Kaffee für zarte Metzgerhände

+
Echte Handarbeit aus Babenhausen: Maria Breuer stellt Seifen, Peelings, Bade-Konfekt (in der Schüssel), Lippen-Balsam und mehr her. Sie verwendet dafür nur Naturstoffe.

Babenhausen ‐ Maria Breuer weiß, was Männer wollen. „Luxusfette“, sagt sie lächelnd. Also Jojoba- und Avocadoöl, Kakao- und Sheabutter. Von Veronika Szeherova

Die Seifenherstellerin aus Babenhausen verwendet sie für ihre duftenden und pflegenden Produkte. Seit die 48-Jährige vor anderthalb Jahren begonnen hat, ihr Hobby gewerblich zu betreiben, hat sich ein fester Kundenstamm etabliert. Und der Anteil an männlichen Seifen-Fans steigt.

Obwohl feste Seifen in der Gesellschaft einen recht schweren Stand hätten: „Der schlechte Ruf der Kernseife hängt ihnen immer noch nach. Es ist wahr, dass diese Produkte die Haut stark ausgetrocknet haben.“ Breuer erklärt, dass das Verdünnungsverhältnis der Lauge bei diesen Seifen nicht gestimmt habe und sie keine Überschussfette hatten. Gerade diese seien aber wichtig, da sie nach dem Einseifen auf der Haut bleiben und sie rückfetten.

Mittlerweile 20 Sorten im Angebot

Aber weil Fett nicht gleich Fett ist, benutzt die Heilpraktikerin für Psychotherapie in ihrer Seifen-Manufaktur nur die besagten Luxusfette und rein pflanzliche Öle wie Oliven- und Mandelöl. Die einzigen tierischen Fette, die bei ihr in die Seife kommen, sind Milchfett, Bienenwachs und das Wollwachs Lanolin. „In industriell hergestellten Seifen findet sich meist Rinderfett oder Schweineschmalz und synthetische Chemikalien und Konservierungsstoffe, die der Haut Feuchtigkeit entziehen“, weiß die Expertin. Das rechtfertige den niedrigen Ladenpreis. Breuers Seifen bewegen sich im Fünf-Euro-Bereich pro Stück.

Zum Seifenmachen kam sie durch eigene Hautprobleme: „Ich hatte Schuppen und Schorf auf der Kopfhaut sowie Rosacea. Eine Bekannte von mir, die Seifen hergestellt hat, gab sie mir zum Probieren und es wurde viel besser. Das inspirierte mich dazu, eigene Seifen herzustellen.“ Heute seien Schuppen gar kein Thema mehr und Rosacea kaum noch, freut sie sich.

Mittlerweile hat sie 20 verschiedene Sorten im Angebot. Darunter auch spezielle Seifen für Allergiker, die frei von Duftstoffen sind. Und Seifen mit Meersalz oder Porzellanerde, Schafs- und Ziegenmilch, Jojoba-Seide oder Kaffee. Für Letztere hat sie einen ganz treuen Kunden – einen türkischen Metzger, der darauf schwört, dass keine andere Seife so gut den Fleischgeruch von den Händen entferne wie Breuers Kaffeeseife.

„Der Fantasie sind beim Seifenherstellen nahezu keine Grenzen gesetzt“, sagt die vor fünf Jahren aus dem Rheinland zugezogene Babenhäuserin. „Nur der Chemiker muss sein OK geben, dass alles nach der Kosmetikverordnung hergestellt ist und die Zusammensetzung stimmt.“

„Es ist jedesmal sehr spannend“

Denn strenge Auflagen gehen mit der Seifenherstellung einher. Als Breuer das Gewerbe anmeldete, musste sie erst das Einverständnis vom Veterinäramt einholen. Außerdem führt sie über alle Inhaltsstoffe einen Nachweis und für jede Seife ein Analysezertifikat. Mittlerweile habe sie sich zum Wohle der Verbraucher ein „ganz ordentliches“ chemisches Wissen angeeignet, das ihr bei der Produktion zugute komme, sagt Breuer.

Sie lässt die Inspiration für neue Seifen einfach von sich aus kommen. „Es ist jedesmal sehr spannend, wenn ich nach den Wochen des Abtrocknens und Reifens eine Seife ausprobieren kann“, erzählt sie, und ihre Augen funkeln. „Es ist auch toll, aus einem großen Seifenblock die einzelnen kleinen Stücke rauszuschneiden, die so schön bunt marmoriert sind und jedes anders aussieht.“

Beim Wochenmarkt in Hanau ist Breuer regelmäßig anzutreffen, so auch am nächsten Mittwoch und an Heiligabend. Außerdem empfängt sie nach Anmeldung Interessierte in ihrer Manufaktur an der Ziegelhüttenstraße, Tel. 06073 710 144. Ein Internetshop ist noch im Aufbau.

Quelle: op-online.de

Kommentare