„Jetzt wird endlich bunt gedacht“

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Der MorgenArtPark in Harpertshausen: Mit seinen Tieren blickt Jan Bürli fortan in eine selbstbestimmte Zukunft für das Areal. Nach dem jüngsten Beschluss der städtischen Betriebskommission darf er das alte Wasserhäuschen nun doch kaufen.

Harpertshausen - „Mich freut es, dass endlich bunt gedacht wurde“, sagt Jan Bürli zu dem jüngsten Beschluss der Betriebskommission der Stadt, dass er das alte Wasserhäuschen am Ortsrand von Harpertshausen nun doch kaufen darf. Von Michael Just

Mit „bunt gedacht“ meint er einen breiten Mehrheitsbeschluss des Gremiums, bei dem Parteifarben diesmal nur eine untergeordnete Rolle spielten. Das sah vor einem Jahr und damit vor der Kommunalwahl noch anders aus, als das Anliegen des Österreichers abgelehnt wurde. Mit der neuen SPD-Mehrheit bot sich nun die Chance für einen zweiten Anlauf: „Die Bürgermeisterin hat uns dazu ermutigt“, erzählt der Künstler, der damals mit seinem Anliegen sowohl die Babenhäuser Politik als auch den Ort spaltete.

Angefangen hatte alles vor rund vier Jahren, als Bürli in Harpertshausen ein Haus erbte. Mit einer großen Gruppe von Kindern malte er das benachbarte, schon lange außer Betrieb befindliche Wasserhäuschen farbig an. Bald reifte die Idee, aus dem verfallenden Gebäude einen kleinen Kunstpark zu machen. Mit seinen Tieren - darunter zwei Schimmel, ein Lama oder ein Esel - fanden bunte Feste und kreative Kinder-Mitmach-Projekte statt. Zuerst gepachtet, wollte der Mittvierziger zwecks langfristiger Planung das Land kaufen.

Da das 2 800 Quadratmeter große Areal kein Bauerwartungsland ist und lediglich als Ackerland eingetragen ist, stellte ein Verkauf keinen großen Verlust für die Stadt dar. Dazu wären die Kosten für die Sanierung des Hauses auf Bürli übergegangen. Während Bürgermeisterin Gabi Coutandin und weite Teile der SPD für den Verkauf waren, zeigte sich die CDU dagegen. Die Argumente reichten von einen möglichen Bedarf des Geländes für den B 26-Ausbau bis hin zu dem Vorwurf, dass der Künstler nur eine günstige Unterstellmöglichkeit für seine Tiere suche.

Ein Jahr später steht nun doch die Unterzeichnung des Kaufvertrages an. „Das Areal wurde gerade vermessen, und das Katasteramt hat sich auch schon gemeldet“, berichtet Bürli. Da der Marktwert von Ackerland sich derzeit nur um die fünf Euro pro Quadratmeter bewegt, fällt für ihn ein relativ kleiner vierstelliger Betrag an. Ausgenommen vom Kauf sind eine öffentliche Ruhebank und ein großer Baum vor dem Wasserhaus. Dazu behält sich die Stadt bei Wiederverkauf das Vorkaufsrecht vor.

Bürli verdankt die jüngste Entwicklung vor allem der Bürgermeisterin: Sie habe erkannt, dass man der Kunst Freiräume geben müsse und es wenig bringe, Künstler zu verlieren, weil man deren exzentrisches Wesen verbiegen will. Mit dem Erwerb und dem Einlenken der Stadt zeigt sich Bürli nun zufrieden: „Wir sind nicht nur geduldet, sondern angekommen.“

Ganz anders im Sommer 2010: Eine solche Diskussion wegen eines eher kleinen Kunstprojekts hatte der Österreicher nicht erwartet. „Hier kommt ein Fremder und fordert. So einen Träumer kann man nicht dulden“, beschreibt er die damaligen Ressentiments. In den umliegenden Orten habe man teilweise nur den Kopf geschüttelt und bedauert, einen solch‘ kreativen Kopf nicht auf eigenem Terrain zu haben. Zum Weitermachen in Sachen „MorgenArtPark“ bewegten Bürli vor allem die vielen Jugendlichen, die regelmäßig zum Wasserhaus kommen und mit den Tieren oft ihre ganzen Ferien verbringen. Dazu gesellen sich unzählige Passanten wie Radfahrer, die sich immer wieder gerne umschauen.

Den Zwist will Bürli nun abhaken: „Das nehme ich nicht persönlich.“ Dazu führt er an, dass sich Kunst schon immer gegen Gerede und politische Streitigkeiten erwehren musste: „Nun hat sich erneut gezeigt, dass man Kunst und das Fantastische nicht bremsen kann. Die Leute haben schon immer probiert, Einhörner an Bäume zu binden, was nicht funktioniert.“

Aus der Diskussion zieht der Künstler sogar etwas Positives: „Das kann die Menschen im Ort motivieren, auch etwas zu tun und sich nicht gleich vom Weg abbringen zu lassen.“

Gerade für Harpertshausen mit seinen Wünschen zur Dorfentwicklung sei dies hilfreich: „Es wird nur voran gehen, wenn man nicht immer gleich nach der öffentlichen Hand ruft. Vieles lässt sich künftig nur noch durch privates und individuelles Engagement in Gang bringen“, so Bürli.

Quelle: op-online.de

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