„Jenny“ wird wohl Reise antreten

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Bürgermeisterin Gabi Coutandin nahm stilecht vor einem Leuchtturm, der ihr Arbeitszimmer ziert, die Unterschriften gegen den Kutter entgegen.

Babenhausen ‐ Die Aktion kam spät, wahrscheinlich zu spät. 1268 Stimmen „zur Vermeidung des Fischkutterankaufs ‚Jenny‘“ haben Reinhard Weitzel und sein Mitstreiter Wolfgang Lamberth gesammelt und Bürgermeisterin Gabi Coutandin überreicht. Von Stefan Scharkopf

Zwei Stunden später musste die Betriebskommission, die den Ankauf des ehemaligen Küstenmotorschiffs abgesegnet hatte, zum Rapport beim Magistrat antreten und Zahlen vorlegen. Ansprechpartner waren der Leiter des Eigenbetriebs, Christian Heinemann, und Andreas Bremer vom mit der Schwimmbadsanierung beauftragten Planungsbüro. Bremer legte nach Informationen aus dem Rathaus dar, dass in den vorgelegten Kosten von insgesamt 3,524 Millionen Euro alle notwendigen Leistungen erfasst seien; zusätzliche Kosten für Statik und Brückenverstärkung betrügen maximal weitere 12.000 Euro.

Laut Coutandin wies er darauf hin, dass „Jenny“ neben der Technik und dem Bistro auch Sozialräume für das Personal beherberge. Die Kosten für ein entsprechendes herkömmliches Gebäude bezifferte der Eigenbetriebsleiter auf rund 382 000 Euro.

Finanzielles Risiko bis zu 561.000 Euro

Der Verzicht auf „Jenny“ und eine Umplanung bedeute, so Bremer, die Neuausschreibung aller Gewerke. Dabei müsse man auch Schadenersatzanforderungen der seitherigen Bieter einkalkulieren, die wegen der Neuausschreibung keinen Auftrag erhielten. Insgesamt bewege sich das finanzielle Risiko einer Planungsänderung ohne „Jenny“ zwischen 388.000 und 561.000 Euro.

Nach längerer Debatte beschloss die Betriebskommission mit ihrer Mehrheit, dass an der seitherigen Planung festgehalten und die Beschlüsse umgesetzt werden sollen.

Der Magistrat wird - nach Rücksprache mit der technischen Revision des Kreises und der Kommunalaufsicht - am kommenden Mittwoch über Rechtmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der von der Betriebskommission gefassten Beschlüsse befinden.

Coutandin zollte den beiden Anti-Jenny-Aktivisten Respekt, dass sie in etwas mehr als einer Woche die 1268 Unterschriften zusammenbekommen haben - das entspricht etwa zehn Prozent der wahlberechtigten Babenhäuser. Coutandin bezeichnete die Liste als eine „politische Willenserklärung“ und „eine Mahnung an die politisch Verantwortlichen, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen und nach Alternativen zu suchen“. Die „Jenny“-Gegner beharren darauf, dass die veranschlagten 330 000 Euro für Kauf, Umbau und Transport nicht reichen werden und beziffern die Kosten auf „im schlimmsten Fall 600.000 Euro“.

„Zahlen sind zunächst Schätzungen.“

In einer Stellungnahme sagen die Grünen, dass die Umbau- und Transportkosten für das Schiff bei einem vergleichbaren Betongebäude noch unter den Erstellungskosten für ein konventionelles Gebäude liegen sollen. Eine Verkleinerung der Gebäudefläche sei wegen der Sozialräume fürs Personal nicht möglich. Außerdem bestehe noch zusätzlicher Bedarf, weil die Technik fürs Kinderbecken ebenfalls im Schiffsbauch untergebracht wird. Die Grünen sprechen gar von Mehrkosten zwischen 462.000 und 670.000 Euro.

Die Zahlen für die Mehrkosten, so Coutandin auf Anfrage, seien zunächst Schätzungen, was die möglichen Schadenersatzforderungen betrifft. Architekt Bremer hatte in der Sitzung gesagt, dass alle Gewerke neu ausgeschrieben werden müssten, weil sie letztlich miteinander verzahnt seien. „Wenn das die Planer als Fachleute so sehen, muss ich mich daran orientieren“, so Coutandin. Sollte sich erweisen, dass die Zahlen alle stimmen, wird „Jenny“ wohl im Freibad vor Anker gehen.

Coutandin: „Bereits im vergangenen Jahr hätte man eine alternative Planung angehen und sich beispielsweise über ganzjährige Gastronomie oder ein Bistro unterhalten müssen. Beim Bistro hätte es auch ein kleineres Schiff getan. Dieser Schritt ist nicht sorgfältig genug geprüft worden.

Quelle: op-online.de

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