Interview mit Forstamtsleiter

Rehe als Feinschmecker

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Babenhausen - Wir leben in einem „hölzernen Zeitalter“, sagt der Leiter des Forstamts Dieburg, Helmut Seitel, der auch für Babenhausen zuständig ist. Der heutige Wald sei von „gestern“. Von Sonja Achenbach

Herr Seitel, über wie viel Hektar Wald wachen Sie in Babenhausen?

Zirka 2 000 Hektar. Dabei handelt es sich um eine Mischkultur mit Schwerpunkt auf Kiefer.

Ob als Möbel oder Möglichkeit zum Heizen: Holz scheint ein viel gefragtes Material zu sein, spüren Sie davon etwas?

Wir leben derzeit in einer Art hölzernem Zeitalter. Allein im vergangenen Jahr konnte Babenhausen einen Überschuss von zirka 100  000 Euro erzielen. Alles was man im Wald sehen kann, wird vermarktet.

Wer kauft Hölzer bei Ihnen?

Das geht vom privaten Haushalt hin zu großen Firmen, zum Heizen, zur Zellstoff-, oder Sperrplattenherstellung. Ihnen werden dann die gewünschten Festmeter zugewiesen.

Woher weiß ich, welches Holz für mich bestimmt ist?

Bei allem, was kein Industrieholz ist, wird eine Plakette aus Plastik aufgebracht. Alles andere wird durch eine gesprühte Nummer kenntlich gemacht.

Gab es da einmal einen Fall der Verwechslung?

Vor einigen Jahren hatten sich zwei, die ich jetzt nicht näher benennen will, gegenseitig das Feuerholz geklaut. Ansonsten sind solche Dinge aber selten.

Also war das ein Diebstahl. Gibt es bei ihnen aktuell Fälle von Holzklau?

Nein. Aber wir haben auch Möglichkeiten, bei dem reinen Verdacht zu reagieren.

Die da wären?

Ich kann ihnen jetzt natürlich nicht sagen wo genau, aber es gibt Transponder, die wir an der verdächtigen Stelle am Holz befestigen.

Woher wissen Sie, wann ein solcher Verdacht auftritt?

Die Förster wissen, wann wer welches Holz abholt und meldet verdächtige Beobachtungen sofort. Der rechtmäßige Abholer hat nichts zu befürchten, weil er einen Abholschein hat, der ihn ausweißt.

Sie sagten, die Gemeinden hätten einen Überschuss erwirtschaftet. Kann der Wald bei soviel Holzwirtschaft überhaupt noch wachsen und sich normal entwickeln?

Für jede Fläche Wald, die verloren geht, müssen Ausgleichsflächen angebaut werden. Es wird zwar immer schwieriger, solche zu bekommen, aber insgesamt wächst die Waldfläche. Genaue Zahlen gibt es für Babenhausen aber nicht.

Wie sorgen Sie für neuen Baumbestand?

Bei der Bewirtschaftung setzen wir auf einen natürlich verjüngten Wald. Es gibt bei uns Baumarten in allen Altersklassen und wir versuchen, uns schon jetzt auf den Klimawandel einzustellen. So wird ein Flachwurzler wie die Fichte nicht mehr angebaut und wir setzen eher auf Hölzer wie die Weißtanne, denn es kommt darauf an, dass unsere Enkel und Urenkel noch in den Wäldern spazieren können.

Gibt es bei Jungpflanzen nicht ein Problem mit Wildschäden?

Da es in Babenhausen kein Rotwild gibt, sind geschälte Stämme schon mal kein Problem. Rehe sind Feinschmecker, die gehen nur an bestimmte Bäume und das dann auch noch regional unterschiedlich. In Babenhausen muss vor allem die Eiche vor ihnen geschützt werden.

Und Wildschweine?

Da ist der große Bestand in Babenhausen und Dieburg eher ein Problem für sich selbst. Den Waldboden lockern sie auf der Suche nach Futter auf und hinterlassen keine Baumschäden. Die Jäger sind hier am Zug, den Bestand zu verringern, denn die Gefahr von Krankheiten erhöht sich mit jedem Tier.

Wie sieht es in Babenhausen mit dem Schädlingsbefall aus? Gibt es da Probleme und wie werden solche Fälle bekämpft?

Einen größeren Befall von Käfern hatten wir in letzter Zeit nicht. Es ist auf wenige Einzelfälle begrenzt. Die Bäume werden sofort markiert, gefällt und entsorgt, damit die Tiere andere Bäume nicht befallen können. Chemie wird bei uns nicht eingesetzt.

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Quelle: op-online.de

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