„Junge Senioren fehlen“

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Die 2c der Schule im Kirchgarten spielte ein Weihnachtsstück. Auch wenn die Kinder manchmal etwas leise waren, freuten sich die Senioren über den Auftritt der Kleinen.

Babenhausen - Der Herr des Kaffees heißt Günther Schmidt. Am Samstagnachmittag kochte der Vorsitzende des DRK-Langstadt beim städtischen Seniorennachmittag in der Kernstadt den Kaffee und holte das Beste aus der Bohne heraus. Von Michael Just

Doch warum die Fremdhilfe? „Wir sind ein Verpflegungszug und haben deshalb die großen Kaffeeautomaten“, weiß Schmidt. Deren Leistung ist enorm: Mit einem Fassungsvermögen von einem Pfund Kaffee lassen sich gleich zehn Liter und damit 65 Tassen aus einem Automat produzieren. Bemerkenswert: Der ausgeschenkte Kaffee war fair gehandelt und entstammte dem Dritte-Welt-Laden.

Nette Gespräche und Programm auf der Bühne: Der Seniorennachmittag hatte einiges zu bieten.

Auch in diesem Jahr hatte der Ortsbeirat ein ansprechendes Programm vorbereitet. Zum ersten Mal nahm das der neue Ortsvorsteher Walter Herbert in die Hand. So stand der Gesangverein Eintracht mit weihnachtlichen Weisen auf der Bühne, dazu die 2c der Schule im Kirchgarten mit einem kleinen Weihnachtsstück. Die schon mit internationalen Ehren bedachte TV-Tanzgruppe „Akzeptanz“ gab ebenfalls ihre Visitenkarte ab. Den fast einstündigen Schlusspunkt setzte das Babenhäuser Blasorchester mit über 30 Musikern. Die Begrüßung für die Stadt kam von Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg, die kirchlichen Gemeinden waren durch die katholische Gemeindereferentin Claudia Czernek und den evangelischen Pfarrer Dr. Frank Fuchs vertreten.

Mit 150 Senioren

Mit 150 Senioren bot die Stadthalle noch reichlich Platz und ließ die Resonanz vergangener Tage mit über 400 Personen vermissen. Wenn man zugrunde legt, dass von den 10.000 Einwohnern der Kernstadt rund 25 Prozent über 65 Jahre alt sind, zeigte sich sich der Besuch als bescheiden. Der Grund mag an den glatten Straßen und Gehwegen am Wochenende gelegen haben. Oder auch daran, dass die Stadt seit wenigen Jahren nicht mehr persönlich per Brief einlädt. Und noch ein weiterer Grund kommt hinzu: „Es sind vor allem die jungen Senioren, die uns fehlen. Viele zwischen 65 und 70 Jahren sehen sich als zu jung für diese Runde“, sagt ein Mitglied des Ortsbeirates.

Der Ortsbeirat, der vollständig angetreten war, legte sich mit der Bedienung der Gäste ins Zeug. Auffallend war, dass viele Besucher über die Debattierfreude der Stadtverordneten Bescheid wissen, ihre politischen Vertreter trotzdem nicht allzu gut kennen. So wurde ein Fraktionsvorsitzender kurzerhand für einen Vereinsvertreter gehalten. Der Betroffene nahm es gelassen: „In der Kernstadt geht man bei Fragen ins Rathaus. In den Stadtteilen hat man das nicht, weshalb der Ortsbeirat dort besser bekannt ist.“

Gespannt auf die Darbietungen

Die meisten Senioren warteten am Samstag gespannt auf die Darbietungen. Darunter auch Sieglinde Leyh (75), die erst zum zweiten Mal da war. „In jüngeren Jahren kam ich immer. Da war mein Mann Pfarrer in Babenhausen und der Besuch quasi offiziell“, sagt sie. Wie sie hinterher schickt, gefiel ihr das Programm damals durch die Künstler von außerhalb nicht so gut. Jetzt werde der Nachmittag mit lokalen Vereinen und Schulen gestaltet. Das sei bei weitem besser. Vor allem wenn Kinder auf der Bühne stehen, hat die rüstige Rentnerin Spaß an der Sache. In Zukunft will sie öfter kommen, auch aufgrund der vielen Bekannten von der evangelischen Frauenhilfe. Die waren es auch, die sie zum diesjährigen Besuch animierten. „Manchmal braucht es eben einen Anstupser“, sagt Leyh, während sie Programm und Kaffee gleichermaßen genießt.

Quelle: op-online.de

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