Erfolgsstück neu aufgelegt

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20 Jahre alt, aber von der Hauptaussage von gleichbleibender Aktualität: Die Schüler der Joachim-Schumann-Schule führten das Musical „Das Netz der Zeit“ zweimal auf.

Babenhausen - Vor 20 Jahren leistete der zehnte Jahrgang der Joachim-Schumann-Schule Großartiges: Er bildete eine Projektgruppe und schrieb ein Musical komplett selbst. Dazu gehörte das Komponieren der Musik, eigene Texte und das Einstudieren von Tänzen. Von Michael Just 

Der Name des Musicals: „Das Netz der Zeit“. Dreimal wurde es aufgeführt, einmal sogar auf der Werkstattbühne des Darmstädter Staatstheaters. Nun hieß es in Babenhausen erneut: „Kommt alle, ,Das Netz der Zeit’ wird gezeigt“. „Nach zwei Jahrzehnten schien es uns angebracht, sich dem Musical erneut zu widmen. Es ist einfach zu schön gemacht“, erzählt - und schwärmt - die musikalische Leiterin Sigrid Borchert. Um die Schauspielabteilung kümmerte sich ihre Kollegin Barbara Bernhard, die Tänze lagen in der Hand von Isabel Fuhr. Der Inhalt des Stückes: In den 1920er Jahren hat ein Mädchen namens Johanna (Lydia Kohlert) Streit mit ihrem Freund Hans (Luis Bussalb). Durch einen Zauberer gelangt sie an ein Amulett, mit dem sie in die Zukunft reisen kann. In anderen Epochen hofft sie, auf bessere Zeiten zu treffen.

Das Musical zeigte sich schon aufgrund der Teilnehmerzahl als beeindruckend: Alleine der riesige Chor, der aus den Gesangsklassen 5/6 sowie 7 bis 10 bestand, zählte 100 Mitwirkende. Ihn platzierte man auf einer Extra-Bühne, die seitlich der Hauptbühne der Stadthalle stand. Auch die fast zehnköpfige Band, die von früheren Schülern der JSS unterstützt wurde, befand sich auf dem Parkett, damit die Handlung ungestört auf das Publikum wirken kann. Begeisterung riefen bereits die Tanzvorführungen von Schülern der Jahrgangsstufe 8 hervor, die, wie beim Charleston oder beim Rock‘n Roll, die einzelnen Epochen einläuteten. Das geschah so flott, dass sich im Publikum alle sicher waren, dass von dieser Gruppe im Privatleben wohl keiner mehr einen Tanzkurs braucht.

Ebenfalls beeindruckend: Die geschichtlichen Einwürfe, wie etwa die 68er-Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg oder die Forderung der Frauen während der Hippie-Zeit, dass nur sie über ihren Bauch beim Thema Schwangerschaftsabbruch entscheiden dürfen. Die Kostüme und das Bühnenbild mit seinen wechselnden Gestellen (Betreuung: Eileen Scholz) untermalten in idealer Weise die Handlung. Insgesamt sieben verschiedene Aufzüge sorgten fortwährend für Kurzweil. Das größte Augenmerk lag natürlich auf den 20 jungen Sängern: Als Zauberer, Demonstranten, Polizisten, Hippies, Bürger oder Internetsurfer füllten sie ihre Rollen höchst anspruchsvoll aus. Mit ihrer wunderschönen Stimme setzte sich vor der Pause zweimal Melina Niccum in der Rolle der Lisa auffallend in Szene. Schwerstarbeit leistete die Band, denn in der zweistündigen Aufführung gab es kaum Passagen, die nicht mit Musik unterlegt waren. Selbst während der Vorhang für den Umbau und das Umziehen der Bühnenakteure verschlossen war, wurde gespielt.

Joachim-Schumann-Schüler beziehen Neubau

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Mit der Neuauflage von „Das Netz der Zeit“ verdienten sich alle 180 Mitwirkenden ein dickes Lob, erst recht, da die Schüler im Gegensatz zu damals alle jünger waren. Dazu unterstrich man, dass bei den Theaterproduktionen der JSS stets Besonderes geleistet wird. Von den zehn größeren Aufführungen in den letzten 20 Jahren waren bis auf zwei alle selbst geschrieben. Die deutlichsten Unterschiede zur Premiere Mitte der 90er lagen nun in der Ergänzung durch den Schülerchor sowie dem Einbau einer Gegenwartsszene im Schnellrestaurant, die mit Hip Hop, Techno und Mobiltelefonen untermalt wurde. Wie die Älteren wissen, gab es Smartphones und eine Handymania damals noch nicht.

Während des Stücks trifft Johanna in den verschiedenen Epochen immer wieder auf ihren Freund, der sie aber nicht erkennt. Dafür erfährt sie umso deutlicher die Probleme, die die Jugendlichen bewegen. Sie stellen auch die Hauptaussage der Zeitreise dar: Ein gänzlich sorgenfreies Leben gibt es nicht, jede Generation hat ihre Herausforderungen zu bewältigen. Da konnte das Happy End kaum besser passen, dass sie zum Schluss wieder in ihre Zeit zurückkehrt und sich mit ihrem Freund versöhnt.

Quelle: op-online.de

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