Integrationsarbeit am Pfarrer

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Zwei Kulturen, eine Feier: Deutsche und portugiesische Christen pflegen in der katholischen Gemeinde Sankt Josef Glaube und Geselligkeit.

Babenhausen - (ula) Unter dem großen Dach der katholischen Kirche St. Josef sind Menschen vieler Nationen zu Hause. Deutsche und portugiesische Christen verbindet jedoch nicht nur der gemeinsame Glaube, sie können auch zünftig miteinander feiern.

Das deutsch-portugiesische Fest ist seit langem fester Bestandteil des Gemeindelebens, auch wenn diesmal nicht zum üblichen Termin am Johannistag gefeiert werden konnte. „Da haben wir nämlich das Pfarrhaus eingeweiht“, berichtete Michael Spatar, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats und Ensemblemitglied der katholischen Kirchenmusik, die für Sound im Gemeindehaus sorgte. Dem geselligen Fest war eine gemeinsame Eucharistie-Feier im Gotteshaus vorausgegangen.

250 portugiesische Familien in Babenhausen

Wir sind voll integriert und feiern deutsch“, kommentierte Teresa Rodrigues die zünftige Volksmusik der Bläser. Sie fördert seit 30 Jahren in der Kirchengemeinde das Miteinander portugiesischer und deutscher Christen. „Ein Amt, das ich von meinem Papa geerbt habe“, plaudert die quirlige Portugiesin. Und das viel Energie verlangt, denn in Babenhausen haben 250 Familien ihres Landes eine neue Heimat gefunden.

Innerhalb der katholischen Kirchengemeinde haben sich die „Neubürger“ ein Stück Identität bewahrt: Zweimal im Monat hält der portugiesische Geistliche des Dekanats Dieburg-Erbach, Georg Gouveia, in St. Josef den Gottesdienst in der Muttersprache. Auch gibt es einen eigenen Gemeinderat. Aber: Der Brückenschlag zu den deutschen Christen wird stark gefördert. Derzeit bereiten alle zusammen die Firmung vor, die am 6. Dezember gefeiert werden soll. Auch der gemeinsame Besuch der Kathedrale in Mainz steht auf dem Programm.

Gegrillte Sardinen, Caldo Verde, Mushitos und Bolinhos

Wir haben eine ganz tolle Zusammenarbeit“, stellen Teresa Rodrigues und Pfarrer Ferdinand Winter fest. Kulinarisch liegt der Abend allerdings fest in der Hand südländischer Küchenfeen: Gegrillte Sardinen, Caldo Verde, Mushitos und Bolinhos werden serviert. Die Einnahmen des Abends sollen zur Instandhaltung der Kirche aufgewendet werden.

Ein hartes Stück Integrationsarbeit musste Teresa Rodrigues allerdings doch leisten. Als vor rund einem Jahr der neue Pfarrer die Gemeinde übernahm, „kannte er weder Fisch noch Portwein“, erzählt sie mit gespielter Empörung. „Naja, in meiner alten Landgemeinde in Ober-Mörlen hatten wir keine Ausländer, aber eine andere Kultur bereichert das Gemeindeleben sehr“, versucht der Geistliche die „Bildungslücke“ zu entschuldigen. Das bleibt nicht ohne Wirkung: „Er ist ja sehr offen und kann inzwischen schon ein paar Sätze portugiesisch“, lacht Teresa herzlich. Überhaupt ist Verständigung an diesem Abend kein Problem: Gesungen wird in beiden Sprachen zum kräftigen Spiel von Maria Kolbs Akkordeon. Und wer nicht textsicher ist, summt mit.

Quelle: op-online.de

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