Pfarrgemeinde St. Josef

Kampf gegen den Kirchenschwund

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Mehr Kirchenaustritte als letztes Jahr und leere Kirchenbänke sind für die St. Josef Pfarrgemeinde Grund genug, bei ihren Mitglieder nachzufragen, wieso sie nicht mehr die Messe besuchen. Dazu wird ein Fragebogen versendet. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sigmar Nadolny hofft, dass der Fragebogen klärt, wieso so viele mit der Kirchengemeinde unzufrieden sind.

Babenhausen - Für die Pfarrgemeinde St. Josef ist die Situation schon länger beunruhigend: An Weihnachten und bei der Erstkommunion sind die Kirchenbänke voll, ansonsten wollen nur noch wenige Menschen das Wort Gottes hören oder sich in der Kirchengemeinde engagieren. Von Michael Just

Für die Verantwortlichen bei St. Josef ist das eine Lage, mit der sich kaum noch in die Zukunft blicken lässt. So gibt es in den nächsten Tagen Post für die Katholiken der Stadt: Ein Fragebogen wird in den Briefkästen landen, der Klarheit über Wünsche und Vorstellungen der Gemeindemitglieder bringen soll. Negatives wie Positives soll gleichermaßen auf den Punkt gebracht werden. „Der Bogen geht in den nächsten Tagen in der Kernstadt und den Stadtteilen raus. Insgesamt werden 3400 Exemplare verteilt“, kündigt Pfarrer Winter an. Laut seinen Worten wurde im Pfarrgemeinderat nun schon mehrfach die sorgenvolle Entwicklung thematisiert. Die reiche vom Rückgang der Gottesdienstteilnehmer bis zu den fehlenden Sängern im Kirchenchor. „Trotz vielfältiger Bemühungen finden sich kaum noch neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Generell ist es derzeit in vielen Bereichen unserer Pfarrgemeinde schlecht bestellt“, bedauert Pfarrer Winter und spricht dabei die Tatsachen offen an.

Der Fragebogen wurde vom Pfarrgemeinderat ausgearbeitet. Fast immer gibt es Antworten zum Ankreuzen, damit das Ausfüllen schnell geht. Damit will man auch verhindern, dass das Papier bei den Adressaten erstmal zur Seite gelegt wird und dann unbeantwortet liegenbleibt. Insgesamt werden rund ein Dutzend Fragen gestellt. Geklärt wird unter anderem, welche Angebote bei St. Josef als wichtig erachtet werden oder wie die Gottesdienstgestaltung und Liturgie ankommt. Die Predigt, die musikalische Gestaltung oder auch die Uhrzeit können hier mit „gut“, „weniger gut“ und „nicht gut“ bewertet werden. Darüber hinaus besteht natürlich immer die Möglichkeit, Vorschläge und sonstige Bemerkungen loszuwerden. Dass endlich Klarheit her muss, hat in den letzten Tagen noch ein weiterer Umstand bewirkt: So erfolgten in kürzester Zeit zahlreiche Kirchenaustritte. „Das dürfte mit den Vorgängen in Limburg zusammenhängen“, ist sich Pfarrer Winter sicher. Im Oktober traten 15 Personen aus. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2012 waren es 20.

Aufgrund der überschaubaren Zahl der Gottesdienstbesucher hat St. Josef in den Stadtteilen bereits die ersten Konsequenzen gezogen: Ab dem neuen Kirchenjahr, was in wenigen Tagen zum Advent beginnt, gibt es sonntags um 8.30 Uhr in Langstadt keine Messe mehr. „Meist kamen nur acht bis zehn Menschen“, berichtet Winter. Des weiteren entfallen die Eucharistiefeiern in der evangelischen Kirche Harpertshausen an Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Auch hier gingen die Teilnehmer zurück. Die Samstagabend-Messe, die um 18.30 Uhr abwechselnd in Hergershausen und Langstadt stattfindet, soll vorerst bleiben – auch wenn hier ebenfalls meist nicht mehr als 20 Gläubige kommen. Für die Sonntagsmesse in Babenhausen besteht für die Gemeindemitglieder aus den Stadtteilen ein Hol- und Bringservice mit dem Pfarrbus. „Trotzdem wird dieses Angebot nur mäßig genutzt. An manchen Sonntagen fährt der Bus mit nur zwei Personen“, sagt Winter.

Kommunionkinder und Konfirmanden

Kommunionkinder und Konfirmanden des Jahres 2013

Mit dem Fragebogen ist der Wunsch verbunden, dass dieser auch beantwortet wird und ans Pfarrbüro zurückgeht. Hier findet Sigmar Nadolny deutliche Worte: „In Zukunft meckern steht dann nur noch denen zu, die den Bogen auch ausgefüllt haben.“ Laut Pfarrer und Pfarrgemeinderat wird die Auswertung Anfang des neuen Jahres sehr akribisch erfolgen. Und nicht nur das: „Es sollen einschneidende Veränderungen, um nicht zu sagen Umbrüche, erfolgen. Die werden und müssen kommen“, kündigt Pfarrer Winter an.

Quelle: op-online.de

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