„Jenny“ gibt reichlich Futter für die Narren

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Jubiläums-Fastnachtszug zieht mit 56 Nummern durch die Stadt.

Babenhausen ‐ Kapitän Friedel Sahm prangt in der Mitte auf der Kajütenfront, links und rechts die Matrosen Ralf Guinet und Frank Ludwig Diehl: Die drei Stadtverordneten von CDU und Grünen halten für einen Motivwagen der Gruppe Herdel-Weitzel her. Von Stefan Scharkopf

„Kutter von der weiten See tut Kasse und der Seele weh“, steht auf den Schiffsplanken zu lesen. Klar: „Jenny“ ist gemeint, designierte Beherbergungsstätte für die Technik im dann sanierten Freibad - und für viele ein Ärgernis. So war der Kutter noch Ideenlieferant für weitere Wagen und Fußgruppen des 55. Fastnachtszugs. Beim SKV Sickenhofen hieß es: „Im Stadtsäckel kaa Futter, doch mer kaafe en Kutter.“ Den Rücken des Wagens zierte der Pleitegeier auf dem Stadtwappen. Bei der „Akzeptanz“ des Turnvereins zogen Matrosinnen ein kleines Boot hinter sich her und der CCH Harreshausen gab sich als „arbeitslose Besatzung der Jenny aus, die eine neue Beschäftigung sucht“.

Doch der Ex-Muschelsauger war nicht das einzige Thema, dem sich die Narrenschar in einem politischeren Umzug als gewöhnlich annahm. Die kleine Fußgruppe Herz(ilein) Mamier lief als Panzerknacker durch die Straßen und verkündete: „Babenhausen ist doch wirklich arm, gibt´s nur Räuber, kein Gendarm, und, das ist doch wirklich fies, Babenhausen ist das Knackerparadies“ und spielte damit auf die jüngste Überfallserie und die von vielen Bürgern gewünschte Polizeistation an. Die Gruppe Rothermel wusste Rat bei chronischem Geldmangel der Stadt: „Ist die Kasse leer, müssen die Zauberer her.“ Dass auch das nicht hilft, meinte die Freiwillige Feuerwehr: „Die Wikinger suchen das Weite, denn Babenhausen ist pleite!“ war auf ihrem Wagen zu lesen. Die Gersprenzratten kamen als „Babenhäuser Affenhaus“ daher. Ihr Motto: „Nichts sehen, hören und sagen, dass können die Stadtaffen an 365 Tagen“, ihre Palette reichte vom Kopfsteinpflaster in der Innenstadt bis zum Schwimmbad.

Doch die acht- bis zehntausend Zuschauer feierten bei sonnigem, aber kaltem Wetter freilich auch die vielen anderen Fußgruppen und Wagenbauer, die sich seit Monaten darauf vorbereitet hatten, ihre oft aufwändigen Kostüme den Zaungästen zu präsentieren. So kam die Purzelgarde des SKV als „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ daher, während die etwas älteren Narren des gleichen Vereins den „Carneval in Venedig“ zelebrierten.

Bunt zog der Lindwurm durch die Gassen

„Woodstock war ne geile Zeit - so feiern es die Reiter heit“, ließ der Reit- und Fahrverein wissen. Deren „Tijuana Taxi“ unterhielt die Feierwilligen am Zugweg bestens mit Liedern. Thematisch ähnlich die SG Rot Weiss: „Flower-Power“ war angesagt. „Dieses Jahr schwarz wie die Nacht und wir steigen in Babenhausen jedem aufs Dach“, lautete die Botschaft der „Falschen Fuffziger“.

Bunt zog der Lindwurm durch die Gassen, etwaige Unterbrechungen konnten die Zuschauer verschmerzen, und am Marktplatz löste sich der Tross dann auf. Ungeduldig erwartet: die Prämierung der Teilnehmer. Bei den Fußgruppen holte sich der Reit- und Fahrverein („Woodstock“) Platz eins, gefolgt von den „Fledermäusen“ des SKV und den Wikingern der Feuerwehr. Die Nordmänner kamen gleich nochmal zu Ehren: Bei den Motivwagen eroberten die Brandschützer den ersten Rang. Da sie zum dritten Mal erfolgreich waren, dürfen sie den Wanderpokal behalten. Auf Platz zwei landete die Gruppe Herdel-Weitzel („Jenny“), Dritte wurde „Die wilde 13“ mit „Auf der Alm, do gibt´s koa Sünd“.

Quelle: op-online.de

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