Von Inge Meysel bis zu Verdiensten in der Ehe

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"Für besondere Verdienste in der Ehe" schlug Kabarettist Peter Dinkel den Hergershäuser Jürgen Seib "hoch offiziell" zum Hessen.

Babenhausen - „Rationales Kabarett im Zeitraum von 30 bis 30 000 Jahre“ wolle er machen, sagte er; dabei in verschiedene Rollen schlüpfen, die als Stimmen zu ihm reden, sich langsam auf seine Zunge setzen und sich schließlich an die Zuschauer wenden. Von Katrin Görg

Stegreifkomiker und Parodist Peter Dinkel liebt das Fantasiekabarett und ein kleines Publikum, wie er es am Freitag im Babenhäuser Gasthaus „Hanauer Tor“ um 19 Uhr vorfand.

„Je kleiner, desto intensiver!“, sagte der 67-Jährige und meinte damit, dass man in kleiner Runde besser mit dem Einzelnen spielen kann. Er bat geradezu um Einwürfe der Zuschauer: „Sie können ruhig dazwischen schwätzen. Es muss nur von einer relativen Intelligenz sein. Lachen ist auch gut!“

Kneipenkabarett setzt Kneipenatmosphäre voraus, weshalb Dinkel zwischen Tischen und Stühlen, Essen und Trinken im hinteren Teil der Gaststätte auftrat. Das machte den Toilettenbereich, vor dessen Eingang er sich die meiste Zeit platziert hatte, zu Dinkels „persönlichem Backstagebereich“. Dorthin verschwand er zum Beispiel kurzzeitig, als er mit dem Publikum das Applaudieren übte. Jedesmal, wenn die Tür mit der Aufschrift „Toiletten“ aufging und Dinkel als TV-Stimmungsmacher heraustrat, um die Besucher anzufeuern, klatschte und jubelte das kleine Publikum wie ein großes – Versuch geglückt.

Damit parodierte er die Fernsehwelt mit ihren Stimmungsmachern und dem Motto: „Derjenige der am echtesten applaudiert, kommt ins Fernsehen!“ Hierfür machte Dinkel kurzerhand eine Besucherin zu seinem „Kameramädsche“. So wie er es am liebsten hat, stand ihm der gesamte Raum als Bühne zur Verfügung. Denn im Grunde sei für ihn die ganze Welt eine Bühne; jede Begegnung ein Theater.

Seine erste Pause gestaltete sich als „Aktivpause“ mit Peter Dinkel als Pausenclown. Aus seinem „Kabarettkörbchen“ zauberte er die verschiedensten Kopfbedeckungen hervor. Mit einer „Batschkapp“ auf dem Kopf wurde der Kabarettist zu Heinz Becker, der wichtigsten Bühnenfigur seines Kollegen Gerd Dudenhöffer. Oder doch nicht? Dinkel meinte: „Nein, ich bin nicht der Heinz. Ich bin nämlich sein acht Jahre älterer Zwillingsbruder!“.

Als solcher erzählte er, wie Heinz ihm einst ein Mädchen ausspannte und wie die beiden Trennkost praktisch umsetzten: „Du isst in der Küche, ich in der Wohnstubb!“ Und durch das Aufsetzen eines schicken weißen Damenhutes verwandelte sich Heinz alias Peter Dinkel in Inge Meysel.

Dinkel habe, laut eigenen Angaben, bis zu 30 Personen in seinem Repertoire, in deren Rolle er von jetzt auf gleich schlüpfen kann. Immer wieder sprach auch Johann Justus Blümel, ein Hesse aus dem 18. Jahrhundert aus Dinkel – vor allem, wenn er zu seiner karierten Hose, Hemd und Weste den altmodischen Zweispitz trug.

Mit seinem zum altertümlichen Outfit passenden Schwert schlug der bekennende „Gesamthesse“ Peter Dinkel spontan den Hergershäuser Jürgen Seib „hoch offiziell“ zum Hessen – für „besonderer Verdienste in seiner Ehe“.

Quelle: op-online.de

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