Jugendliche bei Planung mit eingebunden

Im Keller soll´s eine Werkstatt geben

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Jugendförderung bringt ihre Räume im Sophie-Kehl-Heim auf Vordermann. Die Anlaufstelle der städtischen Kinder- Jugendförderung im Erloch wurde renoviert. Sigy Berhane (zweite von rechts), die derzeit bei der JuFö als Berufsspraktikantin ihr Anerkennungsjahr macht, richtete mit Jugendlichen aus der Nachbarschaft die Räume ein.

Babenhausen - Wenn der Chef selbst mit anpackt, dann macht die Sache entweder Spaß oder sie ist wichtig. Von Michael Just

„Beides trifft zu“, sagt Stadtjugendpfleger Michael Spiehl, während er in einer Latzhose einen Werkzeugkoffer in die Anlaufstelle der Kinder- und Jugendförderung (JuFö) im Erloch trägt. Die zwei Zimmer im Sophie-Kehl-Heim, zu der auch eine Küche und ein Bad gehören, wurden in den letzten Wochen auf Vordermann gebracht: Warm und gemütlich erscheint das neue Laminat, das den vorherigen PVC-Boden ersetzt hat. Die Wände wurden frisch gestrichen, dazu Regale in einem Einrichtungshaus gekauft.

Wie immer sind die Jugendlichen im Babenhäuser Westen in solche Aktionen eingebunden. „Es ist kein Geheimnis, dass später dann pfleglicher mit den Sachen umgegangen wird“, weiß Spiehl. Die Anlaufstelle wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen und dabei auch renoviert. Nachdem vor geraumer Zeit ein Wasserschaden auftrat sowie ein Einbruch mit mutwilliger Zerstörung verzeichnet wurden, entschloss man sich, erneut Hand anzulegen.

„Schüler helfen Schüler“

Mit dabei war natürlich auch Ahmed Ögretmen. Der Erloch-Bewohner unterstützt in seiner Freizeit die JuFö. Er kennt viele der Heranwachsenden, die die städtische Jugendarbeit erreichen will. Schon damals, als die Anlaufstelle in Betrieb genommen wurde, renovierte er die Räume mit Jugendlichen komplett in Eigenregie und verbreitete Aufbruchstimmung. Ögretmen weiß, dass Hoffnung, Perspektive aber auch Verantwortung wichtige Begriffe für das Erloch sind. Durch die verdichtete Wohnstruktur tun sich an der Babenhäuser Peripherie immer wieder soziale Probleme auf. 40 Jugendliche erreichte Ögretmen zu Beginn seiner Arbeit und machte sie, wie er sagt, zu „ehrenamtlichen Helfern“. Seine Integrationsarbeit sah so aus, dass man sich im Viertel nützlich machte. So wurde für ältere Bewohner eingekauft oder mit Projekten die Wohnqualität der Anlieger verbessert. Unter dem Motto „Schüler helfen Schüler“ gab es eine Hausaufgabenhilfe.

Mit der jüngsten Sanierung ist nicht nur ein optischer Neuanfang verbunden: „Die vorherigen Jugendlichen sind jetzt volljährig und gehen ihre eigenen Wege. Ich habe zwar noch Kontakt, aber sie kommen seltener hierher“, erzählt Ögretmen. Jetzt wird eine neue Generation betreut, die abermals in die Renovierung einbezogen wurde. „Wir haben mit dem Verlegen des Laminats gleich noch einen Holzworkshop angeboten. Einer der jungen Männer hier ist Schreiner“, berichtet Spiehl. Doch nicht immer ist alles so einfach, wie es klingt. Beim jüngsten Termin, bei dem in den neuen Räumen aufbauen und putzen angesagt war, standen Michael Spiehl und Ahmed Ögretmen erstmal alleine da. Das Klientel, das helfen sollte, war die erste halbe Stunde nicht auszumachen und trudelte langsam ein. Die Schule und Müdigkeit von einer Party wurden als Gründe angeführt.

Kerb 2013 in Hergershausen

Kerb 2013 in Hergershausen

Rund 25 Jugendliche hat Ögretmen derzeit an der Hand. Das sind in der Mehrzahl Jungs, aber auch Mädchen lassen sich finden. Zweimal in der Woche, dienstags und mittwochs von 14.30 bis 18.30 Uhr, wird in der Anlaufstelle offene Jugendarbeit angeboten. Die Räume dienen mit einem Tischfußball als Treffpunkt, aber auch Probleme lassen sich mit der JuFö bereden. Die Hausaufgabenhilfe gibt es nicht mehr. „Das nahm überhand. Ohnehin ist eine Hausaufgabenhilfe nicht unser Hauptgeschäft“, sagt Spiehl.

Dafür gibt es nun andere Pläne: Im Keller des Sophie-Kehl-Heims ist eine Werkstatt geplant. Nach der Renovierung der Anlaufstelle hofft Spiehl, dass die Einrichtung von der neuen Generation im Erloch genutzt wird. Das JuZ als eigentliches Zentrum der Jugendarbeit soll dabei aber nicht vergessen werden. Ideal ist es für Spiehl, wenn beides genutzt wird, was durch die abgestimmten Öffnungszeiten problemlos möglich ist.

Quelle: op-online.de

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