Direkter Draht zu Unternehmen

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Das Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“ ist angelaufen. Teilnehmer und Akteure des Projektes „Leben und arbeiten in Babenhausen“ starteten im Rathaus mit viel Elan, um Arbeitssuchenden in ansässigen Unternehmen neue Berufsperspektiven zu bieten.

Babenhausen - Biete vollen Einsatz, suche Arbeitsplatz. . . diese Rechnung geht nicht für jeden auf. Von Ursula Friedrich

Trotz Bewerbungsmarathon verharren Menschen jahrelang in Arbeitslosigkeit, oder bestreiten einen Teil des Lebensunterhalts durch schlecht bezahlte Minijobs, Arbeitslosengeld oder Hartz IV. 451 Bürger Babenhausens stecken in dieser Situation – 321 davon sind komplett ohne Arbeit. Hier soll eine Initiative der Kreisagentur für Beschäftigung greifen: das Regionalprojekt „Ich lebe und arbeite in Babenhausen“.

„Kreisagentur findet hier anders statt als Sie es kennen“, versprach Roman Gebhardt, Leiter der Kreisagentur für Beschäftigung, den rund 30 Teilnehmern der zweiten Informationsveranstaltung. Gesichter und Körpersprache am runden Tisch im Rathaus Babenhausen zeigten unterschiedliche Emotionen: Energie und Einsatzfreude, aber auch Resignation, hängende Schultern. Viele der Anwesenden suchen seit Jahren den passenden Platz in der Arbeitswelt. Bisher vergeblich.

Nun soll durch intensive Zusammenarbeit über den Knotenpunkt Kreisagentur der direkte Draht zu Unternehmen vor Ort geknüpft werden. Projektleiterin Manuela Stumm lernte beim Babenhäuser Unternehmerstammtisch und weiteren Gelegenheiten bereits die Arbeitgeberseite kennen und schätzen. „Wir konnten schon einige Teilnehmer in Praktika vermitteln“, freut sie sich.

Dennoch: Es soll keine Schnellschüsse geben. In den kommenden acht Monaten werden in Einzelgesprächen und Gruppenarbeit Strategien entwickelt, wo die Stärken und Wünsche der Arbeitssuchenden liegen. Gleichzeitig ein Netzwerk aller Beteiligten aufgebaut. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die unmittelbare Nachbarschaft zu den ansässigen Unternehmen, die „zu 60 Prozent nicht über Ausschreibung oder Anzeigen Leute suchen, sondern über direkte Kontakte“, so Gebhardt. „Vielleicht hat man die formale Qualifikation nicht, bringt jedoch andere Qualitäten ein“, ergänzte Stumm.

Bei der Wirtschaftspolitik der Stadt Babenhausen sei eben dieser Aspekt im Vordergrund, so Erster Stadtrat Kurt Lambert. Nicht nur Gewerbesteuer einzunehmen, sondern Arbeitsplätze (für die Bürger) zu schaffen. Das Langzeitarbeitlosenprojekt nutzt diesen Umstand für sich: die Nachbarschaft von Arbeitnehmer und -geber als Pluspunkt beim Einstellungsgespräch. Auch wenn die Qualifikation das Anforderungsprofil vielleicht nicht deckt.

40 Teilnehmer wurden von den jeweiligen Fallmanagern für das Projekt auserwählt. „Eine Chance“, machte Gebhardt Mut. Ein Fallmanager betreut seine Kunden im Schlüssel von 1:150, in diesem Fall ist Manuela Stumm für ihre 40 Schützlinge da – mit mehr als 15 Minuten Zeit für ein Einzelgespräch. Viele Monate lang. Eine Strategie, die sich nach den bisherigen Erfahrungen auszahlt. Die Erfolgsquote liegt im Durchschnitt bei 50 Prozent. Bemessen wird der Erfolg an einer Arbeitsvermittlung, die länger als ein Jahr besteht.

Das Arbeitslosenprojekt ist ein bis dato einzigartiges Modell in Hessen, das Früchte trägt – trotz erheblichen Mehraufwands. 2008 wurde die erste derartige Initiative gestartet. Zehn Kreiskommunen haben bislang teilgenommen. Derzeit läuft parallel zu Babenhausen ein Projekt für Münster/Epperthausen, Groß-Umstadt soll zum Jahresende mit ins Boot. Die Stadt Babenhausen ist bereits zum zweiten Mal dabei. Die Hessische Landesregierung habe aufgrund der Erfolge eine weitere Vollzeitstelle bei der Kreisagentur genehmigt, die explizit dieses Projekt zum Aufgabenfeld hat, so Claudia Goes, Leiterin des Regionalprojekts.

Quelle: op-online.de

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