Tattoo II

Stelldichein der Jagdhornbläser fällt ins Wasser

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Kein großes Vergnügen für Jagdhornbläser und Zuhörer: Die Tattoo war einem anhaltenden Regen ausgesetzt.

Babenhausen - Unbefriedigend ist es, wenn eine Veranstaltung reichlich Vorbereitung verschlingt und diese dann vom Regen weggespült wird. Noch mehr Verdruss ist angesagt, wenn Teilnehmer extra aus anderen Bundesländern anreisen. Von Michael Just

Am Sonntag hatte das Tattoo II, und damit das große Stelldichein von 130 Jagdhornbläser auf dem Marktplatz, einen schweren Stand: Das Nass tratschte in einer Tour von oben. Eigentlich sollte das Treffen, das von den Reiterlichen Jagdhornbläsern Maingau organisiert wurde, die ganze Babenhäuser Innenstadt mit Leben erfüllen und hunderte Zuschauer anziehen. Das Wetter komprimierte schließlich alles auf ein paar Dutzend Musiker und Besucher, die immer wieder unter die Pavillions flüchteten.

Eineinhalb Stunden vor dem Beginn um 12 Uhr versprüht der Kopf der Maingau-Bläser, Petra Palm-Hantke, Zweckoptimismus: „Wir haben die Sonne im Herzen, wir ziehen das jetzt durch.“ Verluste gab es trotzdem: Der Seligenstädter Kaufmannszug verzichtete verständlicher Weise darauf, sich mit seinen Kutschen und Begleitern auf den dreistündigen Weg in die Nachbarstadt zu machen. Der Beagle-Hundemeute aus dem Vogelsberg sagten die Organisatoren ab, da man bei diesem Wetter keinen Hund raus schickt und sich der Zuschuss für deren Anreise mit Bratwurst und Bier kaum reinholen lässt. Viele der Bläsergruppen, die aus Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz angekündigt waren, kamen in abgespeckter Formation.

Dreispitz wehrt den Regen ab

Nicht vom Wetter ließ sich Alexandra Keller mit ihrem schwarzen Friesen abhalten. Der faszinierte durch seine stattliche Figur, die lange Mähne und durch seine Besitzerin, die ihn stets nur im Damensitz reitet. „Wau, sieht das majestätisch aus“, sagte ein älterer Mann begeistert und schaute beeindruckt auf die Reiterin, die eine edle, dunkelblaue Robe sowie einem kleinen, schicken Hut trug.

Als um 12 Uhr angeblasen wird, stehen die Musiker unter einem größeren, rechteckigen Pavillon, der nach allen Seiten offen ist. Bei schönem Wetter hätte alles unter freiem Himmel stattgefunden. Einige Musiker spielen sogar im Regen. Dabei erweisen sich deren Dreizackhüte als dienlich. Sie sind nicht nur ein Blickfang, sondern halten gut das Wasser für die Köpfe darunter ab. Die kleine Zahl an Zuhörern drängt sich derweil unter ihren Regenschirmen oder an der Hauswand des Schwartzen Löwen, um durch dessen Dachvorsprung geschützt zu sein.

Die absoulte Außnahme: drei jugendliche Teilnehmer

In die Gersprenzstadt ist auch die Jugendbeauftragte der Jagdhornbläsergilde, Therese Stoll, aus Leipzig gekommen. Sie hatte sich von dem Tag reichlich Werbung erhofft. „Von den 50.000 Jagdhornbläser in Deutschland sind die meisten älteren Jahrgangs“, erzählt die 33-Jährige. Man mache halt keine moderne Musik. Das gestalte die Jugendarbeit schwierig und sorge dafür, dass viele Bläsergruppen, wie auch die Jagdhornbläser Maingau, ohne Nachwuchs auskommen müssen. Nur Schloss Fußgönnheim, ebenfalls Tattoo-Teilnehmer, zeigt sich mit drei Jugendlichen als absolute Ausnahme.

Deshalb ist die Gilde äußerst engagiert, die Jungen am Horn zu halten. Einmal im Jahr gibt es eine Freizeit, wo der Nachwuchs aus ganz Deutschland hin chauffiert wird. Dann warten auf die rund 40 Teilnehmer nicht nur ein Seminar, sondern auch viel Spaß und Abenteuer. „Dieser Motivationsschub ist wichtig“, sagt Stoll. Sie selbst kam durch ihren Vater, der Jäger ist, zum Horn. Der bläst zwar nicht, dafür tat das der Großvater. „Dessen Horn hing immer an der Wand. Bis jetzt habe ich vom Klang kein besseres gefunden“, sagt Stoll. Bei der Leipzigerin wehrte kein Dreispitz, sondern ein Zylinder das Wasser ab. Für Babenhausen war es schade, dass das Wetter alles verregnete. Bei den Verantwortlichen hat man bereits das Tattoo III in zwei Jahren vor Augen. „Wir sehen das heute als Generalprobe fürs nächste Mal“, so eine unerschütterliche Petra Palm-Hantke.

Quelle: op-online.de

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