Austausch der Kulturen

Im Jugendcafé treffen Erasmus-Schüler auf Flüchtlinge

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Babenhausen - Die Flüchtlinge beschäftigen nicht nur die Deutschen, sondern ganz Europa. So hat sich auch das europäische Schüleraustauschprogramm Erasmus dem Thema angenommen. Von Michael Just

Eine Gruppe der Heinrich-Heine-Schule aus Dreieich mit Schülern aus sechs europäischen Ländern traf in Babenhausen auf junge Flüchtlingen aus der Erstaufnahmeeinrichtung. Die 30 Schüler zählende Gruppe der Heinrich-Heine-Schule („Europaschule“) aus Dreieich ist multikulti. Spanier, Franzosen, Engländer, Türken, Tschechen und Deutsche sind darunter. Im Jugendcafé (Juca) der Stadt Babenhausen wollen die 13- bis 16-Jährigen mit gleichaltrigen Flüchtlingen aus der nahegelegenen Erstaufnahmeeinrichtung auf dem ehemaligen Kasernengelände ins Gespräch kommen. „Das sind alles Menschen mit persönlichen Schicksalen, von denen jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Wir wollen uns auf Augenhöhe begegnen“, sagt Lehrerin Christina Höhn, die mit ihrer Kollegin Eva Heinlein die Erasmus-Teilnehmer betreut.

Heinlein wohnt in Babenhausen, was zum Brückenschlag mit einer Reihe von Beteiligten für diesen Aktionstag führte. Darunter dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) als Betreiber der Erstaufnahmeeinrichtung, dem lokalen Flüchtlingshelferkreis und der städtischen Kinder- und Jugendförderung als Gastgeber. „Am liebsten hätten wir natürlich einen Blick in die Kaserne geworfen. Aber das geht ja nur schwer“, bedauert Heinlein. So kommt Einrichtungsleiter Tobias Soppart mit sieben Flüchtlingen ins Juca, um den Kontakt von jungen Menschen komplett unterschiedlicher Herkunft, Kultur und bisherigem Lebensweg zu gewährleisten. Sie verständigen sich auf Englisch. Zu Beginn stellt Soppart die Erstaufnahmeeinrichtung vor. Während dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im November 2015 wurde sie eröffnet. Er zeigt Fotos der Schlafstätten, des offenen Treffs und erklärte die Versorgung. „Derzeit haben wir rund 200 Bewohner. Anfang Januar kamen zwei kleinere Zuweisungen von jeweils 50 Personen“, erläutert er. Nach diesen Infos warten auf Schüler und Flüchtlinge gemeinsame Spiele am Tischkicker und Bastelaktionen. Später stellte Armin Kniesz Arbeit und Räume des Flüchtlingshelferkreis vor. Das Erasmus-Projekt zum Thema Flüchtlinge dauert bis 2018. Jeweils für eine Woche trifft man sich an den teilnehmenden Schulen in Europa, um das Wissen zu erweitern. Die erste Begegnung fand im November in England statt. Hier wurde eruiert, dass sich Flucht schon lange durch die Menschheitsgeschichte zieht.

Fluchterfahrungen von Prominenten und Künstlern

Eine Begegnung mit Geflüchteten gab es auf der Insel nicht. Die ist dafür in Babenhausen angesagt. Tags zuvor waren die Schüler in der Stiftskirche in Darmstadt, um eine Ausstellung mit dem Titel „Flucht und Ursachen“ zu besuchen. Das Erasmus-Projekt sieht Christina Höhn gerade für die Gäste aus den Nachbarländern als spannend: „In Tschechien dürfte man keine Flüchtlinge auf der Straße treffen“, ist sich die Pädagogin sicher. Der 14-jährige Adam kommt genau aus diesem Land. „Was man bei uns über Flüchtlinge weiß, haben die Leute aus dem TV oder den sozialen Netzwerken“, erklärt er. Das Bild werde nicht positiv gezeichnet und meist mit Kriminalität und Unfreundlichkeit in Verbindung gesetzt. In Babenhausen wolle er nun Flüchtlinge kennenlernen und sich ihre Geschichten anhören. Adam Malyneux, begleitender Lehrer aus England, tritt Vorurteile entschieden entgegen: Schließlich gebe es wie überall solche und solche. Wie er sagt, bringe man in seinem Land dem Thema oft eine Mischung aus Ignoranz und Ablehnung entgegen: „Die Leute sind nicht direkt betroffen, was zu Wissenslücken und Missverständnissen führt.“ Für den Austausch im Juca hatte man eigentlich eine Frage-Antwort-Runde zwischen Erasmus-Schülern und Flüchtlingen erwartet. Die bleibt aber aus. „Eine solche Begegnung muss nicht immer von den Erwachsenen forciert werden. Man kann sich auch beim Spielen und Basteln kennenlernen“, erklärt Höhn. Das führt anfänglich zu einer eher verhaltenen Annäherung. Bei einigen bricht das Eis, bei anderen nicht. Gebrochen scheint es auf jeden Fall bei zwei Jugendlichen. Ein junger Franzose und ein Flüchtling stellen fest, dass sie beide französisch sprechen.

Quelle: op-online.de

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