„Jeder Einbruch ist einer zu viel“

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Der Babenhäuser Polizist Jürgen Förster war beim Präventionstag unterwegs von Haus zu Haus, um über Einbruchsschutz zu informieren.

Babenhausen ‐ Die Nacht ist zu Unrecht gefürchtet. Denn die meisten Wohnungseinbrüche passieren in der Dämmerung. Wenn niemand zuhause ist. Dann schlagen sie am ehesten zu, Gelegenheitsdiebe wie auch ausgebuffte Serieneinbrecher. Von Veronika Szeherova

„Gerade jetzt, mit der Umstellung auf die Winterzeit, kommt erfahrungsgemäß die Saison der Einbrecher“, weiß Klaus Pauls, Polizeihauptkommissar und Leiter der Dieburger Polizeistation.

Grund genug, die Bürger zu warnen und zu mehr Aufmerksamkeit zu bewegen. Bei einer Aufklärungsaktion waren Beamte der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Darmstadt unterwegs im Wohngebiet Babenhausen Ost, um mit Bewohnern über dieses wichtige Thema zu sprechen. An der Elsässer Straße parkten sie außerdem ihr „Präventionsmobil“. Zahlreiche Interessierte fanden ihren Weg zu dem speziell ausgestatteten Bus, der in seinem Inneren mit jeder Menge sicherheitstechnischer Einrichtung für Wohnungen und Häuser versehen ist. „30 Beratungsgespräche sind insgesamt geführt worden, eine erfreulich große Anzahl für die Kürze der Zeit“, teilt der für Babenhausen zuständige Bezirksdienstbeamte Jürgen Förster mit. Er ergänzt schmunzelnd: „Da die Gespräche gern 15 Minuten und länger dauern, kam unser Sicherheitsprofi Fred Hosse kaum noch zum Luftholen.“

Türen und Fenster mit mehreren Bolzen ein sinnvoller Einbruchsschutz

Auch Claudia Hammelbeck und Martin Kampmann ließen sich von Hosse im Präventionsmobil beraten. Das junge Paar hat vor kurzem ein Haus in Babenhausen gekauft und möchte dieses möglichst einbruchsicher gestalten. Ausführlich ließen sie sich vor allem diverse Fenstersysteme erklären, die es potenziellen Einbrechern besonders schwer machen. „Jetzt wissen wir, was wir am besten zu kaufen haben“, lobt Hammelbeck. „Und auch, wo wir es bestellen können, denn wir haben Listen mit Ansprechpartnern bekommen.“ Nach dem Beratungsgespräch mit der Polizei ist sie froh, bisher noch keine Fenster bestellt zu haben: „Jetzt merke ich, dass die Sicherheitsberatung bei unserer ursprünglichen Fensterfirma nicht besonders gut war.“

Für Einbrecher komme es vor allem drauf an, schnell in die Wohnung zu gelangen, erklärt Hauptkommissar Klaus Pauls. Umso mehr Versuche sie brauchen, ein Schloss zu knacken, desto eher lassen sie davon ab. Daher seien Türen und Fenster mit mehreren Bolzen ein sinnvoller Einbruchsschutz. Besonders mit dem Boden ebene Türen seien verlockend für Einbrecher.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gab es 298 Wohnungseinbrüche

„Aber es sind auch viele kleine Verhaltensregeln im Alltag, die Einbrüchen vorbeugen können“, so Pauls. „Beim Verlassen der Wohnung sollte man darauf achten, die Türen wirklich abzuschließen und auch die Garage und Fenster nicht offen oder gekippt zu lassen.“ Bei längerer Abwesenheit wie bei einem Urlaub sollte man sich mit Nachbarn absprechen, damit sie den Briefkasten leeren und beispielsweise die Rollläden hoch und runter machen. „Dann sieht die Wohnung bewohnt aus, und das schreckt ab“, weiß Pauls. Ebenfalls sinnvoll: „Auf auffällige, unbekannte Personen achten, die um die Häuser schleichen, ebenso auch auf Autos mit fremden Kennzeichen.“

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg gab es im vergangenen Jahr 298 Wohnungseinbrüche zu verzeichnen, deren Aufklärungsquote 19,5 Prozent betrug. Außerdem gab es 59 Fälle von Tagesdiebstahl, von denen 23,7 Prozent aufgeklärt wurden. „Wir arbeiten natürlich daran, dass die Aufklärungsquoten höher werden“, sagt Pauls. „Aber erfreulich ist, dass insgesamt die Zahl der Wohnungseinbrüche rückläufig ist.“ Babenhausen sei dabei leider eine Ausnahme: 2008 gab es 13 Einbrüche, 2009 waren es 19. „Jeder Wohnungseinbruch ist einer zu viel“, beteuert Pauls. „Für die Betroffenen ist damit oft eine enorme psychische Belastung verbunden.“

So erging es auch einer Bürgerin, die Förster bei der Wohngebietsbegehung besuchte. Seit bei ihr eingebrochen wurde, habe sie lange Zeit Angst gehabt. Mittlerweile hat sie ihr Haus sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand nachgerüstet. „Dieser Präventionstag ist eine sehr gute Sache“, sagte sie anerkennend.

Die Aufklärungsaktion geht weiter: Am 25. November kommt das „Präventionsmobil“ nach Groß-Zimmern.

Die Reaktionen auf Försters Besuche waren durchweg positiv, obwohl manche Menschen mit einem sichtlich erschrockenen Gesichtsausdruck die Tür öffneten – offensichtlich aus Angst vor schlechten Nachrichten. Einen Polizisten vor der Haustür hat man schließlich nicht jeden Tag. „Es ist nichts passiert“, beruhigte Förster in diesen Fällen zuerst.

Er verteilte Broschüren und lud die Bürger ein, das „Präventionsmobil“ aufzusuchen. Außerdem zeigte er dort, wo es nötig war, direkt auf, wo Sicherheitslücken am Haus sind. „Die Garage sollten Sie nicht geöffnet lassen, auch wenn Sie nur ganz kurz unterwegs sind“, warnte er beispielsweise. Und auch unabgeschlossene Fahrräder gab es öfter zu sehen. Auch das gilt es unbedingt zu vermeiden. Denn Gelegenheit macht bekanntlich Diebe.

Quelle: op-online.de

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