Feuerwehr im Einsatz

Wenn Säure auf die Straße fließt

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Die Feuerwehrleute retten den Lkw-Fahrer mit Hilfe des DRK Münster, das die Verletzten versorgte.

Babenhausen - „Ich spiele den verletzten Beifahrer. Ich konnte den Lkw noch allein verlassen. Wenn die Übung jetzt gleich los geht, werde ich um Hilfe rufen“, sagt der Junge, der kurz darauf mit „blutverschmiertem“ Gesicht einige markerschütternde Schreie von sich gibt und sich weinend neben einen verletzt auf dem Boden liegenden Fahrradfahrer setzt. Von Petra Grimm 

Das Szenario, das die Babenhäuser Feuerwehr für ihre Abschlussübung am Samstagnachmittag auf dem Stadthallenparkplatz inszeniert hatte, hatte es wirklich in sich. Ein Verkehrsunfall mit einem Gefahrguttransporter, der einem Radfahrer ausweichen musste und dabei an eine Hauswand prallte, stellte die 45 Einsatzkräfte unter der Leitung von Siegfried Kinz vor beachtliche Herausforderungen. Die zahlreichen kleinen und großen Zuschauer erlebten zudem eine Materialschlacht, bei der von unterschiedlichen hydraulischen Rettungsgeräten, Chemikalienschutzanzügen und Dekontaminationszelt bis zum Gelenkmastfahrzeug allerhand zu sehen war.

In zwei Einsatzabschnitten aktiv

Ein Feuerwehrmann im Schutzanzug beim Verlassen des Dekontaminationszeltes, in dem er abgewaschen wurde.

Moderiert von Pressesprecher Werner Flechsenhaar beobachteten die Schaulustigen, die in diesem Fall willkommen waren, wie die Feuerwehrleute in zwei Einsatzabschnitten aktiv wurden. Zum einen stand Menschenrettung und technische Hilfeleistung auf dem Plan. Denn der verletzte Radfahrer muss versorgt und der hinter dem Steuer des Lkw eingeklemmte Fahrer mühsam mit Rettungsschere und -spreizer und einem Rettungszylinder, der das ganze Fahrerhaus auseinander drückt, befreit werden. Dabei stehen die Feuerwehrleute auf einer Plattform, um in einer Höhe mit der Fahrertür des Lkw arbeiten zu können. Das DRK aus Münster, das auch im Ernstfall mit der Babenhäuser Feuerwehr ausrückt, nimmt sich der Verletzten an.

Die zweite „Baustelle“ ist der Gefahrguteinsatz, denn einige Fässer und Container sind durch den Unfall von der Ladefläche des Lasters gefallen und müssen in Sicherheit gebracht werden. Es gilt dabei zunächst herauszufinden, was überhaupt in den Gefahrgutbehältern drin ist, um entsprechende Schutzmaßnahmen für die Einsatzkräfte und die Umwelt einzuleiten. „Mit Hilfe von Gefahrgutliteratur, die wir in den Fahrzeugen haben, müssen wir die geladenen Stoffe identifizieren“, sagte Flechsenhar, der während der Übung auch Tipps gab, wie man die Feuerwehr bei ihrer Arbeit unterstützen kann. Beispielsweise beim Absetzen eines Notrufs: „Täglich rollen Güter aller Gefahrenklassen über deutsche Straßen. Gekennzeichnet sind diese Transporte durch rechteckige Tafeln mit orangefarbenem Untergrund, oftmals zusätzlich mit diversen Zahlen versehen. Den Einsatzkräften helfen diese Informationen besonders in der Anfangsphase. Es ist also wichtig, möglichst viele Details beim Absetzen eines Notrufs mitzuteilen.“

Jahresabschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr

Jahresabschlussübung der Freiwilligen Feuerwehr

Bei den auf dem Stadthallenparkplatz auslaufenden Stoffen handelt es sich um säurehaltige Reinigungsmittel. „Also müssen die Feuerwehrleute mit Atemschutz und Vollschutzanzügen arbeiten“, erläuterte Flechsenhar. Schnell wird eine Absperrgrenze errichtet und die Kanaleinläufe abgedichtet, um eine Gefährdung des Grundwassers zu vermeiden. Die undichten Behälter und Fässer werden in Folien oder Überfässer gepackt und aus der Gefahrenzone gebracht. Da das nicht mit Muskelkraft allein geht, kommt der Teleskopgelenkmast zum Einsatz. „Dieses Multifunktionsfahrzeug wird nicht nur zur Menschenrettung, zur Brandbekämpfung und zu Beleuchtungszwecken von uns genutzt. Ganz gezielt wurde bei der Beschaffung darauf geachtet, dass auch Lasten bewegt werden können“, erklärte der Pressesprecher, während mit dem Gelenkmast ein großer Behälter zielgenau auf eine ausgebreitete Folie auf dem Boden abgelassen wird.

Nach der anstrengenden Arbeit in den grünen Schutzanzügen – einige Zuschauer werden dabei an die Bilder von den Ebola-Einsätzen in Afrika erinnert – werden die Feuerwehrleute in voller Montur in einem Dekontaminationszelt von außen gereinigt. Das dabei anfallende verschmutzte Wasser wird aufgefangen und zur Entsorgung weitergegeben. Dann dürfen sie ihre Vollschutzanzüge wieder verlassen, die später auf dem Stützpunkt desinfiziert werden.

Quelle: op-online.de

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