100 Jahre TSV Harreshausen

Fußball ist kein Strohfeuer

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Haben vor dem heutigen Fest einige Wünsche für die Zukunft des TSV Harreshausen formuliert: die Ehrenmitglieder (v. l.) Reinhild Pöschl, Mathilde Sydlik, Alfred Funk, Georg Herdt, Helmut Herdt und Heidi Gößler.

Harreshausen - Gestern Abend fiel mit dem ersten Teil eines Hobby-Fußballturniers der Startschuss in das Fest-Wochenende des TSV Harreshausen. Von Jens Dörr

Der mehr als 400 Mitglieder zählende Verein aus dem 1 200 Einwohner großen Stadtteil lässt es aber vor allem am heutigen Samstag krachen: Ab 14. 30 Uhr geht es mit einem vielfältigen sportlichen und geselligen Programm rund auf dem TSV-Gelände.

Zum Jubiläum sprechen sechs Ehrenmitglieder des Turn- und Sportvereins – Reinhild Pöschl, Mathilde Sydlik, Heidi Gößler, Georg Herdt, Helmut Herdt und Alfred Funk – über den Verein im Wandel der Jahrzehnte.

Viel Arbeit, Einsatz, Zeit

„Früher war es in Harreshausen ganz klar, dass man als Kind in den TSV gegangen ist“, blickt Pöschl zurück. „Es gab nichts anderes“, pflichtet ihr Helmut Herdt bei. „Es kam keiner auf die Idee, nach Babenhausen zu gehen.“ Wenn das halbe Dutzend der langjährigen und verdienten Vereinsmitglieder von den Anfängen ihrer Zeit beim TSV erzählt, geht es meist um die Zeit ab den 50ern. Pöschl trat 1951 ein, Helmut Herdt sogar noch zwei Jahre früher. Auch Georg Herdt ist seit 60 Jahren dabei, Funk seit fünf Jahrzehnten. Während Gößler „erst“ 1971 in den TSV eintrat, toppt die 89-jährige Mathilde Sydlik in Sachen Vereinstreue alle: Seit 80 Jahren gestaltet sie das Leben im Harreshäuser Verein mit.

Sydlik war bereits Mitglied, als im Mai 1930 die TSV-Halle eingeweiht wurde und damit ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Vereins vonstatten ging. Ein solcher war auch die Eröffnung des Vereinsheims 1968 – und selbstredend der Bau der Mehrzweckhalle durch die Stadt vor rund drei Jahrzehnten. „All das hat viel Arbeit, Einsatz, Zeit und ehrenamtliches Engagement gekostet, dass alle Ehrenmitglieder eingebracht haben“, ist es TSV-Vorstandsmitglied Christiane Gräf im Rahmen des Gesprächs mit dieser Zeitung wichtig zu betonen.

Früher Jubel, Trubel, Heiterkeit

Neben den Turnern sowie den Gesundheits- und Breitensportlern bringt man den TSV Harreshausen heute in Stadt und Region insbesondere mit seinen Fußballern in Verbindung. Das war nicht immer so: „1956 haben wir erstmals zusammengesessen und über Fußball diskutiert“, erzählt Helmut Herdt. „Damals hieß es, Fußball sei ein Strohfeuer.“ Wichtiger war in Harreshausen zu dieser Zeit Feld-Handball, dessen Popularität nach und nach allerdings geringer wurde. Mit der Zeit löste der Fußball den Handball beim TSV ab. Auch die Leichtathletik verlor an Stellenwert.

Funk erinnert sich an Jahre und Jahrzehnte, als mit dem Abpfiff des Schiedsrichters an einem Spieltag noch lange nicht Schluss war: „Wenn das Spiel rum war, herrschten noch Jubel, Trubel, Heiterkeit. Heute wird noch ein Kasten Bier getrunken und dann nach Hause gegangen“, bedauert er. „Wir waren damals der gesellschaftliche Mittelpunkt im Ort“, stellen auch Pöschl und Sydlik heraus. Sie verschrieben sich insbesondere der Gymnastik. „Bewegung mit Musik und Kreativität lautete immer unser Credo.“ Gleichwohl sähen sie: „Der Verein kann nur von der Gegenwart und der Zukunft leben, nicht von der Vergangenheit.“

Für diese Zukunft formulieren die Ehrenmitglieder unterschiedliche Wünsche: Das Vereinsheim mit seiner Gaststätte und der Bewirtung an den Sonntagen solle erhalten bleiben, findet etwa Sydlik sehr wichtig. „Die Fußballteams sollen uns erhalten bleiben, der Aufstieg hingegen ist zweitrangig“, sagt derweil Georg Herdt. Helmut Herdt wünscht sich eine „bessere Beteiligung bei den anfallenden Arbeiten“.

Und Heidi Gößler sieht eine erfolgreiche Zukunft des TSV Harreshausen vor allem mit zwei Frauen verbunden: „Ich wünsche mir, dass die Gymnastik-Übungsleiterinnen Monika Müller und Christiane Gräf weitermachen.“

Quelle: op-online.de

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