Berufswünsche erarbeitet

Job-Info-Börse in der Joachim-Schumann-Schule mit 39 Ständen

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Auszubildende des in Babenhausen ansässigen Continental-Werkes demonstrierten bei der Job-Info-Börse in der Joachim-Schumann-Schule, welche Fertigkeiten mitzubringen sind.

Babenhausen - Erfolgsgeschichte schreibt seit 19 Jahren die Job-Info-Börse, eine Kooperationsveranstaltung der Joachim-Schumann-Schule, der Schulsozialarbeit und der städtischen Kinder- und Jugendförderung. Von Petra Grimm 

Mit ihrem Konzept, das es den Schülern ermöglicht, Infos über Ausbildungsberufe und Möglichkeiten der Weiterqualifizierung aus erster Hand zu erhalten, waren die Organisatoren Vorreiter im Landkreis. Am Freitagvormittag war es wieder soweit. Rund 250 Schüler der neunten Jahrgangsstufe, einige Zehntklässler und die Abschlussklassen der Eduard-Flanagen-Schule nutzten den Berufsinfotag. In diesem Jahr präsentierten sich 39 Firmen, Betriebe, weiterführende Schulen und Institutionen. Einige sind bereits seit dem Start im Jahr 1999 dabei. Das Spektrum war denkbar breit. Soziale, kaufmännische und technische Berufe sind traditionell ebenso vertreten wie beispielsweise die Industrie- und Handelskammer, das Polizeipräsidium Südhessen, die Bundeswehr oder der Internationale Bund. Acht Betriebsbesichtigungen außerhalb der Gesamtschule wurden angeboten.

Die gute Nachricht für die zukünftigen Berufseinsteiger: Selten gab es so viele Möglichkeiten und offene Ausbildungsstellen wie aktuell. Dieser Trend ist schon seit einigen Jahren zu bemerken und er hat sich noch verfestigt. Anders als noch vor 20 Jahren werden in vielen Bereichen händeringend Auszubildende und Fachkräfte gesucht. Das bestätigt auch Holger Plischke, Ausbilder bei der Continental, der mit einem Kollegen und vier Azubis gekommen war, um über die verschiedenen Ausbildungsberufe und duale Studiengänge am Babenhäuser Standort zu informieren. Gerade im Bereich innovativer Automobiltechnik gebe es einen gewaltigen Wandel durch neue Technologien. „Dadurch ändern sich auch die Berufe. Was ja auch eine Chance für die jungen Leute ist“, so Plischke. „Bei uns haben auch gute Hauptschüler eine Chance, beispielsweise als Werkzeugmechaniker. Aber bestimmte Fähigkeiten, vor allem in den Naturwissenschaften und Mathematik sind Grundvoraussetzung“, sagte Plischke. Daran mangele es bei den Bewerbern aber oft.

Nach der Begrüßung durch Schulleiter Rainer Becker, Ersten Stadtrat Reinard Rupprecht und Jahrgangsleiterin Barbara Meuer, schwärmten die Jugendlichen aus. Im Dezember hatten sie sich im Rahmen von zwei Projekttagen mit dem Thema beschäftigt und sich im breiten Angebot fünf Berufe ausgewählt, die sie interessieren. „Davon bekommen sie dann drei, die sie sich bei der Jobbörse genauer anschauen können. Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich nicht nur auf einen Wunschberuf konzentrieren, sondern auch rechts und links schauen und nicht nur eine Karte ziehen“, sagte Michael Spiehl, der die Veranstaltung gemeinsam mit Meuer von Anfang an organisiert. Als Schulsozialarbeiter war Marcel Weber dabei.

In diesen 10 Berufen arbeiten die glücklichsten Menschen

Neben dem größeren beruflichen Angebot für die Schüler ist ein weiterer Trend bemerkbar. „Das Interesse vieler Schüler geht eher in Richtung weiterführende Schule. Viele scheuen davor zurück, sich jetzt schon für einen Beruf zu entscheiden“, ist Meuer aufgefallen. Bei Schülern, die die Ausbildungsreife noch nicht wirklich haben, könne es ein Vorteil sein beim Start in den Beruf ein Jahr älter zu sein. Aber grundsätzlich sei das deutsche Berufsausbildungssystem sehr durchlässig und man brauche keine Angst zu haben sich zu früh festzulegen, wie der Lehrer Florian Aßmann betonte. Als Beispiel erläuterte er den möglichen Weg nach einem Hauptschulabschluss und anschließender Lehre. Der dabei erlangte Gesellenbrief ist dem mittleren Schulabschluss, also dem Realschulabschluss, gleich gestellt. Wenn ein junger Mensch dann noch weitere Ambitionen hat, steht ihm mit diesem Gesellenbrief die Fachoberschule offen, nach deren Abschluss man ein Studium an einer Fachhochschule beginnen kann. „Es kann also immer noch weitergehen, wenn man das möchte“, sagte Barbara Meuer.

Der 15-jährige Jan Heil, der sich wegen seines naturwissenschaftlichen Interesses sowohl bei der Continental als auch beim Merck „eingewählt“ hat und auch ein Informatik-Studium für denkbar hält, fühlte sich in seinen Berufswünschen bestätigt. Noch offen zeigten sich Mara Grigo und ihre Freundin Lea Wachtel. „Also wir waren eben bei der Sparkasse. Die haben alles sehr gut erklärt und ich könnte mir nach dem Abi eine Lehre als Bankkaufrau oder Steuerberaterin gut vorstellen“, sagte Mara, der aber auch die Naturwissenschaften liegen, weshalb sie sich ebenfalls bei der Firma Merck informieren möchte.

In einem anderen Gang war Mihriban unterwegs. Sie möchte Krankenpflegerin werden, hat sich aber – da sie sich auch für Technik interessiert – ebenfalls den Vortrag bei Continental angehört. Sie bleibe eher bei der Krankenpflege, sagte sie. Auch das sei ein Ziel dieses Vormittags, wie Spiehl meinte: „Wenn man nach der Job-Börse genauer weiß, was man nicht machen möchte, war die Sache ja auch nicht umsonst.“

Quelle: op-online.de

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