Maya Curman aus Babehausen hilft in Tansania

In der Wiege der Liebe

Bei der Arbeit: Maya Curman beim Füttern von Babys und Kindern im „Cradle of Love“ (oben rechts).
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Bei der Arbeit: Maya Curman beim Füttern von Babys und Kindern im „Cradle of Love“.

Es war eine spontane Entscheidung, die Maya Curman nun nachhaltig geprägt hat. Für knapp drei Wochen ist die Hergershäuserin nach Tansania gereist, um als Freiwillige in einem Kinderheim mitzuarbeiten und mit gesammelten Spenden die Helfer vor Ort zu unterstützen.

Arusha/Hergershausen – 1,8 Millionen Tansanische Schilling bei der Bank in Arusha abgehoben, in 29 Lohntüten verteilt und damit den 29 Familien der Kinderheim-Mitarbeiter geholfen, ihre Existenzen zu sichern. Umgerechnet etwa 70 Euro pro Person. „Den einheimischen Mitarbeitern ihren Lohn für den April auszubezahlen war das Erste, was wir nach unserer Ankunft in Tansania auf den Weg gebracht haben“, erzählt Maya Curman. Denn die Einheimischen hatten für ihre wichtige Aufgabe im Kinderheim „Cradle of Love“ („Wiege der Liebe“) Anfang Mai noch kein Gehalt bekommen. Für die Hergershäuserin war schnell klar, dass sie das übernimmt. Sie hatte vor der Abreise nach Ostafrika innerhalb weniger Tage mit einer Spendenaktion in sozialen Medien immerhin 7 300 Euro gesammelt.

Von langer Hand geplant hatte Curman den Hilfstrip nach Tansania nicht. „Meine Freundin Anna hatte mir im April während einer geschäftlichen Reise von ihrem Vorhaben erzählt“, berichtet die 41-jährige Mutter von drei Kindern, die zusammen mit ihrem Mann seit vier Jahren im Babenhäuser Stadtteil wohnt: „Ich habe nicht lange überlegt und sofort alles in die Wege geleitet, um mitzuhelfen“ – sich mit der Freiwilligenorganisation „STEP Africa“ und dem das Kinderheim unterstützenden deutschen Verein „Giving Smiles“ in Verbindung gesetzt, das notwendige Führungszeugnis bei der Stadt Babenhausen beantragt, Flug gebucht und die Spendenaktion angeleiert. Und dann raus aus der Komfortzone, um in Arusha unter spartanischen Bedingungen für Wochen in einem Hostel zu übernachten.

Das Kinderheim „Cradle of Love“.

Das Spendengeld für die Arbeit im Kinderheim dringend benötigt wird, ist das eine. Noch bedeutsamer allerdings ist dort die zwischenmenschliche Arbeit, die von den Angestellten und freiwilligen, zumeist jungen Helfern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz geleistet wird. Denn die umsorgten und betreuten 30 Babys und Kleinkinder hatten einen denkbar schlechten Start in ihr Leben. Bei einigen starb die Mutter bei der Geburt – auch weil gerade im ländlichen Bereich bei Mädchen die Genitalien verstümmelt werden und diese Verletzungen später zu Komplikationen beim Entbinden führen können. Väter sind mit der Situation überfordert oder die Babys und Kinder wurden vernachlässigt.

„Die Kinder genießen es so, bei jemanden auf dem Schoss zu sitzen. Sie saugen diese Liebe und Zuneigung förmlich auf und lassen einen gar nicht mehr los“, erzählt Curman von den zutiefst emotionalen, täglichen Momenten im Kinderheim: „Sie sind auch unfassbar selbstständig“, berichtet die Hergershäuserin weiter. Die Kinder unterstützten und trösten sich auch gegenseitig. Ziel der Arbeit im „Cradle of Love“ ist es, die Kinder in Pflege- oder Adoptivfamilien zu vermitteln oder auch wieder zurück in ihre eigene Familie geben zu können.

Bei der Arbeit: Maya Curman beim Füttern von Babys und Kindern im „Cradle of Love“.

„Wir sind komplett in den Tagesablauf eingebunden gewesen“, so Curman. Füttern und Pflege der Babys, Kinderbetreuung, ins Bett bringen und die Wocheneinkäufe mitplanen. „Von dem Spendengeld haben wir etliches eingekauft“, erzählt Curman. Auch das für die Babys überlebenswichtige Milchersatzpulver.

Curman – als Selbstständige im Network-Marketing für Vitalstoffe tätig –, die nach 27 Jahren wieder auf dem Heimatkontinent ihres nigerianischen Vaters war, steht fest, dass sie nach Arusha zurückkehren wird. Vielleicht sogar noch dieses Jahr zusammen mit ihrem Mann: „Es gibt so viel zu tun“. Sie wirbt dafür, dass junge Erwachsene die Möglichkeit der Freiwilligenprogramme nutzen. „Mit anderen Kulturen in Kontakt zu kommen, ist enorm wichtig“, meint sie. Mit ihrem Trip nach Tansania möchte sie andere inspirieren, es ihr nachzutun. (Norman Körtge)

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