„Vielen fehlt das Fundament“

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Pfarrer Ferdinand Winter bei der Gartenarbeit. Auch hier lässt es sich gut entspannen.

Babenhausen - Am 13. Juni ist es soweit: Dann feiert der Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Josef, Ferdinand Winter, sein silbernes Priesterjubiläum. An diesem Tag wurde er vor 25 Jahren von Bischof Karl Lehmann im Mainzer Dom geweiht.

Winter wurde geboren in Mühlheim im Kreis Offenbach, seit September 2007 ist er in Babenhausen. Unser Mitarbeiter Michael Just hat den 56-jährigen zum Gespräch getroffen.

Wie es heißt, waren sie schon in der Kindheit im Glauben verwurzelt.

Der katholische Glaube gehörte zu unserer Familie. Prägend für meine religiöse Entwicklung war vor allem meine fromme Großmutter. Dazu hat mich als Kind fasziniert, was der Priester am Altar Geheimnisvolles macht. Als Folge spielte ich schon als Zehnjähiger mit großem Ernst Pfarrer und zelebrierte Messen. Sogar eine Monstranz aus Sperrholz und Goldpapier hatte ich mir gebastelt und Prozessionen im Hof gemacht – natürlich ohne Gemeinde.

Wann kam die endgültige Entscheidung Priester zu werden?

Beim Grundwehrdienst. Damals war abends viel Zeit zum Besuch der Messe oder dem Gespräch mit Kameraden. Hier fiel die Entscheidung, meine bisherige Laufbahn als Verwaltungsbeamter zu beenden und mich ganz dem Glauben zu widmen.

Beinhaltet der Beruf das, was sie sich einst darunter vorstellten?

Es ist vielseitiger als ich dachte. Bei weitem gehört nicht nur die Seelsorge dazu. Bei meiner vorherigen Stelle in Ober-Mörlen beinhaltete dies ebenfalls die Leitung des Kindergartens. Die Verwaltung, was Finanzen angeht oder Bau- und Renovierungsarbeiten, machen fast 40 Prozent meiner Tätigkeit aus. Hier tauchen auch Probleme und Auseinandersetzungen auf. Dann braucht es nicht nur Geschick und Diplomatie, sondern bisweilen auch deutliche und klärende Worte.

Was schätzen sie an Babenhausen?

Die Leute sind zugänglich, herzlich und bodenständig. Man kann gut mit ihnen reden und in unserem Kreis gibt es eine rasche Bereitschaft zur Unterstützung. In den Gremien von St. Josef wurde zwar schon um Entscheidungen gerungen, laute Worte gab es aber noch nie.

Sind die Kirchenbänke in zehn Jahren voller oder leerer?

Voller eher nicht. Bei mir herrscht derzeit oft die Betrübnis vor, dass jene Dinge, die die Kirche an die Leute bringen will, gar nicht gewollt sind. Die meisten Menschen möchten eine leichte, religiöse Wellness, aber nicht einen weitreichenden Lebensweg mit Gott. Dabei ist Glaube etwas Schönes und besonders Wertvolles, vor allem wenn man ihn in der Gemeinde teilen kann. Dafür liegt momentan aber kein Sinn und keine Bereitschaft vor.

Wo bedarf es in der katholischen Kirche derzeit dringender Reformen? Stichworte Zölibat und Papstkritik.

Das sind für mich erstmal alles Nebensächlichkeiten. Ein Fragebogen bei den Firmlingen brachte viele Unklarheiten zum Glauben zutage. Darunter waren grundsätzliche Fragen wie etwa: Warum lässt Gott Kriege zu? Oder ob beten wirklich etwas hilft. Hier fehlt bei vielen Menschen das Fundament und hier müssen wir mehr in die Tiefe gehen und vermitteln, dass Glaube etwas mit Leben und Alltäglichkeit zu tun hat. Nur so kommen wir von der Obeflächlichkeit weg. Das gilt auch im Hinblick auf den Atheismus oder die Suche nach neuen Formen der Spiritualität. Dazu verlangt es eine neue und moderne Wortwahl bei Ausdrücken wie Gnade, Sünde oder Erlösung. In den tradierten Katechismus-Sätzen finden sich die Menschen von heute nicht wieder.

Haben sie Träume? Und wenn ja, wie sehen die persönlich und in Bezug auf St. Josef aus?

Ich würde mir für unsere Gemeinde eine neue Jugendbewegung wünschen – aktiv und mit vielen Ideen. Ansonsten bin ich eher kein Visionär und der Nüchternheit verbunden. Ich freue mich über kleine Schritte, zum Beispiel wenn jemand aus einem Gespräch etwas mitnimmt. Persönlich würde ich gerne mal wieder in die Bretagne fahren, wo es sehr schöne Wallfahrtsorte gibt. Früher habe ich sehr gut französisch gesprochen und wollte sogar als Pfarrer nach Frankreich. Jetzt ist das schwierig, da meine Mutter und weitere Angehörige alleinstehend sind und ich in Reichweite bleiben muss. Meine Baskenmütze ist wie viele vermuten kein Verbindungssysmbol zum Nachbarland. In erster Linie ist sie ein Sonnenschutz, da ich mich mit anderen Kopfbedeckungen wie einer Schildmütze noch nicht anfreunden konnte.

Quelle: op-online.de

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