehmer mit neuem Arbeitsplatz sogenannte „Aufstocker“ sind - sie bleiben also weiterhin auf staatliche Transferleistungen angewiesen. „Teilweise handelt es sich allerdings um alleinerziehende Mütter oder Menschen, die Angehörige pflegen“, ergänzt die Projektleiterin. In diesen Fällen sei eine Vollzeitbeschäftigung ohnehin nicht machbar.

Unterstützt wurde die Kreisagentur für Beschäftigung von der Stadt, für die Sylvia Kloetzel vom Fachbereich Standortentwicklung und E-Government das Projekt federführend begleitete. In erster Linie stellte sich die Kommune in den Dienst der Sache, indem sie ihren „Draht“ zu ortsansässigen Unternehmen nutzte. „Dabei stießen wir auf offene Türen, das ist sicher nicht selbstverständlich“, lobt die Fachbereichsleiterin. Auch durch das städtische Engagement können heute immerhin zehn Projektteilnehmer unmittelbar in Babenhausen ihre Brötchen verdienen. Für diesen Anteil der Gruppe hat sich also der Projekttitel „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ wirklich bewahrheitet.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare