Jetzt geht´s Richtung vier Millionen

Babenhausen ‐ Die Sanierungskosten für das Schwimmbad nähern sich langsam der Vier-Millionen-Grenze. Neueste Beschlüsse der für das Freibad zuständigen Betriebskommission sehen vor, dass nun eine Breitwasserrutsche, ein Rollrasen und ein Boule-Platz angelegt werden sollen.  Von Stefan Scharkopf

Die Rutsche schlägt laut Bürgermeisterin Gabi Coutandin mit 63.000 Euro zu Buche. Um den Platz unter diesem Spielgerät sinnvoll zu nutzen und den Kleinen eine Möglichkeit zu geben, dort zur Toilette gehen zu können, wird unter der Rutsche noch ein Kinder-WC eingebaut, das 20.000 Euro kosten soll. Hinzu kommt der Rollrasen für 13.000 und ein Bouleplatz für 20.000 Euro.

Bereits im Herbst 2010 war bekannt geworden, dass sich die ursprünglich von der Kommunalaufsicht auf 3,5 Millionen Euro gedeckelten Kosten um 300. 000 Euro erhöhen. Für die Grünen war das damals kein Problem. Sie begründeten das Anwachsen durch zusätzliche Wünsche im Freizeitbereich und die sinnvolle Verlegung von Anschlüssen für spätere Nachrüstungen. So sei naheliegend, für die später einzubauende Breitwasserrutsche oder den Strömungskanal jetzt schon die Anschlüsse und Zuleitungen vorzusehen, als später diese Dinge teuer nachzuverlegen. Wichtig sei zudem der Anschluss des Kinderbeckens an die zentrale Wasser- und Filtertechnik gewesen, denn mit dem Bau des Kinderschwimmbeckens im zweiten Bauabschnitt werde auch die marode und störungsanfällige Technik unter dem bisherigen Becken verschwinden. Die Grünen gingen seinerzeit davon aus, dass die Betriebskosten von derzeit rund 420 000 Euro nach der Sanierung durch die neue Technik auf 315 000 Euro sinken würden.

Mehrkosten über den Haushalt finanzieren

Mit den neuen Beschlüssen liegen die aktuellen Kosten bei nunmehr 3.916.000 Euro - eine Überschreitung der ursprünglich festgelegten Summe um 416.000 Euro. „Wir werden die Mehrkosten über den Haushalt finanzieren müssen“, sagte Verwaltungschefin Gabi Coutandin am Telefon, „etwa bei Brücken, Straßen und öffentlichen Plätzen.“ Sie sieht, wie die Opposition auch, dahinter einen Schachzug der schwarz-grünen Mehrheit in der Betriebskommission vor der Kommunalwahl. Zunächst seien wichtige, für den Badebetrieb sinnvolle Einrichtungen geopfert worden: deutliche Reduzierung der Wasserfläche, vier statt der bisher sieben 50-Meter-Bahnen, Streichung der Attraktionen sowie die Abplanung der Wassererwärmung durch Solarabsorber, um nicht bei Sanierungskosten von 4,5 Millionen Euro zu landen.

Jetzt, kurz vor der Kommunalwahl, würden einige Dinge werbewirksam nachgerüstet, wie Andrea Möbius (FDP) sagte (OP vom Dienstag). Sie fürchtet, dass sich die veranschlagten Kosten für den Unterhalt des Bades von rund 300.000 auf 600.000 Euro pro Jahr verdoppeln werden, inclusive Zinsen für die Rückzahlungen der Kredite und je nach Höhe des Zuschusses für die Betriebskosten.

Freie Wähler bewerten Bouleplatz als „pikant“

Die Freien Wähler wollen von Bürgermeisterin Gabi Coutandin als Vorsitzende der Betriebskommission Fragen zu den jüngsten Beschlüssen des nichtöffentlich tagenden Gremiums und die finanziellen Auswirkungen beantwortet haben: Welche Maßnahmen auf wessen Initiative jetzt noch beschlossen wurden, wie hoch sich vor-aussichtlich der Gesamtbetrag der Schwimmbadsanierung beläuft und mit welcher jährlichen Summe die Stadt rechnen muss, um künftig den Fehlbetrag des Eigenbetriebes für die Schwimmbadunterhaltung auszugleichen.

Als „besonders pikant“ bewerten die Freien Wähler die Errichtung eines Bouleplatzes im Schwimmbad. Für diese Freizeitsportart habe sich in der Vergangenheit vor allem der Grünen–Stadtverordnete Ralf Guinet eingesetzt. „Sollen hier Voraussetzungen für das persönliche Hobby geschaffen werden?“, fragt FWB-Fraktionsvorsitzender Kurt Lambert.

Kritisch sehen die Freien Wähler auch die zusätzliche Errichtung eines 16.000 Euro teueren Grillplatzes. Die Selbstversorgung der Badegäste werde die Suche nach einem Pächter für den Kiosk im Schwimmbad sicherlich nicht leichter machen.

Quelle: op-online.de

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