Spielende Integration im Erloch

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Zum zweiten Mal fand ein Spielenachmittag im Sophie-Kehl-Heim statt. Auf der Idee von Ahmed Ögretmen beruhend, sollen sowohl die jungen und alten Nutzer beziehungsweise Bewohner des Hauses als auch die verschiedenen Nationalitäten im Erloch zusammengeführt werden.

Babenhausen - „Kommen sie rein, wie geht’s?“, ruft Ahmed Ögretmen einer älteren Dame zu und hilft ihr, den Rollator über die Türschwelle zu schieben. „Wir haben schon sechs bis sieben Kuchen und es kommen noch mehr“, kündigt er nicht ohne Stolz an. Von Michael Just

Kurz darauf schaut auch der türkische Hausmeister auf einen Tee vorbei. „Fühl dich wohl“, sagt Ögretmen und schiebt einen Stuhl für ihn heran.

Um kurz nach 15 Uhr herrscht am Mittwochnachmittag Leben im Versammlungsraum des Sophie-Kehl-Heimes. Angesagt ist der zweite Spielenachmittag. Der ist ein weiteres Ergebnis der städtischen Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche im Erloch, die letztes Jahr im April ihre Türen öffnete. Als Treffpunkt, Ort zum Hausaufgaben machen oder zur Problembesprechung jeglicher Art ist sie gedacht. Mit Ögretmen hat die Kinder- und Jugendförderung dabei einen Helfer gefunden, der das Erloch kennt wie kein anderer und nur so vor Ideen sprudelt. Seine jüngster Einfall: Der Spielenachmittag im Sophie-Kehl-Heim jeweils am ersten Mittwoch des Monat von 15 bis 18 Uhr.

Eingeladen ist hierfür nicht nur das Klientel der Anlaufstelle, sondern auch die rund 15 älteren Menschen, die das Gebäude als Seniorenwohnanlage nutzen. „Viele Senioren fühlen sich vernachlässigt und alleine gelassen. Wir wollen Begegnung ermöglichen und dabei Alt und Jung zusammen führen“, sagt der gebürtige Kurde mit deutschem Pass. Schon beim ersten Spielenachmittag im Dezember erlebte die Idee einen guten Zuspruch. Am Mittwoch gab es erneut Kaffee und Kuchen, darunter so süße Versuchungen wie Erdbeer- und Schokosahnetorte.

Kurzweil für die Bewohner

Die Senioren genossen sichtlich die Runde, bei einem Damen-Trio stand schon gleich das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel in Reichweite parat. „Das haben wir schon letztes Mal gespielt. Der Nachmittag hat uns gut gefallen, die Zeit ging so schnell rum“, erzählt Ingeborg Siwak. Laut der 66-Jährigen suchen viele Bewohner ein wenig Kurzweil - auch mit Blick darauf, dass es im Haus sonst keinen Versammlungsort gibt. Der für die Spielrunde genutzte Mehrzweckraum - in ihm kommt auch der türkische Frauentreff zusammen - sei sonst nicht zugänglich. Dass die Organisatoren völlig gratis so groß Kaffee und Kuchen auffahren, bringt Siwak ein wenig in Verlegenheit: „Ich hätte auch ein Pfund Kaffee mitbringen können“, sagt sie.

Langfristig soll es laut Ögretmen schon so sein, dass jeder etwas mitbringt. Modifizierbar seien noch die Zeiten des Spielenachmittags: „Das ist bis jetzt ein Prototyp. Wenn sich die Sache bewährt können wir das auch zweimal im Monat machen.“ Der 43-jährige Gebäudereiniger hat mit dem sozialen Treff nicht nur Abwechslung für die Erloch-Bewohner im Sinn. Fast noch wichtiger ist es ihm, die unterschiedlichen Kulturen zusammen zu bringen. „Die meisten kennen sich nur vom Sehen. Sie sollen aber auch persönlich zusammen finden.“

Jüngst sah man im Sophie-Kehl-Heim ein vereintes Bild, das eine Reihe von Kindern und Erwachsenen mit Migrationshintergrund sowie die älteren Bewohner des Heimes zeigte. Zwar saßen die Gruppen meist unter sich, aber in den nächsten Monaten bleibt noch genügend Zeit, zusammen zu würfeln oder die Spielfiguren zu bewegen.

Dass das Eis bereits gebrochen ist, zeigte der Dialog zwischen Ögretmen und einer älteren Bewohnerin des Hauses. Sie versprach dem gewichtigen Zeitgenossen, ihm beim Abnehmen zu helfen. „Sie sorgt sich um meine Gesundheit, dass das hier noch lange weitergeht“, freute sich Ögretmen über das Interesse an seiner Person und des Projekts gleichermaßen.

Quelle: op-online.de

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