Jugend wünscht sich Treffpunkt

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Von der P olitik lässt sich besonders gut im Garten im eigenen Strandkorb entspannen.

Harreshausen - Sechs Ortsvorsteher gibt es in Babenhausen. Nach der Kommunalwahl wurden die Posten teils neu vergeben, teils blieb es bei den seitherigen Inhabern. In lockerer Folge haben wir im Interview fünf Ortsvorsteher vorgestellt.

Für den letzten Teil VI hat sich unser Mitarbeiter Michael Just mit Heidrun Koch-Vollbracht (CDU) unterhalten, die in Harreshausen zum zweiten Mal an die Spitze des Ortsbeirats gewählt wurde.

Seit einigen Wochen hat Harreshausen keine Feuerwehr mehr. Wie Sie sagen, erfüllt Sie das mit Bedauern und sogar Sorge.

Ja, das stimmt. In unserem kleinen Dorf, in dem es keine Kneipe und kein Geschäft gibt, haben die Vereine für das gesellschaftliche Leben einen besonderen Stellenwert. Für mich persönlich war die Feuerwehr so etwas wie das Herz im Ort. Deren Feste haben die Dorfgemeinschaft repräsentiert. Irgendwo kämpfen derzeit alle Vereine um ihre Zukunft, trotzdem habe ich ein wenig Angst, dass mit dem Aussterben der Feuerwehr unser Gemeinschaftssinn verloren geht. Dann würde das verschwinden, was uns immer getragen hat.

Was kann man dagegen tun?

Wir müssen aus der Auflösung der Feuerwehr lernen, wieder mehr miteinander zu machen und den Zusammenhalt zu suchen. Im Herbst wird es Gespräche über die Zukunft des Feuerwehrhauses geben. Ich habe die große Hoffnung, dass dort so etwas wie ein Haus der Vereine entsteht. Dann wird manches weiterleben. Vielleicht kommen sogar ganz neue Dinge, und man muss das Ende der Feuerwehr als Zäsur sehen, dass es nun zu neuen Ufern geht.

Wenn eine junge Familie nach Harreshausen ziehen will, mit welchen Argumenten würden Sie werben?

Sie kommen in ein in sich geschlossenes, absolut liebenswertes Dörfchen, das bis auf den Kindergarten keine Trauminfrastruktur hat. Wir sind ein echtes Idyll ohne Durchfahrtstraße. Trotzdem ist man mittendrin und kommt - ob auf die Autobahn oder nach Frankfurt – in kurzer Zeit überall hin. Wer ganz bewusst hierher zieht und sich einem Verein anschließt, ist bisher immer herzlich aufgenommen worden.

Seit vielen Jahren gibt es keinen Laden, nicht mal eine Kneipe im Ort. Hat man sich damit abgefunden?

Man muss das realistisch sehen. Das „Weiße Ross“ steht seit vielen Jahren mit einer frisch renovierten Gaststube leer. Früher brummte es hier vor allem in der Spargelzeit, als die Autos bis von Offenbach kamen. Als der Wirt krank wurde, war alles vorbei. Heute könnte man das „Weiße Ross“ als Sommerwirtschaft für die vielen Radfahrer öffnen. Für jemand, der ganzjährig und als Hauptstandbein davon leben will, dürfte das aufgrund der fehlenden Durchgangsstraße schwierig werden. Im Freundeskreis haben wir schon öfters davon geträumt, hier einen neuen Dorfmittelpunkt mit Poststelle bis hin zur Kinderbetreuung entstehen zu lassen. Alleine vom Grundkapital ist das aber schwierig. Derzeit gibt es in Harreshausen noch nicht mal eine Stelle, wo man gelbe Säcke bekommt.

Die SPD möchte ein neues Baugebiet in Harreshausen. Sie wollen erstmal abwarten.

Ich bin grundsätzlich nicht gegen ein neues Baugebiet. Es geht aber darum, nicht einfach etwas dranzuhängen, sondern sich mit Bedacht zu vergrößern. Deshalb bin ich dafür, das Thema zu verschieben, weil der Zeitpunkt der falsche ist. Harreshausen ist der Stadtteil, der am nächsten zur Kaserne liegt. Wir sollten erstmal abwarten, was hier passiert. Bevor wir im Ort etwas anpacken, müssen in der Kaserne die Weichen gestellt sein.

Wo fehlt es derzeit in Harreshausen?

Wir brauchen einen Bolzplatz, dazu wünschen sich die Jugendlichen einen Treffpunkt mit Unterstand. Des Weiteren gibt es keine öffentliche Toilette und außer dem Bushäuschen keine überdachte Unterstellmöglichkeit. Vor allem die Radfahrer vermissen das. Reparaturarbeiten an einigen Straßen, die wir schon eine ganze Weile monieren, stehen wie die Friedhofsmauersanierung ebenfalls noch aus. Da die Ortsbeiratssitzungen kaum besucht werden, wollen wir demnächst Rundgänge durchs Dorf machen, um die Leute für die hiesigen Belange zu interessieren. Um politisches Interesse zu wecken, muss man derzeit neue Wege gehen.

Die Wünsche klingen gar nicht so groß. Was wurde in den letzten Jahren umgesetzt?

Wir haben unsere Verkehrsinsel bekommen, den Fahrradweg nach Babenhausen, die Brücke über die Gersprenz und einen weiteren Steg. Ein großer Batzen wird in Zukunft die Sanierung unserer Mehrzweckhalle sein, die um die 30 Jahre alt ist. Meines Wissens ist aber erstmal die Halle in Sickenhofen dran. Deshalb müssen wir genau darauf achten, dass unsere Halle nicht verkommt und dass wir so früh wie möglich an der Reihe sind.

Sie sind die einzige Ortsvorsteherin. Wie fühlt man sich unter lauter männlichen Kollegen?

In Babenhausen gab es schon schon einmal eine Ortsvorsteherin, aber in Harreshausen bin ich die erste. Für unser Dorf ist es sinnbildlich, dass es für die Leute eher unbedeutend ist, ob ein Mann oder eine Frau das Amt ausübt. Viel wichtiger ist, dass ich Harreshäuserin bin. Für die Älteren bin ich oft nur das „Mädchen.“ Die sagen mir dann auch ganz deutlich, wo es in unserem Ort hängt. Insgesamt bin ich in diesem Amt sehr wohlwollend aufgenommen und immer unterstützt worden.

Quelle: op-online.de

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